Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1903-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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sind, rufen überall einen Schrei der Entrüstung und des Schmerzes hervor. Die unbeschreiblichen Greuelthaten, die an unseren Glaubensgenossen dort begangen worden, müssen aber auch das Mitleid aller Herzen für diese. unglücklichen Brüder erwecken, denn was dort sich abgespielt, überbietet wohl alle Verfolgungen und Leiden, denen die Juden bisher ausgesetzt gewesen. Das uns vorliegende Material ergiebt eine unsägliche Leidenszeit, welche die Juden in Kischienew um die Qsterzeit durchlebt. Die Einzelheiten zu schildern, sträubt sich die Feder und doch muss hervorgehoben werden, dass gegen 100 unserer Glaubensgenossen in der grässltehsten Weise gemordet worden, hunderte schwer Verwundeter, wovon nur wenige das Leben retten dürften, füllen die Spitäler, unschuldige Kinder wurden aus den oberen Stockwerken auf die Strasse geschleudert, wo sie von den wüthenden Massen zertreten wurden, Mädchen und Frauen wurden geschändet, schwangere Frauen in unbeschreiblicher "Weise zu Tode gemartert, fasst 2000 jüdische Familien Kischienews sind an den Bettelstab gebracht. Von vielen Seiten sind wir angegangen worden, diesem unsäglichen Elende nach Kräften entgegenzuwirken, und wir erachten es als unsere heilige Pflicht, diesen Aufforderungen Folge zu leisten. — So rufen wir denn unsere Logen und Brüder zur Gewährung von Spenden auf, und sind überzeugt, dass wir auch diesmal nicht vergeblich an die Herzen appeliren werden, denn immer hat sich die Mildthätigkeit unserer Brüder auf das Glänzendste bewälirt, wenn unsere Glaubensgenossen in Noth und Gefahr gewesen. Wir bitten dringend, Ihre Spenden ohne Terzug uns zustellen zu wollen, gleichviel ob Sie auch von anderen Institutionen etwa angerufen werden, und wir glauben, dass es bei diesem unbeschreiblichen Elend in Kischienew unbedingt erforderlicli ist, jeden einzelnen Bruder Ihrer w. Loge zur Gewährung von Spenden anzugehen, um so einen möglichst grossen Betrag aufzubringen. Nur wenn allerschleunigst es jenen unglücklichen Glaubensgenossen möglich wird, das Leben zu fristen, die vernichteten Existenzen, wenn auch nur theil weise wieder aufzurichten, — nur dann wird die Gefahr der Massenauswanderung aus Bessarabien zu bannen sein, denn die Furcht der Juden daselbst vor den gleichen Excessen in den Nachbardistrikten Kischienew's ist eine allgemeine. Selbst in dem grossen Odessa herrscht unter den Juden eine Panik, sie stehen Tag und Nacht.bewaffnet und stellen Wache aus. Was aber bedeutet die Selbsthilfe einiger Tausend Juden fanatischen Pöbelhaufen gegenüber, die nur des Signals warten, um von langer Hand vorbereitete Exesse auch doit zu inscenieren. Liebe Biüder, die Leiden des Mittelalters sind durch die Vorgänge in Kischienew weit übertroffen, deshalb helfet und rettet, wo es gilt, entsetzliches Elend zu lindern, das über unschuldige Menschen ihres jüdischen Glaubens wegen hereingebrochen ist. Wir bleiben Ihre schleunigen Nachrichten erwartem und begriisseu Sie in W. B. u. E. herzlichst. Ad. Mayer, Vice-Präs. D. Wolff, Sekretär. Die erste Loge, die sich mit diesem Aufruf beschäftigte, war die Montefiore-Loge; sie bewilligte Mk. 500 aus dem Logenfonds, die anwesenden Brüder spendeten ca. Mk. 600, und soll den Brüdern, die der Sitzung nicht anwohnten, ein Abdruck des Aufrufes mit einer Zeichenlisle zugestellt werden, wovon sich die Montefiore-Loge weitere Spenden von cd Uk. 1000. verspricht. Mk. 1000 hat uns die Montefiuie. Loge als U Rate bereits überwiesen. Unser Comite för Ausbildung jMischer Krankenpflegerinnen hielt im März er. eine Sitzung ab, aus welcher folgendes zu berichten ist: Mit Rücksicht darauf, dass seit Eintheilung unseres Distriktes in 5 Bezirke eine grosse Anzahl neuer Logen errichtet worden, wird beschlossen, unsern Distrikt in 8 Bezirke zu theilen, um so die Vertreter der einzelnen Bezirke nicht zu sehr zu belasten, anderseits aber auch, um eine grossere Anzahl Brüder für die Aufgaben des Comitös zu interessieren. — Demzufolge gehören an: Dem 1. Bezirk die Germania-, Fraternitas-, Mendelssohn-, Berend Lehmann-, Anhalt-, Leipzig-, und Saxonia-Loge, vertreten durch Br. R. Bacher- Magdeburg. Dem 2. Bezirk dieConcordia-, Mamreh-, Humanitas-, Friedens-, Victoria-, Silesia- und Humboldt-Loge, vertreten durch Br. D. Pfeffermann - Gö rl itz. Dem a. Beziik die Allemania-, Pommerania-, Caritas- und Eger-Löge, vertreten durch Br. S. Meyer- Stargard, Dem 4. Bezirk die Amicitia-, Gabriel Riesser-, Hohenzolleru-, Borussia- und Ostpreussische Loge, vertreten durch Br. Paul Jacob-Thorn. r Dem 5." Bezirk die Unitas-, Friedrich-, Karl Friedrich-, Breisgau-, Franken-, Stuttgart- und Herder-Loge, vertreten durch Br. Ferdinand Liebbold-Heidelberg. Dem <i Bezirk die Rhenus-, Nassau, Eintracht-, Mosel-, Saar-, Starkenburg- und Dalberg-L^ge-, Vertreter noch zu wählen. Dem 7 Bezirk die Märkische, Julius Bien-, Glückauf-, Bergische-, Westfalia- und Düsseldorf-Loge, vertreten durch Br. Flörsheim ~D ort - m u n d. Dem 8 Bezirk die Zion-, Sinai-, Kaiser Friedrich-, Gotba- und Erfurt-Loge, Vertreter noch zu wählen In eingehender Beralhung werden die Vorlagen zur Regelung aller Fragen durchberathen, die auf Stationierung etc. unserer Schwestern Bezug haben. Das inzwischen hergestellte Druckmaterial steht zur Verfügung den Legen und Brüder. Noch im Laufe dieses Monats wird eine unserer Schwestern in Dortmundstationiert werden, binnen Kurzem eine zweite im 5. Bezirk, sodass wir nun mit dieser unseren Einrichtung von der Theorie in die Praxis gelangen, ans welcher steh, so hoffen wir, die schönsten Erfolge ergeben werden, besonders wenn alle unsere Brüder bemüht sein wollten, geeignete Mädchen und Frauen für diesen schönen Beruf zu gewinnen, der überdies den Bewerberinnen eine ekrenwerthe gesicherte Existenz bietet. Die Dflsseidorf-Loge hält jetzt ihre Sitzungen im Hotel Heck, Blumenstrasse in Düsseldorf ab.