Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 9 - November
- Date
- 1903-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wieder stand ei vor uns und predigte und mahnte, dam eine grosse Zeit keine kleinen Männer finden solle, dass unsere Aufgabe klar und deutlich vorgozeichnet sei. lud wie er in die Seelen sprach, und wie er zündete, und. was aus jenen Augenblicken Gutes lür Hunderte und Tausende unserer armen unglücklichen Brüder entstanden ist. das wissen die Männer, die damals mit ihm zusammen waren, denen sein Wort in die Seele gedrungen ist. die aus jener Stätte der Weihe und Erhebung, die Kraft mitnahmen zur Arbeit in ihren Kreisen: denn er spendete Segen und er wirkte in die Weite hinaus, indem er sieh an die einzelnen wandte. l'nd wieder später — ich Überspringe Jahre. Ich fuhr mit ihm zur-Grossloge nach Herlin. Den jüngsten seiner Söhne hatte er bei sich, um ihn den greisen Kitern. die ihn noch nicht kannten, zum ersten Male zuzuführen In Berlin handelte es sich damals um die Frage, ob gelegentlich des Jubiläums unserer Loge eine Stiftung für die Mitgliedur der Loge ins Lehen gerufen werden solle. Welche Stellung nahm er emi .Nicht lür uns. für die Allgemeinheit wirkt der Idealismus, den wir hier pflegen, der nichts Egoistisches an sieh hat! Niemals soll mein Wort und meine That dazu dienen, den Glauben hervorzurufen oder zu fördern, dass die Gemeinschaft, an der wir alle mit Liehe hängen, dazu da sei. materielle Vortheile ihren Gliedern zu gewähren." Jn welcher Weise auch liier sein Wort gewirkt hat. das zeigt die Thatsache. dass. ah Br. Flöthe gesprochen hatte, als er damals gegenüber Marken Strömungen seinen Standpunkt dargelegt hatte, die Krage erledigt war. ein für alle Mal. und dass der Standpunkt, auf den er unsere Lögen in Deutschland gestellt wissen wollte, durch ihn gewahrt blieb in seiner vollen Reinheit und Klahrheit. Ich überspringe wieder einige Zeit und finde mich mit dein Hr. l'lotke zusammen in der Verwirklichung der Ziele, die er auf jener Tagung in Herlin angeregt hatte. Kr wollte wirken für diejenigen unserer Glaubensgenossen in Deutschland, die Zurückgeblieben waren, geistig, materiell, sozial. Keine Arbeil war ihm zu viel für unsere Armen hier im Lande wie draussen, nichts war ihm genug, und' wie er seine ganze Persönlichkeit, seine ganze Zeit, seine ganze Arbeitskraft in den Dienst dieser Idee stellte, mit welcher l'eberzeugung er dabei (billig war. das. meine Brüder, bähen sie in diesen Räumen so oft erfahren, wenn sein Wort und sein Blick ihnen ins Merz gedrungen sind, wenn sie fortgegangen sind von hier die Weihe mitnehmend, die der selig Entschlafene hier iii Ihnen entzündet hatte. l'nd meine Brüder, es war mir vergönnt, dein liehen Dnhin- P'scbiedenen nahe zu treten in reinem besten Wollen uiul Können. Wir sind gemeinsam durch Deutschlands Gaue go* fahren, wir haben gesucht Propaganda zu machen für Zwecke und Ziele, die uns beiden hoch und heilig waren, wir haben, uns zusammengefunden und verstanden, und es gehört zu den unauslöschlichen Erinnerungen meines Lehens, dass ich ihm da nahe sein durfte, wo er das Hoste seines Wesens, wo er das Schönste, was er hatte, für unsere Glairiiensgenossen offenharte und unsere Glanbensgenossen zu sich empor höh. Ks war eine grosse Zeit, die Zeit seiner Thütigkeit. die Zeit des Wirkens mit ihm. Nun ist er gegangen: am Vorabend des Versöbnungsfestes haben wir ihn zur letzten Ruhe geleitet l ud was hat er uns zurückgelassen? Das Ycrsöhnungsfest, den Jag, der nach dem Tage kam. an dem das. was sterhlich war au Bruder Julius l'lotke der Knie übergeben wurde. Das Versöhnungsfest! Ist das nicht' ein Symbol für die Persott, für den Mann, wie er gelobt hat,' ein. Symbol für das Vejrmüchtniss. dass er unseren Glaubensgenossen und unserer .<;••• meinsehaft Zurückgelassen hat? ich Mütter« in dem Schatze meiner Erinnerungen zurück.- in das Jahr .1894. Auch um die Wende des religiösen Jahres war es. auch an mittelbar vor dem Vesöhnnngsfest.e. da hat Hr. Julius l'lotke.. was seines Wesens Eigenheil war. in einem Aufsatze niedergelegt, der hier in meiner Hand ist und deruus mahnt, wie ein Vefmaehtniss des Dahingeschiedenen, eine Stimme aus dem Jenseits, wie das. was' jeh als sein Bestes, was er uns hinterlassen hat. das nVersöhnungrfestd bezeichnen möchte In diesem Aufsatz predigt er unseren Glaubensgenossen als die höchsten Eigenschaften: Wohlwollen. Herzensgute, Verzeihen, L'nd er sagt: Wenn die Gemeinde Israels -um Vergebung für Verfehlungen gegen das göttliebe •Wahre richte, jahraus, jahrein, so erflehte sie die Versöhnung 'nichtnur für sieh ..m rgeben sei der ganzen Gemeinde -Set Kinder Israel, wie dem Niehtjuden. der mit ihnen wohnt.-«dcini. alles Volk wandelte im Irrthum'"! Irrthum. Versehen, \"erirrung des menschlichen Wesens, das sah der Dulder als Ursache des gegen ihn gekehrten Hasses an: nicht Hache., sondern Vergebung erflehte er für den Uehelthäter. ..Güte {regen Jedermann. Schmähen sie unsere Religion, verunglimpfet sie. was unserem Herzen theuer ist. verkümmern sie unsere Hechte als Menschen, als Bürger, graben sie uns die QueMen des Löbenserwerbes ab, messen sie uns mit vielerlei Maass, rufen sie ..kauft nicht bei Juden!" - Wir wollen uns nnVroinen. anständigen Waffen des deiMes wehren, denn nicht ist.-Güte etwa-Schwache iider gar < haracjerlosigkeit. aber «i'r wollen unser Gemüt nicht verbittern Hissen, wir wollenin den Wegen der Güte, der Wahrheit bleiben, die vor uns unsere Alten'gegangen (find, wir wollen niemals antworten :■ :.kauft nur hei Juden!;, wir wollen gerecht und gut gegen Jedermann ^eiii!" J . Das ist das Vermächtniss des Dahingeschiedenen: Versöhnung, Güte, Liehe. Kinträelrf. l ud-so. wie er im Uphcii . .' ' ' ' . , \ für diese heiligen und heiligsten Güter.gewirkt hat. so wird sein Andenken bei uns; alle Zeit bestehen, und wir weiden da- VermSehtniss, das wir aus Minen Händen! empfanget! haben, hier in unseren Reihen' pflegen für und für. r Denn'er war unser! Mag das stolze Wort ih n hinten Schmer/, gewaltig übertönen!" Er war unser hier mit seinem Besten, mit seinem Edefstenj er ist nicht geschieden, er 'leb* weiter, denn in der Krinnermjg. in der Dankbarkeit und in der Liehe gibt es keinen Tod und kein Grab. Imtigänglich wird sein Wesen unter uns weiter wirken! - Es sprachen ferner: Br. Vicepiäs. Michael Nussbaum aus München Hochansehnliche Trauerversammlung! fMit schmerzlichen Gefühlen hat auch die München-Loge die Trauerkunde von dem allzufrühen Heimgang Ihres Expräs. Plotke vernommen, und .sie hat mir das Mandat übertragen, der würdigen Frankfurt-Loge das herzinnigste Beileid zum Ausdruck zu bringen. ■ Aber nicht allein die Frankfurt-Loge, sondern unser gesammter Orden und somit auch die Brüder der München-Loge schliessen sich aus vollem Herzen der allgemeinen Trauer an. Gehörte ja Julius Plotke zu jenen Männern, die vor sieben Jahren sich um die Schaffung einer neuen Arbeitsstätte für unseren geliebten Orden in Bayerns' Hauptstadt so grosse Verdienste