Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1903-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4864325-6028961-6074072--0512-4864687- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
u — weitet« Folge gegeben, nachdem der Deutsch-Israelitische Gemeindebund auf eine diesbezügliche Frage erklärt hat, dass; er diese Angelegenheit in die Hand genommen, und alle Vorbereitungen'in die Wege geleitet habe, ■ - ~ ^^T^" - ' * < Für eine Loge in Heilbronn, von wo eine Petition mit 51 ruterschriften vorliegt, wird der Freibrief bewilligt. Es gelangt alsdann die Atsfühiung des von der Grossloge angenommenen Antrages des Hr. Plolke zur Verhandlung; derselbe lautet: .,Die Grossloge wolle — in Verbindung mit anderen £ Deutsch-Israelitischen Verbänden tider. wenn dies nicht angängig ist. allein — dem sittlichen, sozialen und B i 1 d u n g s z ü~s t a n d der Glaubensgenossen iu kleinen Gemeinden die erforderliche Fftps'o r g e z'awenden und die hierfür nöthigen Schritte alsbald einleiten. Hierzu äusseA sich Kr. Dr. Maretzki unter Hinweis auf die in früheren Monatsberu Ilten veröffentlichten Refera'e. und auf seinen Artikel „Unsere Aufgaben." Br. Plotke habe nun, nachdem festgestellt worden, dass schon allein die erforderlichen Erhebungen unsere Kiäfte weit übersteigen, seinen Antrag dahin eingeschränkt. dass zunächst unsere Fürsorge Hessen zugewendet werden soll. Br, Dit Maretzki ist der Autiassung, dass diesem Autrage stattgegeben werden sollte, allerdings unter der Voraussetzung, dass die Arbeit iu Hessen nur den ersten Schritt darsteilen solle: wenn dort ifnsere Bestrebungen Erfolg haben würden, müssen sich dieselben auch auf alle anderen Theile des Reiches erstrecken. Redner geht dann auf die Bedenken ein, die gegen dieses Vorhaben geäussert worden, und sucht dieselbe^ zu entkräftigen. Hauptsächlich werde eingewendet, dass, wenn die Erhebungen schon soviel kosten, zur Bekämpfung der eigentlichen X tb kein Geld vorhanden sein dürfte. Demgegenüber betont er, dass es in erster Reihe erforderlich sei, durch Erhebungen festzustellen", wo helfend einzugreiten sei; gegenwärtig wisse das niemand anzugeben. Das pUnlose Vorgehen bewirke eine. Zersplitterung der Kräfte. Wenn man in Hessen die (irundlage für unsere Wirksamkeit festgestellt habe, was einen Zeitraum vo:i mehrereu Monaten in Ansprach nehmen dürfte, dinn. sei wohl die Betheiliguhg auch anderer Verbände an dem Hilfswelk zu erwarten. Zunächst handele es sich also um die anzustellenden Erhebungen iu Hessen, wofür etwa Mk. 2000 erforderlich sein düiften, und diese zu leisten, sei die Grossloge wohl in der Lage. Hierzu erscheine die Grossloge auch verpflichtet zur Wahrung des Ansehens des Ordens, der nun bald das ganze Deutschland umfasse. Wir seien verptiichtet, um unser Preslige zu erhalten. Zukuuftsideen aufzunehmen und durchzuführen; bei allen jüdischen Angelegenheiten 6ollte der Orden als Pfadfinder dienen. Gewiss sei die gestellte Aufgabe eine schwierige, das könne uus aber nicht abhalten, zunächst das grundlegende Material zur Besserung der'Verhältnisse unserer Glaubensgenossen zu beschatten. Br. Dr. Maretzki geht dann auf Detailfragen ein, die. sich auf die herzustellenden Fragebogen und die Erlangung einer genauen Uebersicht' der Verhältnisse beziehen. Br. Dr. Maretzki schliesst seine Ausführungen mit einem warmen Appell, mit vollem Heizen an die uus gestellte Aufgabe heranzugehen, .und seinen Autrag einstimmig anzunehmen, der dahin geht : Im Einverständniss mit dem Vorschlage des Hr. Plotke wolle die Grossh.ge die Enquetisierung des Giossheizogthuius Hessen auf eigene Kosten in Angriff nehmen. Iu der tehr ausführlichen Debatte, die sich hieran knüpft, werden mannigfache Bedenken geäussert, so z. B. dass das, was Dr •Maretzki plane, viel zu gross angelegt sei, speziell sein Fragebogen, der weit über 100 Fragen enthalte, dürfte kaum die gewünschte Beantwortung finden, und dann würde das Material zur Lernt heilung der Verhältnisse in Hessen unzuverlässig sein; deshalb sollte der Fragebogen nur einzelue Gebiete umfassen. Daiiiber, welche Gebiete ins Auge zu fassen seien, gehen die Meinungen auseinander. Es wird, ferner betont, dass die Verhältnisse in Hessen ganz audere stien, als etwa im Oiten des Reiches, das in Hessen gewonnene Material sei deshalb zur Beurtheilung der Läge unserer Glaubensgenossen inl anderen Provinzen nicht" verwendbar; es solle das Geld, das die Erhebungen kosten, lieber zur Abstellung der Not selbst verwendet werden, die Verhältnisse in Hessen könnten die dortigen und benachbarten Logen auch ohne unsere kostspieligen Erhebungen feststellen. Schliesslich.wird der Antrag Mäietzki mit 10 Stimmen angenommen. Zur weiteren nehandlung der Angelegenheit wild ein ('omite zu bilden beschlossen, als Mitglieder desselben werden die Moses-Maunheim bestimmt, die Frage, ob für die feste Normen aufzustellen Er stellt Brüder Dr. Maretzki. Plotke, Dr. Br. Joachim referirt über Wohlthätigkeit der Grossloge seien, und gelangt dazu, diesja Frage zu bejahen, folgende Leitsätze auf: I. Die Erfüllung der Orjdensaufgabeu obliegt den einzelnen Logen; die Gpossloge ist nur die Vertreterin der Interesseu der Gesammtheit; als solcher gebührt ihr 1. die Aufsicht darüber, dass die Interessen der Gesammtheit von den! Logen nicht verletzt werden, 2. eine unmittelbare 'l'hätigkeit, soweit sie von der Gesammtheit wahrzunehmeu ist. * II. Daraus folgt, dass dty Geldmittel der Grossloge nur zu verwenden sind: ' . fl 1 ' 1. für die beaufsichtigende Tliätigkeit, d. h. die Verwaltung, . 2. für eine Tliätigkeit, die ausschliesslich von der Gesammtheit wahrzunehmen ist, uud von den einzelnen Logen Weiden kann. als solchen nicht wahrgenommen III Uatecstütznngen sollen daher aus Grosslogenmittelu nur insoweit bewilligt werden, als die zu fördernden Interessen, Interessen der Gesammtheit sind; daher sind PersorTalunterstützuugeu nur ausnahmsweise, wenn - \ sie Gesammtinteressen berühren, zu bewilligen. . .' ■ —*=*■ | 'Der Referent giebt Beispiele zu seinen Leitsätzen, und führt dabei aus, wie früher sthr selten, fasst niemals, Einzelpersonen von der Grossloge uiterstützt worden seien, gegenwärtig aber im geschäftstührenden Ausschuss eine andere Praxis Platz gegriffen habe, die Redner nicht billigen könne. Die Grossloge habe nur da mit ihren Mitteln einzutreten, wo ein Interesse der Gesammtheit in Frage komme; bisher habe die gesetzliche Bestimmung der Grosslogenfonds auch immer diesen Grundsätzen entsprochen.