Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 5 - Juni
- Date
- 1903-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4864325-6028961-6074075--0542-4864715- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Aus dem Gedächtnissbuche der Grossloge. Seit unseren letzten Angaben hat der Distrikt den T<m folgender Brüder zn beklagen. Es starben: Kischinew. Wie früher für Galizien nnd Rumänien, so ist die Grossloge auch jetzt die Institution gewesen, die für Kischinew zuerst die Sammlang von Spenden eingeleitet, allerdings hat sie sich bei ihrem Aufruf auf ihre Mitglieder beschränkt, davon ausgehend die Kreise anderer Korporationen nicht zu stören, was mehrfach anerkennende Beurtheiluog gefunden hat. Unser warm gehaltener Aufruf hat einen vollen Erfolg gezeitigt, was um so mehr hervorgehoben zu werden verdient, als unsere Logen und Brüder sich Leistungen auch an anderen Stellen nicht haben entziehen können. Bis jetzt sind uns laut nachstehendem Spendenverzeichniss Mk. 56640,10 zugeflossen, nach erhaltenen Anmeldungen und Mittheilungen haben wir auf den Eingang noch einiger Tausend Mark zu rechnen, sodass wir mit einer Gesammtleistung von ca, 60 000 Mk. an der Linderung der Noth in Kischinew werden mitwirken können. So gering diese Summe gegenüber dem unbeschreiblichen Elende auch ist, das über unsere unglücklichen Glaubensgenossen in Kischinew hereingebrochen, als Leistung des Ordens in Deutschland verdient sie volle Anerkennung und Würdigung um so mehr, als nach uns gewordenen Angaben reichlich doppelt so hohe Betrage aus den^Sammlungen unserer Logen und Brüder an andere Institutionen abgeführt wurden. Ist es auch an sich zweifellos gleichgültig, wohin die Spenden iiiessen, wenn sie nur in reichem Masse gewährt werden, so beklagen wir es dennoch, dassi uns nicht alle unsere Logen auf diesem Gebiet volle Gefolgschaft leisteten, sie nicht alle ihre Spenden uns zugeführt haben. Die hierfür angeführten Gründe können wir nicht gelten lassen, denn höher als lokale Rücksichten sollte den Brüdern das Ansehen und die Machtstellung des Ordens in der deutschen Judenheit stehen. Hier bei den Sammlungen für Kischinew, war die Gelegenheit gegeben, nach aussen därzüthun, was Wir als geschlossenes Ganzes auf Wohlth&tigkeitsgebiet zu leisten vermögen, wie wir die bestorganisierte jüdische Vereinigung sind, wo es gilt, schnell und namhaft den Opfern der Verfolgung zu Hilfe zu kommen. Auf diesem Gebiete bedeutet Geld — Macht, je grösser unsere nachweisbare Gesammtleistung, desto grösser auch die Anerkennung unserer segensreichen Bestrebungen in der Aussenwelt. Wenn wir. es den Grundsätzen des Ordens gemäss auch weit abweisen, mit unseren" Leistungen zu prunken, und an den Markt der Oefientlichkeit zu treten, so hätten Wir doch gewünscht, bei dem Hilfswerk für Kischinew mit einer grösstmöglichen Gesammtleistung des Ordens eintreten zu können, der Totalbetrag, wenn ihm alle Spenden der Brüder und Lögen zugeflossen wäre, hätte für sich allein, ohne Hinzufügung auch nur eines Wortes erweiseu können, dass unser Bund ein Mächtfaktor im Judenthum rat. Die Zersplitterung der Kräfte bedauern wir daher, und wir hoffen, dass unsere Logen und Bruder immer mehr das Bewußtsein durchdringen wird, dass sie Glieder eines Ganzen sind, dessen Gedeihen und Wirksamkeit. Macht und Ansehen zu fördern, ihre höchste Pflicht ist. Gegenüber dem bezeichneten Verhalten einzelner Logen könneu wir zu unserer Freude coustatieren, dass von anderen Logen und Brüdern in richtiger Würdigung der Verhältnisse alle Beträge uns zugeführt wurden, die die Sammlungen in ihren resp. Gemeinden ergeben haben. Selbst aus 2 Gemeinden, wo nur einzelne Brüder wohnen, sind uns durch diese, und zwar Br. Jaco'b H ahn - Hersfeld und Br. Rabbiner Dr. S i 1 b e r s t e i n - Elbing, die dort gesammelten Spenden überwiesen worde"n. ( Haben wir auch vorstehend etwas zu erinnern gehabt, so sind wir dennoch hocherfreut, dass auch bei dem traurigen Anlaas in Kischinew sich die Opferwilligkeit unserer Brüder auf das glänzendste bewährt hat-, und wenngleich wir schon in jedem Einzelfalle für die Zuwendung - zu Gunsten unserer. Glaubensbrüder in Kischinew gedankt, so wollen wir doch noch an dieser Stelle herzlich danken ' allen unseren lieben Brüdern, die unserm Aufruf Folge geleistet, und mitgewirkt haben, den Darbenden Brod zu reichen und sie aufzurichten durch den Glauben an den Heistand guter Menschen. Nun sollen die eingegangenen Spenden verwendet werden, was mit grosser Uoicht- und Vorsicht erfolgen muss, wenn da geholfen werden soll, wo die Hilfe am ällerdringendsten ist, wo mit der Hilfe die zerstörte Existenz, wieder aufgerichtet, also für die Dauer geholfen werden kann. Eine selbstständige Verwendung der bei uns eingegangenen Beträge haben wir niemals beabsichtigt, werden vielmehr hierbei gemeinsam mit dem Hilfsverein der Deutschen Juden operireu, was auch später geäusserten Wünschen unserer Logen ent- 27. Am 20. April 1903 Br. Max Mayer, Mitglied der Unitas-Loge in Strassburg i. E. seit dam 6. I. 00, geb. den 7. 7. 49 in Heidelberg. 28. Am 29. April 1903 Br. Georg Hirsch, Mitbegründer der Rhenus-Loge in Mainz — 24.2. 89 — geb. den 17. 11. 33 in Friedberg i. Hessen. 29. Am 11. Mai 1903 Expr. Br. Adolf Schleich, Mitbegründer der Fräternitas-Loge in Dresden — 24. 2. 89 — geb. den 1. 5. 42 in Schwerin. 30. Am 11. Mai 1903 Br. Marcus Callomon, Mitbegründer der Eger-Loge in Ostrowo — 21. 2. 86. — geb. den 22. 11. 42 in Ostrowo. 31. Am 24 Mai 1903 Br. Gustav Bacher, Mitbegründer der Silesia-Loge in Liegnitz — 19.3.99 — geb. den 22. 11. 55 in Gr. Finz bei Liegnitz. 32. Am 18. Mai 1903 Br. Bernhard Frank, Mitglied der Rheinland-Loge in Köln — 12. 9, 88 — geb. den 1. 1. 42 in Köln. 38. Am 28. Mai 1903 Br. Moritz Levy, Mitglied der Berthold Auerbach-Loge in Berlin seit dem 4. 2. 95. geb. den 7. 12. 39 in Inowrazlaw. 34. Am 27. Mai 1903 Br. Leopold Oppenheim, Mitbegründer der Rhenus-Loge in Mainz — 24. 2. 89 — geb. den 8. Februar 1846 zu Mainz.