Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 10 - Dezember
- Date
- 1903-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4864325-6028961-6074081--0603-4864772- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
alle Logen und alle Brüder nur förderlich sein. Alle Differenzen werden durch eine Aussprache ungleich leichter bebehoben, als durch noch so ausgedehnte Schriftsätze, etwa auftauchende Disharmonien werden schon im Keime erstickt. Eine solche Aussprache über die Lage des Distrikts im Anschlüsse an die Anspr?cbe des Grosspräsidenlen würde den Geist der Eintracht, die brüderliche Mitarbeit stärken, die Brüder, welche ohnehin seit vielen Jahren im Orden thätig sind, auffrischen, die Logemhüden und Ordensverdrossenen beleben, die Gleicbgiltigen aufrütteln, die Beamten mit neuem Geiste erfüllen. Es wird neues, reiches Leben in unseren Reihen erblühen. ' Das sollten die Logen und die Brüder ernstlich bedenken und reiflich erwägen. Ich weiss wohl, man wird mich einen Schwärmer heissen es mag auch ein wenig Schwärmerei in diesen Darlegungen zum Ausdruck gekommen sein. Aber trotz meiner Jahre habe ich mir soviel Jugendlichkeit bewahrt, dass ich für die Gesundheit und Wohlfahrt unserer Glaubensgenossen schwärmen kann. Um eines bitte ich, diese Anregungen nicht als Unterhaltungslektüre anzusehen, sondern sie mit allem Ernst zu behandeln, auf die Richtigkeit, Zweckmässig keit und Ausführbarkeit zu prüfen und das Ergebniss des selben in den Monatsberichren zu veröffentlichen. Vor einiger Zeit habe ich ein Gleiches den Brüdern zur Begutachtung übergeben, aber meines Wissens ist bis jetzt von keiner Seite ein Bericht eingegangen. Wer von der grossen Be deutung des Ordens erlüllt ist und sich alles Heil für die Zukunft unseres Volkes von der Ordensarbeit verspricht, wird sich dieser Mahnung nicht verschliessen können und dürfen. Dann wird die Ordensmüdigkeit und die Logen Verdrossenheit, die hier und da ihr Haupt erhebt, schwinden, dann werden sich Alle auf jede Grosslogen-Sitzung freuen. Ich resümiere das Ausgeführte dahin: 1) Besprechung der allgemeinen Lage des Distrikts durch Referenten oder die Logen. 2) Beginn der Sitzung am Sonnabend Abend vorher für weniger wichtige Sachen oder Vorberatung in Comites. 3) Vortrag für Brüder im Anschluss an die Sitzung der Grossloge. Weshalb der U. O. B. B. nur Juden vereinigt. Diese oft aufgeworfene Frage behandelto Br. Maximilian Stein, Präsident der Monteflore-Loge, in seiner jüngst gehaltenen Einführungsrede. Bei dem allgemeinen Interesse, das diese Frage zu beanspruchen hat, lassen wir hier d^sn betreffenden Theil jener Rede folgen. Das Kedaktions-Comite. „Zwei Fragen sind es, die immer wieder unserm Orden und dessen Bestrebungen entgegengehalten werden: die eine lautet:.ist das Judenthum nicht ohnedies eine Loge, eine Glaubensverbrüderung, durch die ein s^peeifisch jüdischer Orden sich erübrigt? Die Anderen aber fragen: ist es an der Zeit, sich im Orden Bnei Briss wie in einem jüdischen Sonderbund eigenwillig und vors etzlich abzuschliessen? Zwischen diesen beiden Fragen, wie zwischen zwei entgegengesetzten Polen bewegt sich nun das Wesen unseres Ordens. Wenn ich daran gehe, Ihnen die Grundzüge desselben aufzudecken, so glaube ich, sie um so klarer verdeutlichen zu können, wenn ich an die angeführten Einwürfe anknüpfe. Wohl bildete einmal das Judenthum an sich sozusagen eine Loge. Das war vor allem, als eine religiöse Geschlossenheit sie band, als die altreligiöse Ueberzeugung mit allen strengen Ceremonialgesetzen wie aus einem Guss feststand, ohne dass ein Israelit es auch nur gewagt hätte, sich abzusondern. Das war, als. es keine Deutungen und Auslegungen gab, und keine Unterschiede religiöser Auffassung, als ein ehernes frommes Dogma galt, von dem keiner abwkh oder sich ausschloss. Und dann kam auch noch, als Ghetti mit Ketten und Mauern die Juden zusammenzwangen, die sie nicht von einander Hessen. Die düsteren Ghettoinauern fielen, die Ketten, haben sich gelöst und die Juden stoben räumlich auseinander. Aber' auch der altreligiöse Zusammenhang wurde gelockert, die Ueberzeugungen spalteten sich, die Einheit des Judenthums zerklüftete. Bildung,, und Aufklärung erhellten wohl und erwärmten, aber sie blendeten auch. Die. altehrwürdige Unantastbarkeit der Religion erschien nun wie in einem Farbenspiel mannigfacher Deutungen und Auffassungen' und verschiedener Uebungsarten. Da erstand unser Orden und band die Garben wieder, die auseinander fielen und;mühte sich, die Aehren aufzulesen, die jüdischen Gefühle und Empfindungen, die entfallen waren. Der Zusammenschluss der Juden war gelöst, der Orden schmiedete neue Reifen, die wir Logen nennen, um sie neu zusammenzuhalten in den Verbänden der Solidarität unseres Ordens. Das Irrlicht einer missverstandenen Emanzipation hatte manche Israeliten abgelockt vom Judenthum; unser Orden stellte neue Wegweiser für die Verirrten auf. Die Wege sind \Vege der Treue am Judenthum und sie führen zum xeinsten geläutertsten Menschenthum, als dem höchsten Inhaltunserer Bestrebungen. Wenn die Noth der Zeit kam, wenn die Flammen der Judenfeindschaft und Verfolgung an allen Ecken und Enden der Welt aufloderten, werrh die verwöhnten Kinder der Emanzipation verängstigt aufschreckten, dann bot der Orden Zuflucht, und unsere Logen wurden zu Schutzhütten, bis-die Gewitter sich verzogen. Unser Orden erst hat die gesprengte Judenheit wieder zu einigen begonnen. Hier lösen alle Differenzen verschiedenster Auffassungen sich auf in der gemeinsamen Liebe zum Judenthum und in gemeinsamer Menschenliebe. Aber wir sind auch kein Geheimbund, und wir wollen uns nicht absondern und abschliessen. Wir sind keine phantastischen Wellverbesserer. Unsere Mystik heisst Liebe^ Freundschaft "ist unser Geheimniss, und nicht die Welt, ondern uns selbst wollen wif verbessern. Als Israeliten schliessen wir uns zusammen angesichts der betrtt" Erkenntniss, dass aller Kullurfortschritt dsiiSuch seitige Judenfeindschaft nicht auszumerzen verm Ob mit Keulenschlägen oder Nadelstichen, ob laut 1* oder still verschwiegen, ob mit roher Flaust oder glaep handschuht, immer noch "und in allen jpfaären öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens wirkt und spukt das Gespenst der Judenfeindschaft, grassiert jenes unbegreifliche Vorurteil, das uns, je sensibler und empfindlicher wir geworden sind, desto mehr verletzt. Das allein würde den Zusammenschluss einer Auslese hochstrebender Israeliten rechtfertigen.. Wir sind aber in keinem Fall eine Angriffstruppe, und irgend welche Ausein-