Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-09-01 · Nr. 7 - September · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 7 - September
Date
1903-09-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4864325-6028961-6074078--0562-4864733
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

81 dem jeweiligen Lokalausscbuss, der am Stationierungsort der Schwestern zu bilden ist. Vorsitzender des Lokalaus Schusses ist dasjenige Mitglied des Krankenpflegerinnen Komites, welches den betreffenden Bezirk vertritt (auch dann, wenn z. B. die Schwester in Bremen installirt*ist und der Bezirksvertreter der Loge in Gotha angehört?). Die Kosten der Stationirung einer Schwester trägt die betreffende Loge, soweit Zuschüsse erforderlich sind. Die Verwendung etwaiger Ueberschüsse für einen Bezirksfonds ist vorgesehen Dies sind die wesentlichen Punkte der bisher vom Krankenpflegerinnen-Komite getroffenen Einrichtungen, so weit diese veröffentlicht wurden. Um festzustellen, ob diese Einrichtungen den am 10. 6. 1900 gefassten Grosslogen Beschlüssen entsprechen, wollen wir uns zunächst fragen was jene Beschlüsse bezweckten. Der Zweck war ein dreifacher: Erstens sollte durch die Hülfe der Grossloge unbemittelten jüdischen Mädchen ein wichtiger Erwerbszweig) leichter zugänglich gemacht werden, als es bisher der Fall war; zweitens sollte den Logen ein neues Gebiet sozialer Fürsorge, nämlich die Tneilnahme am Krankenpflegewesen erschlossen werden drittens sollte eine Hinrichtung geschaffen werden, die den Bnei-Briss-Logen, und mit ihnen dem ganzen Judenthum zur Ehre gereicht. Der erstgenannte Zweck ist bisher am ehesten erreicht worden. Denn es unterliegt keinem Zweifel, dass es manchen jüdischen Mädcher, welche sich zur Ausübung der Krankenpflege eignen, nicht, oder nur schwer,. gelingen würde, un entgeltliche Aufnahme bei einem der Vereine für jüdische Krankenpflegerinnen zu finden. Auch wird durch die Be mühungen der Logen, geeignete Schülerinnen anzuwerben, die Kenntniss von der Existenz jüdischer Krankenpflege verbände in weite Kreise getragen und diese Berufsthätigkeit Leuten bekannt gemacht, welche vorher nichts davon wussten Unbestritten dürfte auch sein, dass eine tüchtige Krankenpflegerin stets sicher sein kann, ihr Brot zu verdienen gleichgültig ob ihr die Grossloge dauernde Arbeitsgelegenheit verschaffen kann, oder nicht. In zweiter Linie war das Bestreben angeführt, allen Logen die Betheiligungam Krankenpflege wesen zu erschliessen. Dieser Zweck ist nur insofern erfüllt, als die Grossloge die Ausbildungskosten für die Schülerinnen übernommen hat und somit jede Loge an di&en Kosten theilnimmt. Die Stationirung einer Schwester ist bisher bloss in einer Loge, in Dortmund, erfolgt und wird sich bei der grossen Mehrzahl aller Logen in absehbarer Zeit nicht erreichen lassen. Ob diese Art der Betheiligung, d. h. das blosse Beitragzahlen die Logen zu befriedigen vermag, bleibe dahingestellt. Wir kommen zum dritten und wichtigsten Punkt, der, dahin ging, dass eine für den Orden und dass ganze Judenthum ehrenvolle Einrichtung geschaffen werden sollte, und müssen jetzt auf diese Einrichtung näher eingehen. Man hatte ursprünglich geplant „jeder Kreiß solle in jedem Jahr der Centrale mindestens eine Schwester zuführen", d. h., es sollten jährlich fünf Schulerinnen eingestellt werden. Bisher sind^aber in drei Jahren statt 15 erst 5 Schülerinnen eingestellt worden, und da zür «Zeit ausser der Grossloge die Vereine in Frankfurt, Berlin, Köln, Breslau und Hamburg, sowie die besonderen Organisationen in München, Nürnberg und Stuttgart ebenfalls Schülerinnen-für sich annehmen, und soweit sie eigene Ausbildungsstätten besitzen, auch leichter erhalten, kann unbedenklich angenommen werden, dass auch in Zukunft die Grossloge günstigsten -Falles '2 bis :; Schülerinnen im Jahr bekomm«" wird. - Nach dem ursprüglichen Plan härte es 14 Jahre bedurft, um *K) Logen je eine Schwester zu verschaffen, nach der eben angeführten Wahrscheinlichkeitsrechnung sind mindestens vielleicht aber Jahre da/rü nöthig. wobei noch in Betracht kojmmt, dass die selbständigen Krankenpflegerinnenvereine an Zahl und liedeutung ständig wachsen. da>s sie begreiflicherweise die Bewerberinnen mehr anziehen, und dass zudem die Zahl der Logen immer, noch zunimmt. Es erscheint also ganz unmöglich, däss, wie es bei der, Grosslogentagung im Jahr l!n»0 hiess. , jeder Kreis soviel Schwestern,- als Städte' hat! Ist aber, so müssen wir nun; fragen, uns etwas damit gedient, wenn an diesem oder, jenem Platz eine jüdische Krankenschwester arbeitet ' Nein, damit ist weder dem- Judenüium..noch dem Orden, noch der Sache der jüdischen Krankenpflegerinnen gedient' "I! 9 .".*•-»'*---"-"." Die einzelne Pflegerin mag noch "so tleissig und erfolgreich arbeiten, sie wird dem grossen Publikum gegenüber immer nur "die, Rolle einer Privatwärterinspielen. Ihr fehlt eben die Stütze und der Rückhalt/ .welchen die gemeinsame Thätigkeit [mehrerer Schwestern'unter einheitlicher Leitung am gleichen Platz gewährt. "Man denke 'nur daran, dass eine Schwester allein nicht einmal im Stande ist, die Pflege eines Schwerkranken drei Tage und drei Nächte lang zu leisten, oder daran, dass eine Pflegerin,."die die Besorgung eines Gelähmten übernimmt; oftwichen-- und monatelang jeder anderen Thätigkeit entzogen-» ist. Auf di-.-se Wet$e wird die vereinzelte Schwester nicht in .der Lagesein. die . gewünschten Pflegen zu übernehmen,, und wenn auch das Publikum anfangs den besten Willen hat, die jüdische Schwester "zu holen, so wird es schon bald zu der Ansicm kommen, dass die Schwester ja doch immer vergeben ist. und nun wird der umgekehrte Fall eintreten, näinlich die Schwester wird nichts mehr zu thun haben. i Noch viel weniger lässt es sich durchführen, dass eine einzelne Schwester in einem ganzen Bezirk arbeitet. Wer in Chemnitz eine Lungenentzündung bekommt, kinn nicht warten, bis er „vielleicht"' eine. Pflegerin aus. Magdeburg, erhält und der Typhuskranke in Heilbronn wird es schwerlich riskiren, zu warten, bis er. eine abschlägige Antwort aus Heidelberg erfährt. Ueberdies wären solche ..Pflegerinnen auf Reisen" geradezu ein Privilegium de/ Reichen. Praktisch undurchführbar ist auch der Gedanke, dass die Logenschwester gleichzeitig dem Lokalausschuss, der Grossloge und dem Mutterhaus untersteht- (sie soll ja jeden Monat direkt an dieGrossloge.undan das Mutterhaus berichten); niemand kann dreien Herreh auf einmal dienen, und eine beschäftigte Pflegerin hat kaum die Zeit, regelmässige Berichte an eine, geschweige, denn an 3 Instanzen zu liefern.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.