Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 9 - November
- Date
- 1903-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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104 — erworben haben, und der Name Plotke ist mit unauslöscb liehen Lettern in der Geschichte" der München-Loge ein getragen. In dankbarer Erinnerung werden wir ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren. Hochansehnliche Trauerversammlung! ■ Trauernde Angehörige! Es ist ja allgemein bekannt, so oft auch der Ruf an Bruder Plotke erging, für eine neue ideale Sache einzutreten, da war er, der die Rechte so vieler Menschen vertheidigte, der ein Vater der Waisen, ein Berater der Wittwen war, jederzeit hilfsbereit und stets in erster Reihe zu finden, wenn es galt, das Gute zu fördern und es mit Rath und That, mit Herz und Hand zu unterstützen. Und wenn die Stürme des Lebens drohten und besonders bei unseren armen Glaubensgenossen im fernen Osten verheerend wirkten, da war unser Bruder Plotke dem im nächsten Sabbathschnitt gepriesenen Noah gleich, der, als draussen in der Welt das Verderben herrschte, die Arche baute, und gleich wie dieser Stammvater baute unser Bruder Plotke in solch erregten und be wegten Zeiten mit an der Arche der Errettung. Leider hat er die Zeit nicht erlebt, in welcher er die Taube aussenden konnte, die das Blatt des Friedens für unsere armen Brüder bringen soll. Auch von ihm kann man mit vollem Rechte sagen: Er war ein Mann, edel, frei von Fehl, in seiner Zeit ein Retter in der Noth. Nun, unvergesslicher Plotke, jetzt hast du ausgekämpft, und ausgelitten; dein Andenken aber wird weiter leuchten und uns erwärmen. Dein Leben ist vergleichbar einer Kerze, die sich verzehrt, indem sie Anderen leuchtet. Wie oft hast Du, unvergesslicher Plotke, als Präsident am Schlüsse der Logensitzungen dem Wächter die Worte zugerufen: „Bruder Wächter, öffnen Sie die Thüren und lassen Sie die Brüder in Frieden zieWn! f Nun, -Meister Plotke, jetzt hat der Meister aller Meister gerufen : „Wächter Tod, öffne Du die Thüre und lass ihn einziehen, den edlen Bruder und Menschenfreund durch die Pforten des Friedens, einziehen in den Tempel der ewigen Glückseligkeit.'' Br. Alphons Jacobson aus Leipzig. Würdiger Präs.! Liebe Brüder! Verehrte Trauerversammlung! Zurückgekehrt von einer langen Reise, finde ich als erste Nachricht in meiner Heimath die Trauerbotschaft. Wie ich erschüttert war, dass ich nicht an dem letzten Wege unseres treuen, lieben Br. Plotke habe theilnehmen können, kann ich wohl kaum beschreiben. Ich wollte aber wenigstens heute hier sein, wo mir so öft das Glück vergönnt war, an Ihren hohen Feiern unter der Aegide des Dahingeschiedenen theilzunehmen, um Ihnen Zeugniss davon abzulegen, wie Br. Plotke für mich und für die Leipzig-Loge, die mich nofch in vorgestriger Sitzung dazu beauftragte, gewirkt hat. Alles übrige, was er für die Menschheit, was er der hiesigen Gemeinde geleistet hat, ist schon von beredterem Munde gekündet worden. Sie wissen aber alle aus den Vorschriften und aus den Bestimmungen unserer Religion, dass vor dem allerhöchsten Richter nur der besteht, dessen gute Tbaten das Zeugniss ablegen. Ich will hier nicht wiederholen, was von beredterem Munde gesagt worden ist; Ich stehe hierum ein persönliches Zeugniss für den Dahingeschiedenen abzulegen. Nur wenigen, ganz wenigen unserer Brüder ist das bekannt, was bisher verschwiegen gewesen ist und es auch bleiben soll. Am heutigen Tage muss ich vor unserer Loge erscheinen, um Zeugniss davon abzulegen, was er im höchsten Interesse des Judenthums in der verschwiegensten Weise mir geleistet hat. Es war eine sehr schwierige Angelegenheit, die mich vor vielen Jahren hierhergeführt, und in der ich, während ich vorher Br. Plotke nur im allgemeiner} kannte, mit ihm zu thun hatte. Er ist mir in dieser An-| gelegenheit, die eine hochwichtige Angelegenheit des Judertthums war und die Gott sei Dank glücklich zu Ende geführt ist, ein weiser und kluger Berather gewesen; er hat mir in thatkräftiger Weise hier und an anderen Stellen, wo meine Kräfte nicht ausreichten, beigestanden, dieses grosse Werk zu vollbringen.' Ich hoffe, dass es Ihnen nie bekannt werden wird, was wir in dieser Zeit vollbracht haben; aber öffentliches Zeugniss an dieser geweihten Stätte will ich dafür ablegen was Br. Plotke in dieser Weise mir gethan und wie ,er mir beigestanden hat, dass ich dies Werk habe vollbringen können. In dieser Arbeit, in der ich mit ihm zusammen zu thun hatte, war er natürlich persönlich auch für mich' interessiert, und das hat ihn, den Vielbeschäftigten, ja bewogen, mir zur Liebe — ich habe es nicht anders annehmen können — sich von Seiten der Frankfurt-Loge zur Einweihung der Leigzig-Loge delegieren zu lassen und denjenigen, die seine Worte damals gehört haben, wird es begreiflich sein, wenn ich sage: Er hat den Kehn zu dem idealen Streben in unsere Loge gelegt. In der vorletzten Logensitzung, an der theilzunehmen ich leider verhindert war, ist sein Andenken in würdiger Weise gefeiert worden. Heute gestatten Sie mir nur noch zu erwähnen, dass die Leipzig-Loge mit der F,rankfurt-Loge, mit unserm gesammten Orden tief den Verlust des edlen Bruders beklagt, und dass wir heilig betheuern, in seinem Sinne in unserer Loge und in unserem Leben wandeln zu wollen. Br. Expr. Charles L. Hallgarte n - Frankfurt a. M. Hochverehrte Trauerversammlung! Das Bild des verstorbenen Freundes ist Ihnen vorgeführt worden mit allen seinen grossen, bedeutenden Eigenschaften; alle Vorredner wussten von ihm zu rühmen seine Güte, seine Klugheit, seine Umsicht, seinen unermüdlichen Fleiss und sein Streben zu Gunsten der Bedrückten und Armen. Allem diesem noch mehr Lob hinzuzufügen, soll hier nicht meine eigentliche Aufgabe sein, nur einige Worte des Dankes mö:hte ich sprechen für verschiedene Vereine, in denen ich das Glück hatte, mit ihm zusammen arbeiten zu können, für Vereine und Verwaltungen, die ihn vermissen, in denen sein Verlust ein unersetzlicher ist. Und indem ich dieses thue, sehe ich ihn vor meinem geistigen Auge, jenen herrlichen Mann so voller Güte und Selbstlosigkeit, dessen Wirken für alle diese Zwecke ein rein selbstloses und ideales war, und alle diese Eigenschaften, sie wurden noch übertroffen von einer geradezu rührenden Bescheidenheit, die ihn noch mehr zierte als alle anderen Tugenden, die er in so überreichem Masse besass. Ihm selbst ein Wort der Anerkennung und des Dankes in's Gesicht zu sagen, hätte ich nie gewagt, ihm wiederstrebte solch lauter Lob, er suchte und fand seinen Lohn nur in seinem unablässigem Wirken für das Gute. _^n*ü*ita