Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1903-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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>') — 2. die endgültige Entscheidung über die Zweitheilung der Nebeugesetze der Rheinland-Loge zu vei tagen; 3. den auderen Logen, die, eine Einttagupg in das Vereiusre'gistrr nicht erstreben, .eine Zweithei lang ihrer Nebengesetze indessen schon vorgenommen haben," diese zu genehmigen, unter der Bedingung, da*s das ganz* Gesetz in einem Band hergestellt, und der 2. Theil statt mit ..Aus führungshtstimmungen" mit ,.N a c h t-r a g z u d <i n. Satz ungen" überschriebMi werde. Auf die Aufgang"der Les.-ing-I.oge, die Enichtung eines allgemeinen Aiehives der Joden Deutschla ids seitens der Gros.-logen anzuziehen, soll zurückgekommen | weiden sobalil der diesl »-züglkhe Aitikel des Br. Dr Zirier in den MöiiatsbeiiiIlten veiöftentlicht sein wird. Seitens .einer Lfge wird die Gröjsloge eiMiclt, ihr die unbeschränkte Aufnahme von JTitgliedem an einem Platze "zu gewähren, derj-iuigen Na hbat logen gleich weit entf"tnt liegt: roa einer Beschlussfassnng hierüber wirji indessen abge.-ehen. nachdem die hauptsächlich in Frage Loge .-ich hierzu sehr entgegenkommend geäussert Vi>n einer audeien Luge wird um Dfcpens filr die Auf najTu.teines Kandidaten, uachgt.-uehf, der seinen Wohnsitz in dem Ravon einer anderen Luge hat. Diese andere Loge hat sich in einem motivhten Gutachten aut das Ent gegen die -Erteilung des nachgesuchten." Dispenses erklärt; derselbe wird abgelehnt. * * Der Piäfident macht noch Mittheilurg davoB M-inem Bedauern die eingeleitete Propaganda ■ zwecks Errichtung Ton Logen in Glogau, Stolp-' und Bremberg zu keinem Ei folg geführt hat. worauf die Sitzung um ■Uhr Nachmittags geschlossen1 wird. kommende hat. dass zu Ein allgemeines Archiv der Juden Deutsehlands. (V Ii [tr. I.'. Z i v i c r. f'iiritlicti PiessVclfCn Arcjiivar, Ltrc^liiu.j Wer als' Forscher jüdischer Geschichte den inneren Verhältnissen der Juden während der letzten Jahrhunderte >^ine Aufmerksamkeit zuwenden will, wer als Jurist gezwungen ist, sei es in Erl)- oder anderen Streitigkeiten, über Vei waudtschatWerhältni.->e, über einzelne Personen cder ganze Familien glaubwürdige Auskunft zu ei laugen, wer . einfach aus einer nicht zu verachtenden Neugier oder aus Familienstolz bemüht ist, einen eigenen oder einen fremden Stammbaum auch nur e i n* Jahrhundert hinauf zu verfolgen, dem wird es bekannt sein, mit welchen Schwierigkeiten man auf diesem Gebiete zu kämpfen hat und wie die meisten noch so mühevollen Forschungen mit gar keinem öder einem negativen Erfolge abschließen. Gezwungen, den schweren Kampf mit der Gegenwart zu führen, besorgt um seine unsichere Zukunft hat der Jude immer mehr das Interesse für die Vergangenheit und ihre Denkmäler verloren. Was nutzte es viel, von Königen und Fürsten ertheilte Privilegien ..Suchijos" nannten sie die Juden — in feuerfesten Schreinen aufzubewahren, wenn die erkauften und verbrieften Rechte durch einen neuen Federstrich so leicht wieder aufgehoben werden konnter. und mau dem „ungläubigen" Juden gegenüber sich auch moralisch nicht für verpflichtet hielt, das zu halten, was man ihm durch Brief und Siegel versichert hatte? Nur die Schuldverschreibung, der W echsel waid für wichtig genug erachtet, um aufbewahrt zu werden, bis er bezahlt oder entgültig abgeleugnet wurde. Als die Judeu in der Neuzeit wieder frei geworden und sich auch zu besseren Positionen' emporgearbeitet hatten, war ein Ahnenstolz bei ihnen nicht zu finden, an die uneHjuickliche Vergangenheit wollte man nicht erinnert werden und gern Hess man den Vorhang fallen und sich immer mehr verdichten, der die bässliche Vergangenheit von der besser erhofften «Zukunft schied. Die durch die Umgebung Jahrhunderte lang den Juden* suggerirte Nichtachtung ihres Stammes hat sich - Wie nicht zu verwundern, jedoch sehr zu beklagen ist — in der That den Juden selbst eingeimpft und bei ihnen das Interesse für die inneren eigenen Verhältnisse, ihr spezit'isches Selbst getötet. So ist es gekommen, dass die Juden nichts von dem aufbewahrt haben, was an schriftlichen Dokumenten ihres aktiven und passiven Seins im Laufe der Zeiten entbanden ist; daium ist bis auf den heutigen Tag bei ihnen uoch nicht die Erkenntniss erwacht, dass sie Sorge tragen müssen, dass dasjenige, was in Gemeinden, grösseren Korporationen und Gesellschaften zu schiiftlichem Niederschlage kommt, für die Zukuuft mit giösserer Sorgfalt aufhewahtt wird, als dies in den vergangenen Zeiten der Fall war, und so die zukünftigen Geschichtsforscher unsereu Zeiten gegenüber in eine günstigere Position gestellt werden, als wir es iu Bezug auf die Vergangenheit sind. . Dieses den Juden augenblicklich uoch fehlende Bewusstsein der Veiantwortung für die Rettuug und Sammlnng alles dessen zu wecken, was trotz der Ungunst der Verhältnisse an spärlichen Ueberresten von schriftlichen Dokumenten aus älterer Zeit sich uoch auffinden lässt und besonders lür die sachgemässe Aufbewahrung desjenigen, was die Verwaltung von Gemeinden, einzelnen Verbänden, Koiporationen, Stiftungen und Gesellschaften an wichtigen schriftlichen Aufzeichnungen hervorbringt, mit anderen Worten, die Begründung eines allgemeinen Archivs der deutscheu Juden herbeizuführen, ist eine Aufgabe, die ich mir gestellt und zu deren Verwirklichung ich; den ersteh Schritt gethan habe, als icli die würdige Lessingloge in Breslau für meinen Plan zu interessiren versuchte. Ich erbitte und erhoffe nun von der würdigeu LessiDgloge. da>s sie die Verfolgung der von mir angeregten Angelegenheit der würdigeu Grossloge weiterlebe. Diese letztere ersuche ich, der Anregung sich nicht zu eutziehmi, vielmehr" in dein Ahstoss zur Begründung eines allgemeinen Archivs der deutschen Juden eine den hohen Zielen der Buei - Briss - Logen entsprechende und der Grossloge würdige Aufgabe zu erblicken, dieses mein kurzes Referat unter den Veröffentlichungen der Grossloge zu publi-' ciren und eventuell sämmtliche Tochterlogen auf den angeregten Plan besonders aufmerksam zu machen. Einen weiteren bedeutsamen Schritt zur Verwirklichung des angedeuteten Unternehmens würde es ausmachen, wenn die Grossloge die angeregte Angelegenheit dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund als demjenigen Institut, bei welchem das grösste