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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 9 - November
Date
1903-11-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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— 105 — v*K? Und wieder sehe ich ihn vor mir, die stolze, hohe Gestalt, das gute freundliche Auge, wieder scheine ich ihn zu erschauen, den treuen, guten Freund mit seinem lieben sonnigen Wesen, mit dem er jedem, auch dem Geringsten . ja mit Vorliebe dem Geringsten entgegenkam, denn ihm gab es keine grössere Freude als helfen zu können. Und mit dem Kleinen flog er an und dehnte seine Arbeit aus auf alle grossen Zwecke. Alle die guten Eigenschaften, die schon an ihm gerühmt worden sind, hat er entwickelt in den Verwaltungen, in deren Namen ich jetzt den letzten Dankeszoll dem theueren Dahingeschiedenen entrichte. Wohl hat er den Dank nie gewollt, den hätte er bei Lebzeiten nie angenommen, aber wir, die wir hier zu einer Trauerfeier zusammengekommen sind, wollen, sein Andenken ehren, indem wir uns geloben, in d e m Sinne und auf di e Weise zu wirken, wie dieser gute edle Mensch es gethan hat So möge er unseren Dank empfangen, und so danke ich denn dem treuen Mitarbeiter zunächst im Auftrage des Herrn Oberbürgermeisters Adickes für die Georg um Franziska Speyer'sche Studienstiftung, wo er der treue Berather der Stifter und der Verwaltung stets gewesen ist und uns auf die besten sichersten Wege geleitet hat. So danke ich ihm auch im Namen des Vorstands des Gumpertz'schen Siechenhauses, welches schöne grosse Werk er mitbegrüudet hat, und alle denken wir daran, wie wohlwollend, wie ernst, mit wie viel Liebe und Freundlichkeit er jeden einzelnen Fall mit uns behandelt hat, und gar sehr werden wir ihn in jedem, besonders aber in diesem Kreise schwer vermissen. Auch nach einer anderen Seite hin erstreckte Julius P1 o t k e seine Thätigkeit, wo die Menschenfreundlichkeit nicht in erster Reihe stand, wobei ihn aber seine unauslöschliche, grosse Liebe zum Judenthum, und der Wunsch, alles zur Erhebung und Ehrang des Judenthums zu thun, leitete; es war das in der Gesellschaft zur Erforschung jadischer Kunstdenkmä'er, welcher Bestrebung er sich gleichfalls mit allem Eifer widmete, indem er unsere Arbeiten durch sein fleissiges Eingehen auf alle unsere diesbezüglichen Aufgaben förderte und stützte. Und schliesslich danke ich ihm für seine Mitarbeit auf dem Gebiete, dem er die meiste Zeit widmete und für dessen Gedeihen und Fortentwicklung er seinen grossartigen Verstand am meisten anstrengte, für seine unvergleichliche, erspriessliche Mitarbeit im Kreise des Verwaltungsraths der Jewish Colonisation Association in Paris; hier wird sein unvergessliches Walten von allen, denen es vergönnt war, Jahre hindurch gemeinschaftlich mit ihm gewirkt zu haben, auf's Höchste anerkannt werden. Auch dort dürften wir wohl'lange suchen, bis wir den Mann Ii .den. in dem sich alle die herrlichen Eigenschaften vereinen, wie sie der Entschlafene besessen, Eigenschaften, die nöthig sind, um die grossen Zwecke, die diese Gesellschaft zu erfüllen hat. zu fördern. — — — — Für noch* gar Viele hätte ich die Dankesschuld dem heimgegangenen Freunde abzutragen, aber lassen wir alle Dankesbezeugungen, .alle Lobeserhebungen ruhen, denn einem.yJulius Plotke können wir den innigsten, tiefempfundensten Dank nur dadurch beweisen, dass wir ihm nacheifern und so sein Andenken ehren. Br. Expräs. Moritz Heim er ding er aus Wiesbaden. Hochverehrte Trauerversammlung! Es ist fast vermessen, nach alle dem, was Sie hier gehört haben, noch ein Wort 'zur Ehre für den Mann zu sagen, den wir hier betrauern. Aber ich möchte wohl dem Ausdruck verleihen, was nicht nur die Nassau - Loge, als deren Vertreter eine Anzahl von Brüder mit mir hierher geeilt sind, sondern was gewiss all die Männer, denen es vergönnt war, mit Julius Plotke zusammenzuarbeiten, empfinden, dem Gefühle des Stolzes,, dass es uns bescliieden war, diesen leuchtenden Stern am Himmel'zu sehen. Das Volk ist nicht verloren, das Volk lebt und wird leben, das solche Söhne sein [eigen nennt. und genannt hat. Und ist er auch von uns ■ geschieden, wieein Gestirn am Hoch sommertag, so bleiben doch die Strahlen noch, wenn die Nacht hereinbricht, denn es bleibt uns etwas, was er hinterlassen hat, es bleibt uns die Möglichkeit, Männer zu finden, die, wie wir heute gehört habeD, ihm nacheifern können, ihm nacheifern wollen, und wenn dem so ist, dann wird, ....... » 9 1 wie unsere Altvordern sagen, " das Verdienst des braven Mannes an uns und an seinen Kindern unverloren bleiben, es wird uns bleiben für alle Zeiten.-das hofft und wünscht mit der Nassau-Loge ich selbst und alle, die ihn gekannt haben. ... Br. Expräs. Dr. med. Gustav Selig aus Worms. Ich bin mit einer von demjenigen, denen es am wenigsten lange vergönnt gewesen ist, den Bruder Julius Plotke zu kennen. Wenn wir aber, dip Brüder und ich, heute hjerher geeilt sind, um der würdigen Frankfurt-Loge unser herzlichstes Beileid Uber den schweren Verlust, den sie, der ganze Orden und die Menschheit erlitten haben, auszusprechen, so geschieht das in erster Linie deswegen, weil, wenn wir auch nur vereinzelte Male Gelegenheit gehabt haben, den teuren Verstorbenen unter uns ju sehen, diese doch hinreichend' waren, ihn in seinen schönsten Eigenschaften kennen zu lernen. S ein Verdienst war es vorwiegend, dass es gelang, in .Worms die Dalberg-Loge zu-: stände zu bringen und der Kette derjenigen Logen, die heute die Arbeit im Süden zu leisten mithelfen, anzuschliessen. Ich wiederhole, was vor mir ein anderer Redner bereits ausgesprochen hat: et wäre vermessen,, von den guten Eigenschaften noch fernerhin zu sprechen, die den Verblichenen geziert haben: Nur einer Stunde will ich mich hier erinnern und zwar der gelegentlich der Einweihung dieses Hau?es; es steht der Verstorbene wiederum lebendig vor mir; er lä?st die Geisler der Patriarchen vor der Festversammlung erscheinen. Auch mir erscheint er heute gleich einem Patriarchen, der sein Volk segnet, indem er es verlasser. hat. Die Gefühle der Dalberg-Loge, die Gefühle des Ordens, wollen Sie, bitte, in wenigen Zeilen in gebundener Rede entgegennehmen, die ich mich unterfangen habe, gleichsam ein Epitaph auf. den Verstorbenen, für die «rankfurt-Loge niederzulegen: „Wie griffst du grimmer Tod mit balrter Faust ans Herz, Und schlugst uns dieses Prunkgefäss in krause Trümmer! Dir Israel ersteht in tausend Jahren nimmer. Ein Sohn, der um dich bangt gleich ihm, im herben Schmerz!"

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