Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 9 - November
- Date
- 1903-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4864325-6028961-6074080--0584-4864753- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
auf die ihm am nächsten Stehenden, aber nicht nur auf sie. sondern anfallt' geübt, dir mit ihm in nähere /Berührung gekoinnien sind. So innss das Judcnthiim beschaffen srin. um auch Andersgläubigen Achtung, ja Ehrfurcht einzuflössen, um dass Plotkcs Jadenthum auch auf die Nichtjuden. die es ihn in und ausser dem Hause hethätigen sahen, diesen Findruck gemacht hat. versteht erst ganz derjenige, der ihn im trauten Familienkreise, umgeben von .luden und Nichtjuden. religiöse Zeremonien hat erfüllen sehen. Wir. die Wir in dem friedliehen, von gegenseitiger Achtung getragenen Znsammealeben der Konfessionen im Vaterlande das Heil der verschiedenen Konfessionen und des Vaterlandes zugleich erblicken, wir können der Vorsehung nicht genug dafür danken, dass sie l'lotke aus einem kleinen Wirkungskreise heraus in einen grösseren gebracht hat. der ihn einmal noch hat wachsen lassen und der in /weiter T * I Linie ihm erst die Möglichkeit gegeben hat. in diesem grosseren Kreise vorbildlieh zu wirken. Da unser Freund, der sieh als Referendar verloht hatte, sich ehestens einen Hausstand gründen wollte, liess er sich hald nach hestandenem Asscssoroxatncn in Bockenheim als Anwalt nieder. Doch hcreits, nach;5 Jahren wurde er in den grösseren Wirkungskreis berufen, aus dem ihn der Tod gerissen hat. Erst dieser neue Wirkungskreis brachte ihn in, Beziehung zu den in geistiger, socialer und materieller Hinsicht hochstehendsten Glaubensgenossen zunächst Frankfurts. Und je mehr man ihn in seiner Selhstlosigkeit. seiner Uncigennützigkeit. seiner mit Gcmüthstiefe gepaarten Verstnndesklarheit. seinem Fleisse und seinen reichen Kenntnissen in diesen Kreisen schätzen lernte, umsomehr wurde er in wichtige Vertrauensstellungen gebracht und er wiederum suchte in diesen Vertrauensstellungen der Arbeit, die ihm da geworden, den Stempel seines Geistes und seines GemüfbeS aufzudrücken. Kine Hebung des Niveaus der Arbeit in den verschiedenen Gremien, in die Plotkc hineinkam, und eine Hebung des Niveaus seiner Mitarbeiter war die glückliche Folge. Ob wir an die ^Israelitische Gemeinde, in deren Verwaltung l'lotke gar bald nach seinem Kintritt in den grösseren Wirkungskr« igekommen, oder an den Ofden Bne Briss denken, dein er sich in der Erkenntniss seiner grossen Bedeutung für die Hebung des Niveaus seiner Glaubensgenossen angeschlossen, oder an die grosse Anzahl von Vereinen, "die er theils geschaffen, theils durch seine Mitwirkung nach jeder Richtung hin gestärkt hat. oder an die grossen, von dem bedrängten .ludenthum geschaffenen Institutionen, wie den Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bund und die Jewish Colonisation Association, in denen er an hervorragendster Stelle mitgewirkt, überall hat er der Arbeit eine höhere Richtung und ein höheres Ziel gegeben, das Ziel, das Ideal seiner Lebensarbeit, den Beweis der Verträglichkeit, ja der Einheit des wahren Juden mit dem geistig und sittlich durchgebildeten Menschen, den Beweis der Notwendigkeit Beiner Gleichberechtigung auf allen tiebieten und dies nicht etwa nur in seinem, sondern am letzten Eude im Interesse des Volksthums und der Humanität. Und wie ist mit diesen höheren Zwecken l'lotke selber gewachsen! Nicht allein, dass seine Arbeitskraft hier zu einer von ihm selbst vielleicht nicht geahnten Entfaltung gekommen: Gaben, die in dem Boekenheimer Advokaten theils ungenutzt, theils nicht genugsam genutzt geschlummert und untergegangen wären, haben sich dort reicher entwickelt und umso reicheren Segen spenden können. So w ar die Gabe der eindringliehen Darstellung tu Wort und Schrift gewis<- l'lotke -ehou vor seiner Frankfurter Zeit ehren: allein die'rednerische Gewalt in ihm. die seine Zuhörer begeisterte und sie zu Hutten der Begeisterung fortriss. die littera/isehe Geschicklichkeit. ili< journalistische Begabung, die er hn-;La nfe"seiner Thätigkeit für die notbleidendeu osteuropäischen .luden entfaltete. >ie sind allein das Produkt des heum tydieus. (»der ist 'l'lotke etwa au> persönlicher Eitelkeit* oder aus irgend welcher Neigung KU dem Berufe, unter die Schriftsteller gegangen? Wurde die Selniftstellerei ihm nicht \ ielmehr aufgezwungen durch seine ständige Mitarbeit' in den grossen, da- Leben und Weben einer ganzen grossen Gemeinschaft beeinflussenden Fragen? Diese SfitarbeiterschjaB tterneh ihm überhaupt einen Zug ins Hohe, sie brachte Ihn iiuf eine sittliche Höhe, die andere zu -ich heraufzog und die ^irtnnal sie gepaart war mit einer abgeklärten Milde des Urthc.il* undmit" einer ans den Augen hervorleuchtenden Herzensgute und weil sie sich einfach, ohne jeden Stolz, ja dciiiüthig gab, - jeden, der ihm mit Kleinlichkeiten nahenwollte, geradezu zwang, Mi iinvqrgebracbt zu lassen, und die Ihm. dafür etwavon sielt -elber. von seinem Kifer für das .-Sittliche, von seiner inneren sittlichen Ergriffenheit mitfheik/' Ja" Plotkc war die ich möchte sagen göttlichste aller Guben in hervorrageiMlstein Maasse eigen, und das ist die Gabe., seiue Umgebung besser zu machen. , . Wie eine Naturkraft sich aus dem Gegenstand, an den sie gebunden ist. einem anderen überfragt, der mit ihm auf irgend eine geeignete Weise in Kontakt gebracht wird, so theilte sieh Plotkcs sittliches Gefühl, sein sittliche- Emptinden. -eim gl - Unterteil Anschauungen von Hecht. -Gerechtigkeit und y/fh den Pflichten der Menschen gegeneinander demjenigen mit; der zn ihm in Beziehung trat: mochte es Jemand sein, der von ihm die strenge Verfolgung seines im Starren GesetzcsbucliMaben begründeten Rechts begehrte, und der' ihn verliess mit dem Findruck, dass bei dem wahrhaften Mensehen auch der sittliche Gcsi'ehtspunkt nicht ohne' Einfluss bleiben dürfe am die Verfolgung des Rechts., oder, mochte es ein mit Glück-- gütern besonders reich Bednchtvr sein, dein er -eine Anschauungen Von den Pflichten, die der Petclithmn -einem Besitzer auferlegt, übertrug, und den er dadurch oft zu 'socialettnschen Grosstaten \eranlasste. ixler iHo'chten es keine CoflegeU in der Verwaltung der Gemeinde sein, die. er Dach und nach zu der Ueberzcugung brachte.-von der "er getragen war, da— eine jüdische Gehleinde und namentlich eine Grossgenicinde nicht allein eine Verwalterin der Fimjnzen. sondern auch eine Hüterin der idealen Güter der < ■laubeiisgemcinschaft -ein müsse, oder mochten es endlich dic.-vielen. vielen Hilfesuchenden sein, die -ich an ihm wandten, denen der Vielbeschäftigte, wenn er auch noch so sehr mit Geschäften überhäuft war. willig geilt Ohl und seine Hand und seinen Einfluss lieh, die er durch sein freundliches Entgegenkommen und seinen aufrichtigen Zuspruch aufrichtete und die er durch den Hinw eis auf die grossi n Gesichtspunkte des Lebens das Kleine 'und Kleinliehe zurücktreten zu lassen lehrte. Wenn es auch" nicht möglich ist. im Rahmen eines soleheu Nachrufs etwas anderes zu gelten, als ein nur in den Hauptzügen getroffenes Bild des entschlafenen Freundes: gerade dieser ausgebreiteten Hilfsthätigkeit mnsste gedacht werden, als des Theiles seines ,Wirkeiis. der ihn zn dem nunmehr schmerzlich beweinten Vater aller Mühseligen und Beladeueu gemacht hat.