Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 10 - Dezember
- Date
- 1903-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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-^^18 Sonnabend Abend beginnen zu lassen; ein gutes Stück rbeit könnte da schon gethan werden, da doch die meisten Repräsentanten schon Sonnabend hier sind und sein können. Man wird mir einwenden, dass bei der Sonnabend - Tagung man auf ein voll besetztes Haus nicht rechnen kann, und das Ansehen der Grossloge würde darunter leiden. Ich verkenne die Wichtigkeit dieses Argumentes nicht. Aber einerseits zweifle ich, ob die Grossloge grosse Lücken aufweisen würde. Es kommt auf einen Versuch an. Anderseits könnten am Abend vorher die Comites ihre Berathungen halten, oder auch alle Formalisten und minder wichtige Anträge erledigt werden. - Es würde dadurch viel Zeit für den folgenden Tag gewonnen werden, der vollständig ausgenutzt wird. — Könnte und würde man sch entschliessen, den vorgeschlagenen Weg zu betreten, würde somit eine Auswahl von Berathungs - Gegenständen getroffen werden können. Die weniger wichtigen Sachen würden ausfallen und es bliebe hinreichend 4eit ~und Gelegenheit, wichtige, allgemein interessirende Dinge in anregender Debatte hohen Stils zu besprechen. Man wird mir einwenden, dass dieses in jeder Gros«löge geschehen sei. Gewiss! Wir haben Debatten über Ahlem 18!»4 und 1895 gehabt, Herausgabe eines Flugblattes (895, über jüdische Volkskunde und Mädchenhandel 1897, Religionsunterricht in kleinen Gemeinden 1M»G, Hilfsaktion für Galizien 1 Ausbildung von Krankenpflegerinnen ll'OO, Lungenheilstätten 1901, Jubiläumsstiftung und Enquete 1902. Das sind Alles wichtige Materien, von weitgehender socialer Bedeutung, daneben haben aber die inneren Anfiten, z. 3. Ausbau der Organisation, Zweckmässigkeits-und Gesetzes-Fragen stets einen breiten Raum in Anspruch genommen. Auch das ist für uns wichtig und nothwendig. Indessen glaube ich nicht fehl zu gehen, wenn ich behaupte, die inneren Angelegenheiten seien zu einem bestimmten Abschluss gekommen, dass ferner kaum> nöthig werden dürfte, sieb in grossem Umfange damit zu beschäftigen. aOinit wäre es jetzt an der Zeit, sich mehr und mehr mii socialen Problemen zu beschäftigen. An Stoff fehlt es nicht. Fortgang der Enqud-tisirung mit begrenzten Aufgaben. Dahin würde auch gehören: Die Mischehen, die Lage der un ehlichen Kinder, die Lage der in den verschiedensten Beiufen thätigen Mädchen in Bezug auf Wohnung, Lebensweise, geselligen Verkehr und Fortbildung und sittlicher Beeinflussung. Förderung der Kunst und des Kunsthandwerks, Pflege und Unterweisung armer Schulkinder, Unterricht schwachsinniger Bänder. Geschichte der Juden in den Städten,4 wo Logen sich finden, Verein junger Leute, Arbeitsnachweis mit .gegenjer Aushülfe, Zusammenfassung der Frauenvereine zu!>arra*e" mit engerem Anschluss an die Logen und reisung socialer Aufgaben» Gesundheitsverhältnisse der ^Ben. Das sind Probleme für unser eigenes Vaterland, deren Besprechung und Bearbeitung dringlich sind und mit aller Energie in Aligriff genommen werden müssen. Dabei braucht die Thätif.xeit für die osteuropäischen Juden keinen ^Stillstand zu erleiden, dafür wird schon gesorgt werden, das* L^JIüfsarbeit für diese Opfer der Verfolgung nicht |<errabmi» >/a s Hilfswerk für Galizien wird von uns weiter gefördert werden. Das wird uns noch oft und ernstlich beschäftigen müssen. Will man ernstlich Lösung solcher Probleme herantrete«, -so versteht es sich von selbst, dass man nicht plötzlich In eine so schwierige Materie eintreten kann, es muss alles Bezügliche durch Referenten vorbereitet werden. . Dabei möchte ich mir erlauben, eine frühere Anregung von Br. Tuch wieder aufzunehmen, nämlich öffentliche Vorträge im Anschluss an die Tagung der Grossloge. Sollte die Grossloge meinen Vorschlag nicht annehmen oder vor der Grösse der Aufgabe zurückschrecken, verlohnte es sich doch wenigstens, den Versuch mit einem öffentlichen Vortrag einmal zu machen, der meiner Ansicht nach gelingen muss, wenn man ein aktuelles, volksthümtiches Thtma wählt und von einem gewandten Redner behandelt wird, deren wir, zu unserer Freude sei es gesagt, eine stattliche Anzahl besitzen. Freilich müsste der Ort der Grosslogentagung wechseln, damit die BBr. der angrenzenden Logen daran theilnehmen könnten. Wenn dann noch diese Vorträge gedruckt, in alle kleinen Gemeinden als Flugblaut verschickt werden, dann wird überall bessere Kenntniss von unseren Absichten, Zwecken, Wirksamkeit Platz greifen, man wird überall erkennen, welche Bedeutung unser Orden für die Wohlfahrt der Judenheit hat, welche Mittel und Wege der Orden für die sociale Hebung unserer Glaubensgenossen vorschlägt und ins Werk setzen will. Es werden uns überall Helfer erstehen, das Verständniss und Bereitwilligkeit für sociale Arbeit wird mehr und mehr in die mittleren und kleinen Gemeinden eindringen, wir werden gar viele Stützpunkte für unsere Bestrebungen finden. Und das muss doch entschieden betont werden, dass eine allseitige Aufklärung der Glaubensgenossen höchst nothwendig ist. Die Pflicht mit Hand anzulegen an die sociale Emancipation der Judenheit ist noch lange nicht zum Bewusstsein Aller gekommen, hat noch lange nicht alle deutschen Juden durchdrungen> Es ist eine nationale und patriotische That, die wir damit zu vollbringen hätten. Das wäre auch eine propagandistische That schönster Art, und der seiner Zeit abgelehnte Antrag Plotke ginge zu Ehren seiner Manen der Verwirklichung entgegen. Kosten würden uns daraus kaum erwachsen, da ich soviel Vertrauen zu den jüdischen Buchdruckereibesitzern habe, dass sie gerne den Druck unentgeltlich übernehmen, würden, wenn man sie in richtiger Weise angeht, sie von der Nützlichkeit und Wohlfahrt überzeugt. Denn soviel Gemeinsinn und Interesse für jüdische Wohlfahrt iürfen wir bei ihnen voraussetzen. Auch würde die Last für den Einzelnen keine gresse sein, wenn die Buchdruckereibesitzer die Zahl der Flugblätter unter sich vert heilen. Die Tochter logen könnten die Verhandlungen mit ihnen r übernehmen. Fürwahr, dieser Gedanke der Verbreitung von socialen Kenntnissen und deren Ausführung ist so gross und so schön, hat alle Aussicht auf einen guten Erfolg, dass er schon deshalb eines Versuches würdig ist. Aber auch unsere inneren Angelegenheiten müssten von einer höheren Warte behandelt, von grosszügigem Gesichtspunkte besprochen werden. Die Lage unseres Districts erfordert es geradezu. Die Verschiedenheit der Logen, der Logenkreise in ihrer Arbeit, Aufgaben, Ausbreitung macht sich nach der geographischen Gestaltung mehr und mehr geltend, tritt mit ihren eigenen be- . stimmten Interessen mehr hervor. Es ist eine allgemeine Aussprache über diese integrierenden Beziehungen zu einande? und zur Grossloge unabwendbar, das kann für