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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 9 - November
Date
1903-11-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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102 — Hochgeehrte Tranerversammlang! 1 »i<- tiefen- Bedeutung eines Menschen offenbart --in «Irr An. wie rr hi die '/.< itfr;igen eingreift. .Wenn ich Plotkcs Bedeutung für - im- Zeitnml < danbensgcaosscn mit einigen kurzen Worten cliarakterisircn -"II. ><• möchte ich sägen: < hat mit iIm/.ii gelndfen. «1«-n Juden (Seiner Zeit an Stelle de llieht lllelir zureichenden Ideal«, iler \ergangenen Jahrzehnti (in neuebinzu-tellen. . Xür kurz war die Zeit, in der mau wähnen durfte, da -endlich gefallen -ei die Seileide« aild zwischen Mellsch IHM Jude, alter sie hat hingereicht, um die .Inden im vermeintlichen Interesse des nationalen Zusammenlebens manche der Hüllen preisgeben zu lassen, die sie in dem aufgezwungenen Vet teidigungskampfe schützten, manche Watten aus Händen zu geben, die ihnen in diesem Kampfe unentbehrlich waren. Der iiiiire-tüme Drang nach möglichst schneller Entfernung alles dessen, was dieses Zusammenleben angeblich zu beeinträchtigen geeignet war. hatte sieh auch nm die Aufgabe von solchen «Aitern gemüht, in denen die .Inden bis dahin die Wurzeln ihrer Kraft uml die Faktoren'ihrer Erhaltung mit Recht erblickt hatten. Alier eben nur durch Aufgabe alles (Lrsscn glaubt man die Aufnahme bei den andersgläubigen Vatertandsgeuosseii .erlangen zu können, Dieser Glaube hat sich als irrig erwiesen, hie Wei-heit dis Patriarchen in Leseiug's .Nathan", die ein( Zeit hin;: unterdrückt zu sein schien, hat wieder so ziemlich allgemeine (b-ltung erlangt und frierend würden wir dastehen hätten wir alle Hüllen preisgegeben, wehrlos, hätten wir alle Waffen vom ungeworfen, ha heisst es denn: Aufgewacht ans dem Traum der gewaltsamen Gleichmacherei, in dem w ir unnur zu lange gewiegt. .Man nimmt den alten Kampf wider uns auf: also waffnen wir uns wieder zum alten Kampf. Nicht etwa, da-s wir unvon unseren Mitbürgern . ntfemen nnd isdliren sollten.' tiein! beteiligen wir uns nur weiter am allgemeinen nationalen Leben: arbeiten wir überall da mit wn ein Arbeiteni>bnc Sclli-taufgabe' möglich,ist. Wo das aber nicht möglich i-t. da Wullen wir unzurückhalten und wir Wullen uns Zusamiuensehliesseii zur gemeinsamen Wahrun; und Mehrung derjenigen (Jäter, die uns erhalten und un nicht im Kinzelkanipfe langsam aufreiben lassen. Stählen nni-seii wir unsere Ktäfto in der Gegenwart und heisst c dann einmal ..hie Warten nieder", dann wird nicht etwa di Aufgabe alles dessen, was uns erb- und eigenthümlich. sondern p rade nmgekebrt dessen Zubringen die voHe niieingeschräufcti Aufnahme erleichtern und herbeiführen. Das, h(>chgeebrt( Trauerver-ammluiig. ist die neue Aufgabe, die Platte in Wort und Schrift und durch sein ganzes Leben uns vorgezeichnet hat. dass'das neue Ideal, das er mit hat schaffen helfen, als das alte in Trümmer Bei. Wenn wir nun zum Schluss das Hihi unseres verewigten Freundes und Br. uns gewissemageen im Kähmen vor die Seele führen, wenn wir sein Krdenw allen nach seinem ganzen Inhalt und Einfang und mit -e inen Erfolgen gleichsam von der Vogelperspektive aus betrachten und uns dazu vergegenwärtigen, wie unendlich viel er noch zum Ausbau des rofl ihm Geschaffenen hätte thun. wieviel Kinzelhülfe er noch hätte leisten, wieviel Personen er noch zur .Mitarbeit hätte aufrufen, wieviel Mittel er noch seiner Lebensarbeit hätte zuführen können, würde die Vorsehung ihn einige oder selbst nur ein Jahrzehnt' noch uns gelassen haben, so möchte es seheinen, als könnte kein Trost über seinen so frühen Heimgang gefunden werden, lassen. Und doch riebt es eine Erkenntnis*, die uns wenigstens in etwazu versöhnen vermag auch mit diesem härtesten Schicksal, daim- -eil langt' betroffen. Ks ist die Krkennfniss. dadiescr iiiiv. r-essliche Mann, trotzdem er als ein nur 4.'»jähriger die irdi-ehe Laufbahn be-ehlo—eii. die Arbeit eines vollen, ganzen, grossen Menschenlebens gethaiL Freilich wird dieser Oedanke -eine tröstende Kraft auf die Dauer für uns nur behalten, wenn -ich mit ihm der feste, unablässige Wille verbindet, dem Heimgegangene)! naclizusireben. ihm uachzuwamleli, in den Wegen, die er uns gewiesen, auszubauen und auszustatten, das (Schände, das er uns errichtet und in ihm entgegenznreifen unserem weltgesehk'hdichen Kernte, auszuführen die Arbeit, die zu vollenden ihm nicht mehr beschieden gewesen <>! möchte das Bild des verewigten Br. im Geiste stet« bei uns sein, möchte es bei unseren Arbeiten weilen .und unmahnen, sie in der Richtung und'nach dem Ziel zu führen daer imgezeigt! Dann, aber auch nur dann, wird sein Andenken zum S<gen gereichen uns. dem Orden, dem Judcnthum. dem Vaterlande und der Menschheit. Das walte Gott! Sodann ergriff das Wort Br. Präs. Rechtsanwalt Dr. Max Loch aus Mainz, als Vertreter der (Jrosslogcj: Verehrte Traaerrersammwng! Dein eignen Herzen und dem Ruf der Crossloge folgend bin ich hierher gekommen, um Zeugniss abzulegen für die unauslöschliche Dankbarkeit.' für die das Grab überdauernde Liebe, für das unvergängliche Gedenken, die wir dem jhenren Dahingeschiedenen zollen. Line Sonne ist uns untergegangen mitten am Tage, ohne Abendroth ist sie von uns geschieden. Wenn wir vor die Seele uns zurückrufen wollen, wie sie geleuchtet und gewärmt, was sj^ gereift und zur Frucht gezeitigt hat. dann wollen wir in dieser Stunde, so wie es schon geschehen ist. den lieben, theuren. verklärten Bruder wieder vor uns hratreten lassen in seines Lebens Wesenheit, wollen uns fragen, was jst er uns gewesen, wie hat er gewirkt, worin befand der Zauber seiner Persönlichkeit, der uns gefesselt und in Banden geschlagen hat. Da greift denn Persönliches mit Sachlichem ineinander, untrennbare Bilder erstehen vor der Seele: wie man ihn kennen gelernt, wo seiner Wesenheit Zauber rewirkt hat und ich rufe die Vergangenheit zurück. Im Jahre 1889 war es zum ersten Male, als er an der Stelle des Kntsteheiis unserer Loge in Mainz stand, (iamburg. Heineniann. Plotke drei Männer, ein Dtcigestirn Ihrer Loge, das für Sie erloschen ist und doch weiter leuchtet, jeder eine kraftvolle, in sieh abgeschlossene Persönlichkeit, .jeder eine Individualität, verschieden von dem anderen und doch einig in der grossen allumfassenden Liebe, mit der sie gewirkt haben.. Damals habe ich ihn zum ersten Male gesehen. Die Loge in Mainz wurde unter seinen Auspizien gegründet. Der klare Blick, die überzeugende Rede, die Güte und das Wohlwollen die aus jedem, was er sprach, uns cnrgcgenleuchteteii, haben len gleichen Zauber ausgeübt, wie an den vielen anderen Stätten, an denen ich später das Glück hatte, mit Plotke zuammen wirken zu können. Einige Jahre spater war's in Wiesbaden, glaube ich — gelegentlich einer Logentagung. Es wurde hin und her debattirt, die Debatte verlor sich in Einzelheiten, wie das ja vorkommt, auf einmal — Br. Plotke war erschienen, und es wurde gebeten, mit Rücksicht auf seine Person und mit Rücksicht auf die Sache, die er vertreten wollte, ihn sofort zum Worte zu Es ^war die Zeit der russischen Judenverfolgungen.

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