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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1903-05-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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1 — AI — Wir erfüllenjetzt eine Liebespflicht, die mehr ist als hergebrachte Form. Aufrichtig trauern wir um einen Bruder und zollen ihm als Glieder des grossen Bruderbundes den Tribut der Dankbarkeit; denn er gehörte zu den Pioniren, die den Boden für unsere brüderliche Arbeit in unserer Gemeinde geebnet und dem U. O. B. B. eine blühende, geachtete Pflanzstätte errichtet haben. '/ ' * Die Begeisterung für die Ideen unseres Ordens entsprang der Ueberzeugung, dass er judenthum und Deulschthum fördere. Er hat unsere Loge als ihr erster Präsident vor nunmehr 14 Jahren eröffnet, hat sie umsichtig geleitet, und sie mit Würde nach aussen vertreten. Was an Bern. Alb. Mayer sterblich war, haben wir vor wenigen Tagen zur Ruhe gebettet, aber was geboren wurde aus dem in ihm waltenden Gottesgeiste, seine unermüdliche Thätigkeit für die Armen und Elenden, seine Gewissenhaftigkeit, sein Eifer, seine Pflichttreue, seine Bestrebungen zur Verwirklichung der Ideen unseres Ordens, es bleibe unvergessen, sichere ihm ein bleibendes Gedächtniss unter uns und gebe Anderen ein anregendes Vorbild. Der w. Präsident erteilt sodann das Wort Br. Dr. Loeb: Von der Grossloge für Deutschland bin ich beauftragt, heute hier in deren Namen die herzlichste Theilnahme auszusprechen an . dem unersetzlichen Verluste, den unsere Loge und der ganze Orden durch das Hinscheiden des Br. Expräs. -Bern. Alb. Mayer zu beklagen hat. Vor 14 Jahren lernte ich hier Br. Mayer kennen, als er mich als 1. Präsident in die Loge einführte. Von jener Zeit datirt meine Freundschaft mit ihm. Ich war es auch, der Br. M a y e r zu Lebzeiten hier zum letzten Male feiern konnte. Es war dies gelegentlich unseres letzten Stiftungsfestes, wo Br. Mayer, wie bei allen unseren Festen, unter uns weilte, r— Ich schloss damals meine Rede, indem ich der Ueberzeugung Ausdruck gab, dass, wenn demnächst an unseren bewährten Führer der Ruf ergehe, sich wieder an die Spitze unserer Loge zu stellen, er sicher freudig wieder wie in früheren Tagen diesem Rufe folgen würde. Wenn Br. Mayer damals antwortete, er fühle sich hierzu nicht wohl genug, wir alle wussten nicht, wie krank er sei, da hielten wir dies für eine Redensart. Leider kam die Bestätigung, die wir nie gewüflscht, zu bald. . '; "Was die Grossloge an Bern. Alb. Mayer hatte, das wusste sie wohl. Es gab Niemand, der die Schäden des zeitgenössischen Judenthums so empfunden wie er. Niemand konnte mehr hassen, wenn jemand materieller oder anderer Vortheile halber seinen Glauben von sich warf. — Aber er war nicht nur eine Kampfesnatur, .er war auch mild, wohlthätig, edel und gut. — Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht wasen seine Leitsterne. Er war ein wahrer, gerader Mann, der stets sagte, was er empfand, mochte es anderen gefallen oder nicht. Er wurde dadurch oft verkannt, es konnte ihn dies aber nicht abhalten, an seiner ehrlichen Ueberzeugung fest zu halten. Stets tolerant und nachsichtig pflegte er Bruderliebe und Eintracht. Hier in unserer Loge hatte der Verstorbene ein weites Arbeitsgebiet, und sein Wirken wird unvergesslich sein in der Geschichte der Grossloge. — Ehrgeiz kannte er nicht; bescheiden wirkte er im Stillen in Wohlthätigkeitsvereinen, und in dieser Arbeit fand er Kraft und Befriedigung. — Für ihn bestand kein Gegensatz zwischen Judenthum und Deutschthum, und der Antisemitismus war für ihn kein Grund, sich abseits zu stellen. Redner erwähnt dann, dass er auch seit langen Jahren politisch mit Br. Mayer zusammen arbeitete, der auch hier ohne Ehrgeiz stets seine ganze Kraft für das Wohl des Vaterlandes einsetzte. Br. Dr. Loeb schliesst seinen warmempfundenen, formvollendeten Nachruf mit den Worten: Eine grosse Gemeinschaft betrauert in diesen Tagen den Verlust ihres eifrigsten Förderers, aber über das Grab hinaus wird Br. Bern. Alb. M ä y e r fortleben, nicht nur in der Familie. Er hat seine Pflicht gethan als Jude und als Mensch wie kein anderer. In unserem Gedächtniss wird er weiterleben, so wie er unter uns gewirkt hat, lebens- und schaffensfroh, und uns Allen stets ein Beispiel der Nachahmung bleiben! Nach einem stimmungsvollen Harmonium Vortrag schloss der w. Präsident den ergreifenden Traueract mit den Worten: „Das Bild des Verklärten wurde wieder lebendig vor uns geführt; es bleibt uns nur die Erinnerung an ihn, und die wollen wir festhalten für alle Zeiten. Zum Zeichen dafür bitte ich die Brüder und anwesenden Gäste, sich von ihren Sitzen zu erheben.'* Bericht über die erste Delegirtenversammlung die Erhebungen im Grossherzogthum Hessen betreffend. Erstattet von Br. Dr. med. B. Kaufmann—Frankfurt a. M. Am 10. April 1903 versammelten sich in den Räumen der Frankfurt-Loge die Delegirten der von der hochwürdigen Grossloge mit der Enquetisirung des Grosslierzogthums Hessen zunächst betrauten Logen. Ausser dem hochwürdigen Exgrosspräs. - Br. Sanitätsrat Dr. M a r e t z k i und dem Vicepräs. Joseph Wisloch sowie ausser den officielleu Delegirten nahmen eine Anzahl Brüder der benachbarten Logen als freiwillige Mitglieder theii, so dass die Zahl der Theilnehmer 24 betrug. Es "waren vertreten: die August Lamey-Loge, die Dalberg-Loge, die Frankfurt-Loge, die Karl Friedrich-Loge, die Märkische Loge, die Nassau- Loge, die Rheinland-Loge, die Rhenus-Loge, die Sinai-Loge und die Starkenburg-Loge. Zunächst begrüsste der Präs. der Frankfort - Loge Br. Dr. Blau die Erschienenen und giebt der Hoffnung Ausdruck, dass eWas Erspriessliches für unsern Orden und fürs deutsche Vaterland herauskommen möge. Sodann wird der Br. Sanitätsrat Dr. M a r e t z k i einstimmig zum Vorsitzenden der Versammlung gewählt. Br. Dr. M a r e t z k i setzte nun die Gründe , auseinander, weshalb zur Enquetisirung zunächst das Grossherzogthum Hessen gewählt wurde. Diese sind 1. financielle, weil es sich um einen relativ kleinen Bezirk handelt, dessen statistische Behandlung mit verhältnissmässig geringen Kosten verknüpft ist, 2. Garantie der Zuverlässigkeit, weil es sich um einen scharfbegrenzten Bezirk

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