Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1903-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 45 - mit ziemlich gleichmäßiger socialer Schichtung der jüdischen Bevölkerung handelt. Für die Bearbeitung des statistischen Materials ist bereits eine hervorragende Kraft gewonnen worden. Sodann theilt Br. Rabbiner Dr. S a 1 f e 1 d - Mainz mit, dass laut Beschluss der, Rhenus-Loge demnächst eine Versammlung stattfinden wird, zu der einerseits die drei hessischen Logen, anderseits die Vorstände der hessischen jüdischen Gemeinden eingeladen werden sollen zu dem Zwecke, die vorliegende Enquete in die Wege zu leiten. Eine längere Discussion knüpfte sich dann an die Frage an, ob die Enquete sich auf die Landgemeinden beschränken solle oder ob die gesammte jüdische Bevölkerung hineinbezogen werden sollten. Während die BBr. P1 o t k e - Frankfurt, R o t h s c h i 1 d-Worms, Dr. M e c h a n i k - Mainz, Dr. Auerbach - Köln, Dr. L ö b - Darmstadt eine Beschränkung auf die kleinen Gemeinden befürworteten und zwar deshalb, weil die Enquete veranstaltet werde, um diesen zu helfen und weil über die Verhältnisse in grösseren Städten bereits hinreichendes statistisches Material vorlägt, sprachen ausser dem Vorsitzenden noch die BBr. B1 u m - Heidelberg, Rabbiner Dr. S a 1 f e 1 d - Mainz, Dr. Schauer - Mainz und Dr. Walter- Frankfurt im Sinne einer Ausdehnung der Erhebungen auf die gesammte jüdische Bevölkerung von dem Gesichtspunkte ausgehend, dass. jede ' derartige Statistik, welche die grossen Städte ausschliefst, nothgedrungen lückenhaft sein muss, dass ferner manche Verhältnisse auf dem Lande derartig in die der Städte übergreifen, dass man sie nicht gesondert von einander betrachten darf. Diese verschiedenen Anschauungen fanden ihren Ausdruck in verschiedenen Anträgen: /^y 1. Antrag des Br. R o t h s c h i 1 d-Worms: „Die Enquete erstreckt sich nur auf die Landgemeinden." 2. Antrag der BBr. Regierungsbaumeister Blum- Heidelberg und Dr. L. Walter- Frankfurt a. M.: „Die Enquete hat sich über sämmtliche Gemeinden Hessens ohne Unterschied der Einwohnerzahl zu erstrecken." 'j 3. Antrag des Br. Bodenheimer - Worms: „Die Enquetisirung solle sich auf die Landgemeinden beschränken resp. anf diejenigen Gemeinden, in denen kein Rabbiner thätig ist. Die Bearbeitung der Sache möge in Verbindung mit der würdigen Grossloge den hessischen Logen und der Frankfurt- Loge überlassen bleiben." Nachdem der Vorsitzende Dr. Maretzki darauf hingewiesen hatte, dass durch die Beschränkung auf die kleinen Gemeinden die Einheitlichkeit der statistischen Erhebung, die sich später über ganz Deutschland erstrecken solle, in Frage gestellt werde, brachte Br. P1 o t k e- Frankfurt folgende Resolution zur Abstimmung: „M it Rücksicht darauf, dass der Vorsitzende die Erklärung abgegeben hat, die Grossloge sei bei Berufung der Commission davon ausgegangen, dass die Enquete auf die gesammte Judenheit Hessens sich zu erstrecken habe, wirdderVorschlag gemacht, sämmtliche entgegenstehende Anträge zurückzuziehen, wobei jedoch ausdrücklich constatirt wird, dass h i.er d ur ch kein Präj u d i z geschaffen werden soll für die spätere EnqußtisirungderübrigenGebieteDeutschlands noch dafür, dass die eventuell an die Enquete sich anschliessende Hilfsaction sich auf weitere Gebiete als auf die Landbevölkerung zu erstrecken habe." Diese Resolution wurde einstimmig angenommen und infolge dessen der Antrag des Br. R o t h s c h i 1 d-Worms und der erste Theil des Antrags des Br. Bodenheimer- Wonns hinfällig. Hierauf wurde der Antrag 2 der BBr. Regierungsbaumeister Blum- Heidelberg lind Dr. Walter- Frankfurt einstimmig angenommen. Bezüglich des 2. Theils des Antrags Br. Bo denheimer- Worms wurde auf Vorschlag der BBr: Wallach- Kassel, Dr. L ö b - Darmstadt, PI olk-e.^ Frankfurt a. M. sowie des Vorsitzenden folgender Antrag einstimmig angenommen: „Ausser den drei hessischen Logen, nämlich der Dalberg- Loge, der Rhenus-Loge und der Starkenburg-Loge, sollen sich noch die August-Lamey-Loge, die Frankfurt-Loge, die Friedrich-Loge und die Sinai-Loge an der Enquetisirung betheiligen mit dem Rechte der Cooptation weiterer Logen." Nun folgte die Durchberathung des ersten der von der hochw. Grossloge entworfenen Fragebogen, der die Ortsstatistik betrifft. \ Dieser Entwurf wurde, abgesehen von einigen geringfügigen Verbesserungen, unverändert angenommen. Eine grössere Debatte knüpfte sich , an" die Durchberathung der einzelnen Zählkarten, an der sich die Br. Dr. K o r n b 1 u m-Wiesbaden, Dr. W a 11 e r-Frankfurt a. M., Dr. L ö b - Darmstadt betheiligten und bei welcher sich die überwiegende Anzahl für Abänderung derselben aussprach, da aller Voraussicht nach die meisten nicht ausgefüllt würden. Schliesslich stellt Br. PI otk.e-Frankfurt a. M. folgenden Antrag: ,,Das Material, welches in den 4 einzelnen Zählkarten n i e d e r g e,l e g t i s t, s o 11 nicht von einzelnen Individuen und einzelnen Haushaltungenbeantwortet werden, sonder n soll als Gesammtmaterial verarbeitet und der Ortsstatistik beigefügt werden. Hierbei wird empfohlen den für Baden von "Br. Regie r un g s b a u m e i st er Blum aus gearbeiteten Fragebogen als G-r u n d 1 a g e-zu benutze n." - Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen und damit war der letzte Punkt der Tagesordnung erschöpft. Nachdem Br. J. W i s 1 o c h dem Vorsitzenden für seine umsichtige Leitung der Versammlung namens der. Anwesenden bestens gedankt, schloss Br. LY. Maretzki, indem er seinerseits der Versammlung für ihre rege Betheiligung an den Verhandlungen dankte, die Sitzung. Nach der Sitzung lud die Frankfurt-Loge die Theilnehmer zu einem Imbiss in ihren Räumlichkeiten ein, der die Brüder noch auf einige Stunden in gemttthKchet Gesellschaft vereinigte. Aus dem Bureau der Grossloge. Die Oberaas traurigen Vorkommnisse in Kischienew haben uns veranlasst, folgenden Aufruf an die Logen-Brüder unseres Distrikts zu erlassen: Würdiger Präsident und werthe Brüder! Die Excesse, die kürzlich über unsere Glaubensgenossen in Kischienew von einer entmenschten Horde verübt worden