Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 5 - Juni
- Date
- 1903-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 64 - spricht. Deshalb hat es ans mit besonderer Genugthuung erfüllt, dass Bruder Bergel, der Beamte der Grossloge, das Opfer gebracht, sich als gemeinsamer Vertreter nach Kischinew zu begeben, um auf Grund eigener Wahrnehmungen die Verhältnisse daselbst kennen zu lernen, und nach seiner Bückkehr Vorschlage zur zweckmässigsten Verwendung der Spenden zu machen. Vor wenigen Stunden ist Br. Bergel hierher zurückgekehrt und dürfte binnen kurzem seinen Bericht erstatten, sodass, abgesehen von dem Br. Bergel zur Verwendung der allerdringensten Fällen mitgegebenen Beträge, nunmehr ohne Zögern die eigentliche Hilfe wird geleistet werden können. Mögen die Logen und Brüder daher baldmöglichst uns alle Beträge zugängig machen, die -sie für Kischinew noch bestimmt, oder zur Verwendung haben, und auch alle etwaigen späteren Eingänge bitten wir, uns ohne Verzug zustellen zu wollen. Spenden - Verzeichnis«. Transport 3642 75 Deutsche Reichs-L. 800 — Germania-L. 2858 — Berth.Auerbach-L. 300 — Concordia-L. 305 50 Mamreh-L. 4215 60 Allemania-Loge, Samml. i. Stettin 2000 — Montefiore-L 361 — Humanitas-L. 54C0 — Lessing L. 452 — Caritas-L. Sa'nml. i. d. Gem. Kempen 500 — Fraternitas-L. : 855 — Mendelssohn-L. 5000 Amicita - L. durch Br.Placzek.Samml. d. Gemeinde Posen 150 — Eger-L. 803 — Zion-L. 250 — Westfalia-L. 738 — Friedens-L. 1000 ' — Henry Jones-L. 1000 — Frankfurt-L 320 Victoria-L. 300 — Rheinland-L. 1000 — Unitas-L. 597 — Sinai-L. 300 — Rhenus-L. 500 — Anhalt-L. 433 50 Pommerania-L i 8. d. Gemd. Stargard 150 — Nassau-K 224* 50 Friedrich-L. 200 — August Lamay-L 300 — Märkische-L. 435 50 Jul. Bien-L. Samml. d. Gern Eschwege 37501[35 Transport 37501 35 410 — 370 — 300 — 927 30 100 — 100 -!~>n — OOu 500 — 1022 45 " 500 — 2255 — 566 — 200 — 809 25 200 — 1000 — 300 — 1934 75 1633 50 200 — 500 644 50 333 -i 2200 — 900 100 324 304 — 50 _ 50 50 5 — 56640 10 München- Franken-Loge Carl Friedrich-L. Silesia-L,, Samml. d. Gemde. Liegnitz Gabriel Riesser-L. Hohenzollern-L. Stuttgart^. Kaiser Friedrich-L. Borussia-Ii. Glückauf-L. Leipzig-L. Saxonia-L. BreisgaujL. Einträch;-L. Düsseldorf-L. Gotha-L. Starkenburg-L. Erfurt-L Humbold t-L. Dalberg-L. Bergisch s L. Mosel-L Ostpreussische L. Saar-L. Maimoni des-L. Herder-] j. Br. Jacob Hahn, S. d. Gem. Hersfeld Br.Rabb.Dr.Silber stein, S.d. G.Elbing Simon Bing-Berlin Rieh. Löwenstein- Berlin Bernheimer - New- York[ Hermann-Berlin Zur Enquete des deutschen Ordens. Von M. Steinhardt-Magdeburg Seit Jahresirist beschäftigt sich die Gr.-Lg. mit d Anträgen des würd. Expräs. Br. Rechtsanwalt Plotk - Frankfurt a. M., welche eine Enquete über die Gesaminf- Verhältnisse der deutschen Judenheit erstreben. Die Enquetisierung ist nunmehr eine beschlossene Sache; wie aus No. 4 der Berichte der Gr.-Lg. ersichtlich ist, soll demnächst im' Grossherzogthum Hessen der Anfang hierzu — gewissermassen ein Probeversuch — gemacht werden. In die diesbezüglichen Berathungen, welche am 10. April in den Räumen der Frankfurt - Loge stattgefunden, ist jedoch ein neues Moment hineingetragen worden, nämlich die Enquete nur auf die Landgemeinden zu erstrecken; so lag ein Antrag vor, welcher lautete: „Die Enquetisirung solle sich auf die Landgemeinden beschränken, resp. auf diejenigen Gemeinden, in denen kein Rabbiner thätig ist." Dieser Antrag gelangte zwar nicht zur Annahme, jedoch wurde einer Resolution zugestimmt, welche sehr wohl die Möglichkeit offen lässt, dass bei der Enquetisirung der übrigen Bundesstaten diesem Gedanken Rechnung getragen wird. Die Ausführung dieser Idee aber würde zur Folge haben, dass die Enquete ein ganz einseitiges und falsches Bild über die Verhältnisse der deutschen Juden ergeben würde. Es giebt wohl kaum einen Nothstand, sei er materieller, geistiger oder religiöser Art, der in der Grossstadt nicht in mindestens demselben Masse vorherrscht, wie .auf dem Lande. Der materielle Nothstand ist in der Grossstadt zweifellos sogar grösser. Das Kind des Atmen auf dem Lande hat von dem Proletarierkinde der Grossstadt noch eines voraus: Luft und Licht. Wer jemals in die mehrstöckigen Hinterhäuser der Grossstadt hineingeschaut, wer jemals die abgehärmten und abgehungerten Gestalten, die in diesen Häusern wohnen gesellen, der vermag keinen rechten Grund zu finden, warum man, wenn einmal für das jüdische Proletariat im Reiche eine Hilfsaction in die Wege geleitet werden soll, das grossstädtische ausser acht dabei lassen will. Dass aber dieses grossstädtische jüdische Proletariat nun etwa für Kulturaufgaben ein besonderes Verständniss entwickelt, dass es an dem geistigen Leben der Grossstadt irgendwelchen Antheil nimmt, wird wohl niemand alles Ernstes behaupten wollen. Wir verweisen, dabei auf die köstliche Stelle im 2. B. Mos., Kapit 6, Veiv- 9, welche das tiefe geistige Niveau der Juden in Aegypten motivirt: ,,Sie aber (die Kinder Israels) hörten nicht auf Moses wegen Kütze des Odems und wegen der Schwere der Arbeit." Zu einem regen geistigen Leben gehören eben die entsprechenden Lebensbedingungen, gehört vor allem ei:;e Lebenseiistenz, welche nicht die Körperkräfte aufreibt. Wa aber schliesslich das religiöse Leben betrifft, so sind dia ländlichen Verhältnisse im allgemeinen besser, als die grossstädtischen. Wohl ist es wahr, dass es viele kleine Gemeinden giebt, die kaum an 3 Tagen im .Ja; einen Gottesdienst veranstalten können, während die Großstadt an jedem Sabbath und Feste einen geordneten Gottesdienst aufzuweisen hat. Aber eben so wahr ist es auch, daß dieser Gottesdienst regelmässig durchweg nur von 10% der jüd. Bevölkerung besucht wird, während die übrigen 90% nur an den bekannten drei Tagen im Jahre im Gotteshause