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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 3 - März
Date
1903-03-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Interesse für die Siehe vorauszusetzen ist, zur weitereu Ausführung und Realishung zu unterbreiten die Geneigtheit haben wollte. Sämmtliche nöthigen Vorarbeite» vei pflichte ich mich — so weit nur meine Zeit es gestattet — zu üb. rnehmen, eventuell auch in den Scliwesteiiogeri, die es wünschen, durch Vorträge fjir die Tdee Propaganda zu machen. Wenn ich mich mit meinem Plane nicht an den israelitischen Geineiiidebund direkt, sondern zuerst an unseren Orden wende, so geschieht dies nicht nur, Weil icli ad majorem gloriam des Ordens diesem den eisten Schritt in einer meines Erachtens für die gesammte- .Tudeuwelt so wichtigen Angelegenheit zu thun überlassen möchte, sondern weil ich in unserem hohen Orden eine Institution erblicke, die wie keine andere, sich einer Organisation rühmen darf, welche geeignet ist, eine Idee auf schnellem und sicherem Wege innerhalb der Judeuheit zu verbreiten und populär zu macheu Nun noch einige Worte, in denenich kurz skizziren möchte, wie man sich die Begründung' des allgemeinen Archivs der deutschen Juden zu denken und was man darunter zu verstehen hat, wie auch auseinandersetzen möchte, dass die Verwirklichung des angeregten Planes wohl auf Schwierigkeiten stössen könnte, aber doch durchführbar ist. Der Sinn für Archivalien ist |den Juden nicht immer abgegangen und haben Öffentliche Archive bei den. .luden älterer Zeit existirt. Jeremias erzählt uns im Kapitel 82 ausführlich, wie Besitzurkunden ausgestellt und besiegelt zu werden pflegten, wie man, um sie für „viele Tage' zu erhalten, dieselben in. besonderen thönerüen Gelassen aufbewahrte. Unter den hohen Beamten König Davids befand sich der , Mashir1', dem ungefähr die Rolle unseres heutigeu Archivars zufiel. Josephns lähmte sich, er habe seinem Stammbaum £v z<v.- Sr^oseae; oi'/.tv.; iu den öftentliehen Verhältnissen, also in dem öffentlichen Archiv gefunden Audi Nehemias ei wähnt ein ,,Sefer-hajachasi:, ein Gefchlechtsverzeichuiss mit Eintragungen von Stammbäumen derjenigen Juden, die mit Zorobabel aus Babylon zurück nacli Judäa einwanderten. Denjenigen Priestern, deren Geschlechtsregister nicht aufzufinden waren, wurde ihre priesterliche Würde entzogen. Warum sollte dann bei den Juden von heute sich tler archivalische Sinn, wenn ich so sagen soll, nicht wecken lassen? Wir haben allerdings heutzutage keine Abmachungen über Krieg und Frieden, wie zu .den biblischen Zeiten, auch Gott sei Dank keioe besonderen königlichen oder sonstigen Privilegien, keine Schutzbriefe aufzubewahren wie im Mittelalter, aber die Verwaltungen unseres Gemeiudewesens, unserer grösseren Korporationen, wie der Beerdigungsinstitute, unserer grosseu Stiftungen und Vereine zeitigt eine Menge handschriftlichen Materials, das einer Aufbewahrung, einer sachgemäßen Ordnung bedarf, damit es für die Zukunft nicht verloren gehe. In den Versammlungen von Rabbinerverbänden, des Gemeindebundes u. s. w wird manches zu Protokoll gebracht, das auf den Wanderungen von einem Schriftführer zum andern unweigerlich im Laufe der Zeit verloren gehen wird, das aber im Stande wäre, in der Zukunft manchen dokumentarischen Aufschluss über unsere heutigen inneren Verhältnisse zu geben. Dazu kommt noch, dass auch aus' älterer Zeit hie und da noch ein Schriftstück sich vorfinden mag,..■ welchesj auf die Vergangenheit ein interessantes .Streifliclrt. w-uff, über die Abstammung einer bedeirendeu Persönlichkeit Aufschluss giebt oder, gar im Stande fet, in einem Prozes* ausschlaggebend nach der einen oder anderen Seite. ..hin .zu wirken. Auch diese spärlichen l'eberie>te werdfeiT wie .alles andere bald verschwunden sein, wenn sie; nichtbald gesammelt und an sicherer Stelle untergebracht . werden. * Aus diesen Erw ähnungen heraus mache ich nun den Vorschlag, an einem dazu geeigneten <>rte Deutschland- .'Berlin,' .Breslau oder Frankfurt a. M., eine Centrale zu gründen, wohin eiue jede Gemeinde, eine jede jüdische Institution.-ihre älteren Akten, die für die Verwaltung 'nichtmehr; yöa Belang sind, zur weiteren Autbewahrung- und Nutzbarmachung für geschichtliche und andere Forschungen abgelten kann. Diejenigen Gemeinden oder Körperschaften,-welche auf das Eigenthumsrecht an ihren Arcliivalien nicht Verzichten, wollen sich dasselbe wahren uod das Aktenmaterrar nur als Depositum abgeben : diejenigen Gemeinden und Kinperschaften endlich, welche glauben für sachgemäße XütbeWahi ung und Ordnung ihrer Archivalien selbst sofgeu zu können -- bis jetzt kann keine Gemeinde, meines Wissens, dies >*ou sich mit-Recht behaupten — mögen dieselbeu-b'ei sich behalten und an die geplante Centrale nur ein \Ye4zeichniss der Akten und Schriftstücke von , wichtigeie)i Sachen, eventuell Abschuften abschicken; damit man endlich erfährt; was au archivalischVin Material bei den Juden voriiaitdeu.-.ist./ Auch in den Händen von Privaten wird sich manches .Schriftstück, manch interessante Korrespondenz finde»,, die' einer Aufbewahrung in der geplanten Centrale;- dem alfgeraeiueii Archiv der deutsehen Juden, würdig ist Ueber weitere Aufgaben des allgemeinen Archivs wie Sammeln von- AWliriftetr und Verzeichnissen ■ . * --. . £* * r~ vonsolchen Akten, die in"'! Staats:, Stadt- und Geriehtsarehiven verstreut sind und-voü dort originaliternicht zu erlangen sein werden, will ich' mich hier -nicht auslassen Uie Kosten, welche die Begründung und Erhaltung eii^es solchen Archivs verursachen ■ wlirdeh, sind, im Vergleich mit der hohen Bedeutung und dem Nützen desselben kaum nennenswert und können,-da sie auf die einzelnen beteiligten Gemeinden verteilt werden, kaum in Betracht kommen. Für den Anfang würde es genugel).'" wenn eine Gemeinde zur Aufbewahrung der Arcliivalien nur . einen Saal in ihrem Gemeindehause hergeben würde/ Mit dem Anwachsen, des Materials und der Erkenutniss der Nützlichkeit einer solchen Institution würden aucludie verfügbaren Mittel, dank der Opferfreudigkeit Einzelner oder ganzer Gemeinden wachsen. -• «-'• **: * - *' ' *- ■ " Wer an die Möglichkeit des Zustandekommens eiuessolchen Centraiarchivs für die Juilensehaft Deutschlands zweifelt, dem köante man die Geschichtetes „Prager Archivs des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen" vorhalten Mit 250 Nummern wurde das Archiv, im Jahre ,1^-il von dem genaunten Verein angelegt,. 1875 war es schon auf 4247 Originalurkunden, 5^7 R'egesten und 124 Fascikel gestiegen. Der Verein rettete unter anderem das Archiv der Stadt Budweis, das als Makulatur verkauft wurde, und besitzt auch zahlreiclie I i künden zur Geschichte 'der Prager (udemchaft. Seit11875 bis jetzt hat sich der Bestand des Archivs vervielfacht und hat. durch seine- Benutzer bedeutende wissenschaftliche Arbeiten gezeitigt. Als Beamte be-!'■'.[ - "':'.*•:•• . ,. *'.'"->*. f ' ' ' '-■ '; '~ >. .. „ V-.. _ ■' V ■ .' . ' -j

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