Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 8 - Oktober
- Date
- 1903-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Und wenn Br. Dr. Feldmann uns in dieser Voraussetzung empfiehlt, es künftig lieber bei der Ermunterung zum Eintritt in den Ptlegeberuf in Wort und Schrift bewenden zu lassen oder allenfalls geeigneten Bewerberinnen noch einen Zuschuss zu den Ausbildungskosten zu leisten, so können wir gaF nicht eindringlich und laut genug vor dieser Politik warnen! Denn bei der Intensität, mit der wir Glaubensgenossen alles ^betreiben, was wir einmal in die Hand nehmen, würde unter der» Händen der für eigene Rechnung arbeitenden Schwestern auch der Pflegeberuf bald zum blossen Gewerbe, zum Geschäfte herabsinken, würde auch auf diesem zarten Gebiete anderen bald eine verbitternde Konkurrenz bereiten „und. statt Anerkennung zu finden und Ehre einzuheimsen, nur neue schlimme Angriffspunkte auf das Judenthum geschaffen haben. UnS ist's, als laüerte man schon aul den ersten Missgriff, au! das erste geeignete Vorkommniss, um das jüdische Schwesternwesen in der üblichen verallgemeinernden Art bei unseren Mitbürj rn zu .verketzern. Caveant consulel! Es kommt fürwahr-nicht darauf an. wie viel Schwestern die winzige jüdische Minderheit in Deutschland aufweist, — und kein vernünftiger Mensch wird deren in Menge erwarten! — sondern einmal, dass sie überhaupt in der öffentlichen Krankenpflege vertreten ist. und zum anderen darauf, wie ihre Schwestern geartet sind und sich vor der Oeffentlichkeil bewähren: ob sie die nöthige Blutwärme für ihren schweren Dienst mitbringen und die ideale Seite, die ethische Höhe ihres Berufes dauernd zu würdigen wissen. Unsere Schwestern dürfen an Takt des Auftretens, an Tadellosigkeit der Führung wie ja Pflichtbewusstiein und Opferfreudigkeit hinter keiner anderen zurück bleibet!, ja. sie müssen die besten unter allen sein! Darum dürfen wir bei der Aufnahme nicht nachsichtiger, sondern wir müssen eher wählerischer werden, und wir können das auch, denn mit jeder einschlagenden Schwester gewinnt der neue Berufszweig an Sympathien in jenen Kreisen, die ihm bis jetzt noch voll Vorurtheil gegenüberstanden. Und deshalb darf unsere Grossloge auch nicht auf die Auswahl. Ausladung und Aufsicht verzichten; im Gegentheil, sie sollte ihren Eintluss noch zu erweitern suchen, z. B. dadurch, dass sie sich bemühte, mit allen übrigen Vereinen und Anstalten für jüdische Krankenpflegerinnen in Deutschland zu einheitlichen Aufnahmegrundsätzen zu gelangen un,d ein M in iestmaäss der zu stellenden Anforderungen zu vereinbaren, damit eine Bewerberin. _die aus triftigen Gründen an der einen Stelle abgelehnt wird, nicht ei.-.fach bei der anderen aufgenommen werden kann. Darin ptlichten wir Br. Dr.'Feldmann allerdings bei, dass eine Schwester allein im Bezirke einer Loge — von der Möglichkeit einer Thätigkeit innerhalb einer ganzen Gruppe von- Logen kann natürlich gar keine Rede sein — nur eine halbe Sache ist: aber das haben die Mitglieder des Ausschusses nicht vermeiden können, und das ändert sich doch auch, sobald die von hier gestellte zweite Schwester ausgelernt hat. Wie wir uns bis dahin mit Unterstützung des Vaterländischen Frauen-Vereins selbst helfen, und wie die Mär-I kische Loge überhaupt den ganzen Dienst eingerichtet hat, das sei. mit Genehmigung der zuständigen Stellen, einem zweiten Artikel vorbehalten. Es wird daraus auch erhellen, dass die Schwesternsache auch in jüdischen Aussenkreisen warmen Anklang gefunden und dem U. O. B. B. hohe Anerkennung eingetragen hat. Wir wollen aber nicht schliessen, ohne noch folgende Irrtümer des Br. Dr. Feldmann aufgeklärt zu haben: Jene 125 Mark sind Dortmund nicht vergütet worden, weil die Stationirung der Schwester dort auf Schwierigkeiten gestossen wäre, wie der genannte Br. vermuthet, sondern, weil die hw. Grossloge versehentlich den Dienstantritt der Schwester schon für den 1. April, anstatt für den 1. Juli, angezeigt hatte und es nun für billig hielt, der Märkischen Loge die vergeblichen Ausgaben für Wohnung u. s. w. während der 3 Monate zu ersetzen. Die Schwester hat auch nicht von drei Seiten Befehle entgegenzunehmen, sondern lediglich der Leitung des Vorsitzenden des Ortsausschusses. (hier: des Kuratoriums) zu folgen, unbeschadet der ihr vorgeschriebenen Pflege-Berichterstattung. In jedem grösseren Betriebe giebt es eine technische Direction (d. i. hier das Mutterhaus in Berlin) und eine kaufmännische (d. i hier die Grossloge), auswärts aber auch Haupt- und Nebenvertreter., Bis jetzt hat alles geklappt. .' ' .• ' *JK ".','. | j i_•■ .;■„ ' •]••' Aus den Logen des VIII. Districts. Berthold Auerbach-Loge in Berlin. Im letzten Jahre hat unsere Loge wiederum vorzügliche Erfolge auf den verschiedensten Gebieten ihrer Wirksamkeit aufzuweisen. Infolge des reichhaltig gebotenen Materials gaben unsere Sitzungen fast ausnahmslos Veranlassung zu recht lebhaften und anregenden Aussprachen. Eine für unsere Loge hochwichtige Angelegenheit beschäftigte uns an mehreren Sitzungsabenden und führte schliesslich zu einem allgemein befriedigendeTT; Resultat. Aus Anlass unseres 20jährigen Bestehens im April dieses Jahres, wurde nach eingehender Berathung mit übergrosser Majorität die Begründung eines Jubiläumsfonds, welcher zum 25. Stiftungstage der Loge übergeben werden soll, beschlossen. Derselbe soll vornehmlich dazu dienen, den älteren und erwerbsunfähig gewordenen Brüdern unserer Loge, Beihülfen zu gewähren. Wir hatten die freudige Genugthuung, dass unsere Brüder innerhalb 4 Wochen freiwillig ca. 24000 Mk. für diesen Fond gezeichnet haben. Die Opferfreudigkeit unserer Mitglieder bekundete sich auch ferner, als wir im Wetteifer mit unsern lieben Schwesterlogen einen recht namhaften Betrag ifreiwillige Spenden) der Grossloge für unsere armen nothleidenden Glaubensbrüder in Kischinew übergeben konnten. Das beständig wiederkehrende, berechtigte Verlangen der Brüder, die Logensitzungen so viel als möglich mit geistiger Anregung auszugestalten, lieferte uns von Neuem den Beweis, dass dieses Moment allein den Logenbesuch zu heben im Stande ist. Von Sitzung zu Sitzung steigerte sich die Besuchszjffer, so dass wir mit grosser Befriedigung constatieren können, an 3 Abenden über 100 Brüder, an 15 Abenden über 50—100, an 16 Abenden zwischen 30—50 Brüder versammelt zu haben. Ein reichhaltiges Bild gewährten die Vorträge und Referate, welche im letzten Winter gehalten wurden. Es sprachen: Br. RA. Gott schalk über: Impressionen.