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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 9 - November
Date
1903-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 100 — dctcn. in in. auch airf «li< Gebildeten, .ja seihst ant die [höben mid ln'ii h-tc l»r;unti-jiM-liatt nicht ohne Emffosri geblieben und hatten nacli Biehtnng der persönlichen Beziehungen di jüdischen und chri-tlieh.n-Juristen. nameiitlieh in Bezug auf den eoHegiatcH Verkehr, oft geradVzu uiier<|nickliche Verhält ui»(. geschürten, die sich tiir ih n jüdischen Theil l<is zur t u ertrügli.hk.it '^reigiTn mausten, wenn der Schauplatz ih Kränkungen .....I Zurii.k-et/.uugen eine kleine Stadt war. in ih r .1er jii.li-elie Referendar dann völlig isolirt wurde. Kim gerechte mid humane Verwaltung hätte das unter solch, rmständen nur natürliche Streben der jungen jüdischen Juristt in den gn'>—ereii Städten, die ihnen einen Ersatz für den ihmvorenthaltenon collcgiahn Verkehr bieten konnten, dem Vor b.reitungsdienst /.u obliegen, direot fördern sollen. Doch da geschah Seitens der damaligen schlesisehen Justizverw altung niebt. und so bemühte sieh gar mancher jüdische Referendar au* dem Osten in Gegenden zu kommen, die noch nicht sehr von dem Anti-.-niiti-.miw durchseucht waren, in denen dfe Justizverwaltung nicht, wie in manchen Bcy.irken des, (taten« principiell genau das Gegentheil dessen anzuordnen beliebti «TM der jüdische Referendar wollte, sondern w.. man gerechten Wünschen, -.»weit es mir irgend wie möglich war. <Ji'liör lieh Auch Jnliu- Plotke gehörte zti denjenigen, die ihr guter Stern in den Bezirk de- Oberlandesgcrichts Krankfurt führte. dessen damaliger Präsident oh -einer humanen Gesinnung und seines liebenswürdigen Entgegenkommens -ich mit Recht so ausser ordentlicher Beliebtheit in" allen Kreisen erfreute. Kr kam nach Liniburg und bald darauf nach Bockenheim und Krank furt. Ich sagte, -ein guter Stern habe Pmtke nach dem Werten geführt, und ich glaube, dies mit Recht gesagt zu haben. Demi im Westen hat er das Glück seines Lebens, die geliebte. Gattin und das„ Famibengfäck gefunden. Hier im Westen hat er auch ih n Boden angetroffen, auf dem die Gaben seines Geistes und -eines Gemüts erst zur rechten Entfaltung kommen konnten, hier im Westen hat er insbesondere di< .Mittel gefunden, die er dann einer s.> grossen Anzahl von Menschen materiell, geistig, sittlich und social nutzbar hat zu machen verstanden, Aber IM<>tk<- hat ih n Pank, den er dem Westen schnhlete und den er tief empfunden, auch abgetragen: einzelne Existenzen des We-tciis. nein. gestrig und sittlich geholien. > r ist ihr Stolz geworden: er Fiat insonderheit die Krankfurter .hideiih. it gehohen und sie im Mittelpunkt jüdischen Lebens und Streitens erhalten. Wenn die jüdische Gemeindi Krankfnrt im Gegensätze zu manch anderen deutschen Gemeinden \..n der p-össten jüdischen Gemeinde Deutschlands. Von Berlin, sieh nicht hat über-trahlen und in den Schatten stellen la—< n: wenn sie in vielen brennenden Kragen und Dingen noch vor Berlin marschiert, wenn die jüdische Gemeindi Frankfurt ihren alten guten Ruf als Vorgemeinde Süddeutsch, lan.lsich nicht nur gewahrt, sondern sogar gemehrt hat. so hat sie dies nicht zum Mindesten »lern Wirken l'lotkcs zu verdanken. In l'lotkcs Refereiidarzeit fallen die rii.-sischen Judenverfolgungen von 1882. Heute, hochgeehrte Traucrvorsamniliing. rängt man bereits an. so ein osteuropäisches Judenmassakre mit einem gewissen »deichnmth. wie ein Fatum. hinzunehmen: so sehr hat man sieh gerade in den letzten Tagen an den Schrecken gewöhnt. Damals jedoch war man ob der nicht für möglich gehaltenen Wiederkehr mittelalterlicher Judenschlachten und er hat nicht nur riek er hat die ganze Jndenheit des Worten* Jmlfuhriuide noch geradezu niedergeschmettert. Mochte damals noch ein. grosse Zahl durch Bildung, Besitz und sociale Stellung hcnorrageiider deutscher .luden eine andere als die rein menschliche Grundlage ihrer gemüthlicheii und thätigen AnHieibiahme an dem Lose'der Verfolgten und besonders der auf der Klacid auihrer Heimatli Deutschland durchwandernden rnssixehen .luden noch leugnen: der den nahen historischen Konex der '(deutschen und des grössten Theils der russischen luden kennende, vorzüglich aber der sieh mit den Letzteren auch" -tainme-- und glaubeii-\erwandt fühlende .lüde des Westens um—te die Wunden ih r russischen .luden wie eigene ffihlen (ianz gewiss hat unser Plotke, den (Haube. Krziehung. Gemätbsart und seine historischen Kenntnisse für die Opfer der Verfolgung neben menschlicher auch brüderliche Theilnahme empfinden hiessen, ihr ganzes Weh mit empfunden: jedenfalls hat er schon damals, was in seineu Kräften stand, gethaa. um solchen Gefühlen einen praetischen Ausdruck zu geben. Nicht nur hat er sie unter seinen Freunden und Bekannten zu verbreiten gesucht, sondern er hat sie in die That iunge-otzt._ indem er mehrere junge nissische Glaubensgenossen, die ihre N.Mh und ihr Bildungshunger'nach' Deutschland geführt hat. unterrichtete.' ihnen in ihrer bedrängten Lage Wohlwollen entgegenbrachte und sie nach Kräften förderte. Ks ist klar, dass aus dieser Zeit das ausserordentlich stark entwickelte Gefühl gerade für die osteuropäische jüdische Jugend und dagrosse Verständnis« ihrer Lage bei.Plotke herrührte, lie ihn spätei* als ihm die richtige Gelegenheit wurde, so Eminentes tiir sie wirken Hessen. Es ist allgemein bekannt, dass die Gefühle des Mitleids für die jammervolle Lage der osteuropäischen Juden in Zuaromenbang allerdings mit dem Unwillen über die auch den deutschen Juden zu feifwerdende ungerechte und ungesetzliche Zurücksetzung (auf ih n verschiedensten Gebieten manche selbst irreligiöse deutsche Juden und oft nicht gerade die schlechtesten der wenn auch nicht in ihrem Wollen, so doch in ihren Zielen mtinationalen zionistischen Bewegung in die Arme geführt hat. I»:i-. wabewirkte, dass l'lotke. der an Intensität des Mitgefühls für uii-ere unglücklichen russischen, rumänischen und gatizisehen Glaubensgenossen von keinem übertroft'en wurde, und der die Zurücksetzung der deutschen Juden so- Inner/lieh wie nur irgend einer empfand, von dieser Bewegung geradezu abgestossen wurde, das war neben seiner nnauslöschlicheii Liebe zur ileutsehen Heimatli der seinem ganzen Wesen aut daheftigste widerstrebende, geschichtlich ihm auch o wenig begründet erscheinende Pessimismus, der in dem Zionismus der deutsehen Juden zum Ausdruck kommt. Plotke wurzelte im ethischen Idealismus, der Grundzug seiner Weltanschampng w ar der Optimismus. Plotke glaubte an das Gute im Menseben. Er glaubte an die fortschreitende Entwiekelung es Menschen >um Guten, an den Sieg des Gutenl in der Menschheit. ' Gerade weil das Judenthum diesen Glauben von vnfang an gelehrt, und ilui trotz aller widrigen Schicksale unentwegt festgehalten, gerade darum war es ihm so kpngeuial. war er mit dessen Ideen und soweit diese in seinen; Fonnen zu lebendigem Ausdruck kommen, auch mit diesen Formen reradezu verw achsen, so - verwachsen, dass er garnient anders als in diesen Ideen und mit diesen Formen leben konnte. Diese Betätigung des Judenthums in seinem persönlichen und seinem Familienleben gehörte zu seinem Wesen; und Weil dem so war, hat sein Judenthum einen so bezwingenden Einfluss

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