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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-09-01 · Nr. 7 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 7 - September
Date
1903-09-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Thätigkeit ein sicherer Erfolg zu erwarten sei; mit.anderen Worten: dass jeder Bruder die Pflicht habe, auch wirklich mitzuwirken, Wh er Ansprüche stellt. Charakteristisch ist es, dass in den meisten Logen, nnc auch hier sind die grossen Logen nicht ausgenommen, darüber geklagt wird, wie sich nur zu oft die Sitzuugen abspielen durch Erledigung der Tagesordnung, ohne den Punkten derselben Leben und Inhalt zu geben. Hierfür wird hauptsächlich die Grossloge verantwortlich gemacht. Diese soll, so wird gefordert, für jede Sitzung das interessante Material herbeischaffen. es sei ihre Aufgabe, für Anregungen zu sorgen, damit die Brüder zum regelmässigen Besuch veranlasst werden, übeihaupt trägt die Grossloge allein die Schuld, wenn innerhalb des Ordens nicht reges Leben pulsiert. Die eine Loge glaubt, zu wenig von der Grossloge besucht zu werden, die andere dagegen empfindet zu sehr die Bevormundung der Grossloge, sie trägt an allen» die Schuld, wenn irgend der Apparat ins Stocken gerät Demgegenüber muss konstatiert werden, dass es auch einsichtige Brüder giebt, die derartige Einwendungen auf das tiditige Maass zuiückführen. Sie weisen darauf hin, wie die Grossloge doch eigentlich nur eine Zusammensetzung von Vertretern der einzelneu Logen bildet-, dass diejenigen, die an der Spitze der Grossloge stehen, alle für ihren Beruf thätig sind, und sich nicht ausschliesslich den Aufgaben des Ordens widmen können: 'dass es vielmehr Sache der einzelnen Logen sei. der Grossloge Anregungen zu geben, die diese alsdann auch anderen Logen nutzbar zu machen als ibre Aufgabe zu erachten hat; wie es Pflicht des Beamtenrathes sei. vor jeder Sitzung die Tagesordnung vorzubereiten und interessant auszugestalten, was am besteu durch Vergebung von Referaten an geeignete Brüder über Vorkommnisse und Erscheinungen auf allen Wissensgebieten erzielt werden könnte etc. etc. - Von neuen Logen wird vielfach geklagt, dass sie in die Welt gesetzt wordeu. ohne genügende Infoimation über das "Wesen unserer Institution sowie über die Mittel zur Lösuug ihrer Aufgaben, und wenn irgend eine Klage berechtigt erscheint, «so ist es diese, die, wie wir wissen,-schon oft an die Grossloge gelangte, ohne dass bisher Wandel auf diesem (iebiet eschaffen worden ist. fnd doch, wenn der rege Eifer und ie Begeisterung für unsere gute Siehe nicht schnell schwinden, und in Indifferentismus sich wandeln soll, dann müsste un- \ bedingt die Grossloge Mittel und Wege finden, eine Besserung auf diesem Gebiet herbeizuführen, wenngleich nicht verkannt werden darf, dass diese Mittel und Wege zu finden überaus schwierig ist. Wenn eine bezahlte Kraft zu gewinnen, die die Aufgabe hat, besonders die neuen und kleinen Logen zu besuchen und diese in ihrer Thätigkeit zu fördern, perhoresziert wird, und wenn, wie die Grossloge klagt, sich nur selten erfahrene Brüder für diese-Aufgaben hergeben, so sollte auf die frühere Praxis zurückgegriffen werden: Die Einsetzung von Distriktsdeputierten, die sich immerhin, wenu auch nicht in vollem Umfange bewährt hat. Zweifellos Ist es besser, wenn erfahrene Brüder, und zumeist erscheinen die Mitglieder des General-Comitees hierzu berufen, verpflichtet wären, einen nicht zu grossen Kreis von Logen einige Male (2—3) während des Jahres zu besuchen, deren Freuden und Leiden kennen zu lernen, und für deren Gedeihen persönlich zu wirken, als, wie es jetzt mit wenigen Ausnahmen der Fall ist, die Logen ihrem Geschick zu überlassen. Wenn früher, wie schon erwähnt, ein voller Erfolg aus dieser Einrichtung nicht erzielt worden ist, so ist doch immerhin aus derselben manch schöner Fortschritt zu verzeichnen, und durch die Häufigkeit der Klagen nach dieser Richtung angespornt, dürften die Distriktsdeputierteu jetzt sich ihrer Aufgabe auch mit grösserer Bereitwilligkeit und Energie widmen. Ein erneuter Versuch könnte nur Vorteile bringen, und die bestehenden Logen zu erhalten und zu kräftigen erscheint wichtiger als neue Logen ohne sicheres Geleit zu etablieren. Als ein weiteres Hinderniss für die Entwickelung der Logen wild vielfach die Gegnerschaft -der Frau bezeichne^; besonders au kleinen Plätzen sei die Frau nicht gewöhnt, regelmässig an einem Abende der Woche ihren Mann freizugeben, und nur zu oft leidet darunter der Logenbesuch. Als sicherstes Mittel zur Beseitigung dieses Uebelstandes hat sich bisher noch immer die Organisation der Frauen zur Mitarbeit an unseren Aufgaben erwiesen. Ueberall wo den Frauen gewisse Gebiete der ,Logenthätigkeit überwiesen wurden, wie Nachhiilfeunterricht für in der Schule zurückgebliebene Kinder, Nähschulen zur Anfertigung von Wasche und Kleidungsstücken für Nothdürftige, Einführung und Beaufsichtigung der Krankenpflege bei, armen jüd. Familien, Pui im- und Chauuukabescherungen, Ferien-Colonien, etc. ete. hat sich die Gegnerschaft der Frauen in das grade Gegeutheil verwandelt, uud besonders, wo Einiichtuugen getroffen worden, dass an den Sitzungsabenden auch die Frauen sich vereinigen können, hat der Logenbesuch eine wesentliche Förderung erfahren. Aber nicht nur Klagen und Beschwerden wurdeu in den Unterhaltungen erhoben, sondern auch praktische Vorschläge gemacht, durch welche allgemein ein grösseres Interesse für das Wirken uud Streben des Ordens geweckt werden könnte. Die Hilfeaktion für Kischinew hat allen Glaubensgenossen, die ein warmes Herz für die Leiden ihrer Brüder haben, erneut zum Bewusstsein gebracht, wie es an einer Organisation fehlt, die sofort und berechtigterweise eintreten kann, wenn irgendwo die Juden verfolgt und bedrängt werden. Treteu solche Fälle ein, dann vergehen meist Wochen und Monate, bev,or sich Glaubensgenossen verständigen und zusammenfinden, um das Hilfswerk zu orgauisiren. Inzwischen werden von berufenen, meistens aber unberufenen^ Persönlichkeiten und Vereinen Aufrufe erlassen, niemand weiss recht wohin er seine Spende abführen soll, die Eingänge werden vielfach zu verschiedenartigsten Zwecken und ohne Kontrolle verwendet, die Kräfte zersplittert, ohne einen namhaften Erfolg zu erzielen. Bei Kischinew, wie früher bei Galizien und Rumänien war es unser Orden,'der zuerst die Judenschaft aufgerufen, und man fragt sich wohl mit Recht, Weshalb nicht der Orden eine für alle Fälle feststehende Institution unter den Juden schafft, die als legitimirt erscheint, in vorkommenden Fällen in Aktion zu tieten. Schon gegenwärtig besitzt der Orden in Deutschland an 60 Plätzen die allergeeignetste Vertretung und bildet so das kräftigste Rückgrat für eine solche Einrichtung, was von allen Institutionen bei richtiger Handhabung auch anerkannt werden dürfte; dem Orden auf diesem Gebiet Gefolgschaft zu leisten, wurden wohl alle in Frage kommenden Körperschaften bereit sein.

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