Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 9 - November
- Date
- 1903-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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—!•!> umso höher wcrthen und ihr einen bestimmenden Fintlusalle Lebens, erhültnisse. iusbi-o-ndere ( alter . auf die kiwleicrzielillllg, einräumen lügst. Im Hanse walte) die frouVn MuttcX»jlic den Kampf des Familie nhaupte.-. wenn auch «M't nur im Gemfithe, mitkämpft und die den grosseil Kreis di l'llieliten einer jiidisehen Hausfrau mit seldieliter Sc Ih.-t \ erstäml lichkeit lind im steten Aufblick zu Colt erfüllt. Heide ant innigste vereint durch die abgrundtiefe Liebe zu <len Kindern die ihnen Gott gegeben, und durch du* Streben, «liescn ihren Kindern eine bessere, ja die beste Ausbildung ZU Theil werden zn lassen. Der Gedanke, der sie in diesem Streben leitet, is nieht etwa allein der. ihren Kindern dadureh. dass die bessert Bildung sie auf eine höhere Stufe des Lebens bringt, das Daseu zu erleichtern, sondern es überwiegt zum Mindesten die Vof steOnng, dass den Kindern durch das Wirken auf «li/ser höheren Stute iiu'Taterlande eine höhere Werthung SU Theil werde, al sie den Kitern geworden, und dass diese höhere Werthung de .ganten Familie, aber auch dem Judenthum und der Judenheit im Vaterland /u Gate komme. Im Vaterlande! Dieses t'iinirt den Horizont den Posenschen .luden gar zu früh zu beherrschen an. trüber alden des .luden etwa der westlichen Provinzen. Denn schon der Knabe sieht den Kampf der Nationalitäten: er sieht ihn nieht nur. sondern eikämpft, ihn mit und natiirp mäss auf der Seite, auf die ihn Sprache und Kultur. Verstand und Neigung hinwei-en. auf di deutschen. Wenn auch die Natioitalitätsverliältnisse in den VA) et und To er Jahren im Osten nicht so zugespitzt waren wie sie es heute sind, der Kampl war immer da. und im Kampfe erstarkte das Vatcrlandsgefühl auch des posenscheu Juden und /.war umsoinehr. als das Vaterland, um jene Zeit J I ■ den Juden die verfaasnngsmassig gewährten Rechte riickhaltslos einräumte und als das soziale Zusammenleben der Deutschen untereinander noch nicht so vom Gifte des Hasses und de- Neide* iunzirt war. In den jüdischen Häusern jener Periode wehte ein wahr baft patriotischer tieist: man war deutsch, speciell preussisch bis auf die Knochen", w ie mau heute zu sagen pflegt.' Kinder die in einer solchen Atinosphäre^aufw uchseii. Sogeil in sieh ein zugleich mit der Liebe zum Glauben, zu dem" ihre Eltern mit aller Kraft ihrer Begeisterung standen, die Liebe /um Vaterlande, das sie ihre Kitern mit gleicher Kraft Ujebeii sahen l ud so hat denn auch unser entschlafener Freund in dein Klternhause und in der Vaterstadt Vaterreligion und Vaterland liebe in sich aufgenommen und beide in seinem Kopfe und in seinem Herzen zu schönster Harmonie vereinigen gelernt. In dieser Harmonie liegt einet der Griiiulziigc seines Wesens, au dieser Harmonie heraus ist der Theil seines späteren Wirkens zu verstehen, der .die Durchdringuli;; und gegenseitige I>efroehtnng von Deutsehthum und Judenthum zum Ziele hatte. Itorck hat kein Gymnasium, und so musste Julius Plotke. lim' den (ivmiiasialstudicn obliegen zu können, schon in früher Jugend diese seine Vaterstadt verlassen: er kam ant das Wilhelms-Gvinnnsium nach Krotoschin. Das Gymnasium war ein evangelisches. Nach den Verhältnissen der Provinz hiess das deutseh. deutsch im Gegensatz zu katholisch, was mindestens damals so ziemlich gleichbedeutend war mit polnisch. Nur deutsehe Lehrer unterrichteten an der Anstalt, natürlich in deutschem Geiste, und da eiue Reihe tüchtiger Lehrer an dem Gymnasium wirkte, so vermochten sie auch eine entsprechende Wirkung auf die Schüler zu erzielen, eine umso I grössere, je mehr Geis! und Gcmlith ihnen entgegengebracht wurde, l ud der von Natur reich-be-abte Julius-l'b.tke brachte ihnen beides in hohem. Man—«- CUtgl'gett, Wer. wie ich, das duck hatte, ihn schon damals m kennen.' und. gar« wie ich. von ihm unterrichtet zu werden, 'hälfe Gelegenheit, schon ru dem Jüngling diejenigen Linens« halten <lo. Herzen- und des Geistes schätzen zu lernen, die alle', die de'ni Manne näher getreten sind, so erwärmt und erleuchtet (Tiid die sehon dem < ivin.nasia-teii 'die Herzen der Krotoscl.iiicr erobert IpbvH. An dem Krotoxhimr Gymnasium nöfrrrichtete damals in der jüdischen Religion der Ort—Rabbiner Dr. Marcus Joel s. A.. der noclHiials an das Kabbiuer-Seminür /.u IIre-lau als SeminarlJrabbiner Jarufen wurde. Joel Vvar. ein Mann von. strenger Religiosität, aber voller Milde uud ToVcrauz. und um seineu Schülern das Judenthum liebtm^weith /u -'mai-hcn. »ml -i< deni- -elben zu erlialtejj. suchte er Sie in die großartige nachbibli-che Geschichte und Litteratur einzuweihen.Jndeni er ihnen von der gewaltigen Leidensgeschichte, erzählte .und Proben aus 'dem mittelalterlichen jüdischen Poeten und Philo-ijphenzum Vortrag brachte. Diese Proben sollte« in den Srhülcrn da*vVcrhingcu na«di einer jrenafn ren Kenntniss. r«;p-' inaehi-ii. und wenn In i ciaem seiner Schüler, so hat unser Xa lirer bei Julius l'lotk«- seinen Zweck erreicht. I>eun vjhat «lurdi diese Methode d.i- Illtcresse dieseseines Schülers ' für "die Geschichte lind die Litteratur de- Judeuthuins -o rt*ge (reniaebt. dass der Student der Rechte Juliiis Plotke ireb'eli seiiiciH Hanpt-tudium. dein er -ich mit vollem Eifer zuwandte und iotleni er -ich die uaebmalig Vom (.'beuten um! t'dDe'gejii gleich hoch geschützten umfangreichen und intensiven Rech^ke"wHnis*'e erwarb, ila— er neben diesem llaupt-tudium" auch au der Hochschule für die Wissenschaft des Jndentbams Vörlesnugeh über jüdische *■»- schiebte und Litteratur belebte und Reissig höhe. Dort jant «ler lloch-( hnle hat sieh unserem l'reunde die holte Wei-b< it erschlossen, ilie in dein Worte unserer Alfen Hegt.' dass ein l'nw is-emler nimmermehr wahrhaft fromm -ein kann. Dort bat er erkannt, da— man. um -ein Judenthum zu heben/ eist sein Jiidcjithiiiu kennen lernen müsse..'. Dort Jiat er auch an sich erfahren-, da—, wer sein .linleiitliym einmal wirklii-h kennen elernt. es aiieli von Herzen lieben .und ihm immer ergeben sein mirss. Wenn Julius Plotke nachinalur. si<di an 'den tksttebnngen zur VYriireHung' und Vcjrtniftiag ih r K< untni— der jüdisch« ii Geschichte tunl Liucratur iit' xiuimtli« In n Schichten ler rtev&kcruaghCtHligt. weiin'.er seinen grossen Kintlu— -»lälür eingesetzt hat, um es herfui/utühreii... dass die jüdische lugend auf «lein Lande nicht ohne '.Ki'untiM-s des Wesens des ludenthums und seiner ■ Geschieht«- aufiväelise, und wenn einteilt «dar geruht hat. als' JiV hier in Frankfurt in allen löheren Schulen zu geeigneter' Zeit Aon. geeigneten Lehrern ine geeignete UirterweUnug'hi flen^Eruschätzen der Religion, der Cesehichte und «ler Litteratur «les Judeiithnnis eingerührt worden ist: mit ant diese F.rkeiintni.—; dai-t -ieber und gewiss ist «lieser Theil .stiller, umfatiirreicheii Thiltigkeh zurückzuführen. '': - *'»*•*''■* » v - Als Julius Plotke die l ni\<-i-ttät bezog, hatten die ersten Veassernngen des längst vers( hwundcif gegtaabtea Judcuhass« -. ich noch kaum bemerkbar gemacht: «loch schon als er in den Vorbereitnngsdienst zdr Eriangtmg der Qnalifieation für seinen pfiteren Lebensbernf eintnu. hafte die Giftsaat bereitverlerbHche Prfiöhte zu zeitigen'/begannen, Schriften, wie ..Dir. jüdische Referendar1' waren nicht nur'etwa auf die FngeliU-