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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1903-02-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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— 23 I Rheinland-Loge In Kölo. Wir berichtet) über das erste Jahr unserer Wirksamkeit im eigeueu Logen hause. Das Fest der Einweihung ist in diesen Blättern seinerzeit ausführlich geschildert worden; wir dürfen heute sagen, dass sich die Hoffnungen auf vorteilhafte Wirkung des schönen Heims erfüllt haben. Die Zahl der Brüder ist um etwa 30 gestiegen und die Durchschnittszahl der Anwesenden hat sich auf 65 erhöht, Es ist dies noch nicht das wünschenswerte Mäass bei eiuer Mitgliederzahl von bald 250, dennoch dürfen wir nicht allzu unzufrieden sein, wknn wir die Grösse der Stadt, die Mannigfaltigkeit der Abhaltungen und die häufige geschäftliche Abwesenheit unserer Brüder in Betracht ziehen. Eine Hebung des Besuches suchen wir durch möglichste Belebung der Sitzungen herbeizuführen. Einen grossen Teil der Zeit nahm uns> aufaugs leider die Beratung der neuen Satzungen fort, von deUj wir hoffen, dass sie binnen Kurzem genehmigt sein Werden. Doch gab es auch bei dieser an, sich trockenen Arbeit mehrmals Gelegenheit, über sehr wichtige und tiefgehende Fragen des Logenlebens anregende Erörterungen zu hören. Eine sehr praktische Frage, die eingehendere Behandlung verlangte, war die Entscheidung, ob man die Loge zum Vereinsregister anmelden solle oder nicht. Die Fassung des Paragraphen, welcher politische und religiöse Streitfragen ausschliesst, sowie insbesondere - der Umfang dieses Verbotes, führte mehrere Anträge und lebhaften Meinungsaustausch herbei. Das Verlangen, unsefn bisher bestehenden, einheitlichen Ausschuss für geistige und soziale Interessen in einen solchen für geistige und einen Andern für soziale Angelegenheiten zu trennen, gab Gelegenheit über beide Bestrebungen der Loge manchen beachtenswerten Wunsch und manche noch beachtenswertere Kritik zu hören. Die satzungsmässige Bestimmung des Zweckes der Loge führte tief in die Grundfragen der Ordeusthätigkeit hinein. Nach Beseitigung der Statuteudebatten hat uns noch eine weitere rein praktische Frage viel Mühe und Zeitverlust gebracht, die Frage der Einrichtung der Oekouomie, doch dürfen wir nach den bisher gemachtem Erfahrungen uns der Hoffnung hingeben, das Richtige getroffen zu haben. Geistige Anregung und Stoff zu Erörterungen verschafften wir in erster Linie durch regelmässige, mindestens alle 14 Tage stattfindende kleine Vorträge von Brüdern, die höchstens 20 bis 25 Minuten (lauern oder doch „dauern sollen, und Themata der verschiedensten Art behandeln. Wir führen z. B. an: Hülfe zur Selbsthülfe, Harnacks Wesen des Christentums, Isaac Abarbaruel, Unpolitische Logenpolitik, Rudolf Virchow, Jüdische Alteitümer in Worms, Auswanderung und Rückwanderung, zur Bekämpfung des Wanderbettelns, die Bekämpfung des Mädchenhandels, Chinesische Juden, die Technik im Dienste der Grosstadt, u. s. w. An Abenden, an denen kein Vortrag angezeigt ist, und der Stoff nicht reichlich vorliegt, werden seit einiger Zeit kurze,' etwa 10 Minuten dauernde Berichte über Erscheinungen nächster Zeit in Büchern, Broschüren und Zeitschriften erstattet, die anspruchslos gehalten sind, und hauptsächlich zur Informierung der Brüder und zu Ausgangspunkten für Meinungsaustausch dienen. Gegenstand derartiger Berichte bildeten z. B. der Aufsatz des Bruders Dr. Maretzki über unsere nächsten Aufgaben; die Flugschrift des Dr. Heinrich Mayer-Cohn gegen Cbamberlain, der Aufsatz Sombarts in der Zeitschrift Deutschland über jüdische Gediegenen Stoff zu vielfacher Belehrung und lebhafter Debatte boten uns ferner die Grossloge, insbesondere über uud der Bodenkultur,' ferner wir dem Hiltsvereiu wandten, ferner der Besuch Rasseneigentümlichkeit u s. w. Berichte .über die Sitzung der die Frage der Jubjläumsstiftung die' Referate unserer Delegirten zum 'Nord-Westdeutscheu und- Süddeutschen Logentag, sowie die regelmässigen Mitteilungen aus -.den Sitzungen des ge- 'schäftsführenden Ausschüsse! und des Geneialkomitcs. Anregungen ganz; besonderer Art Verschafften uns der Besuch unseres hochwürdigen Grosspiäsidentej^ bei Gelegenheit dessendeutsQher Juden unser Interesse zu- .des Bruder« Gotthelf aus Hamburg, der uns für das...-Kiiderhpspiz in Cuxbafen gewann und endlich der Besuch des Bruders Braunstein aus Bukarest, der unsere durch praktische E rfahrung mit den Auswanderern - leider schon allzu grosse Kenntnis der Leiden unserer .rumänischen Glaubensgenossen bedeutend erweiterte und vertiefte. Unsere praktische Tätigkeit bewegte sich im Berichts- . jähre in den alten uns von Br. Dr. Auerbach längst gewiesenen Bahnen. Nach schta vor mehreren Jahren, gefassten Beschlüssen schränkten Wir die reine Ausübung von Mildtätigkeit auf ein Mimlestmäiiss ein^ indem wir diese Aufgabe den zahlreichen Wohltätigkeitsvereirferi unserer Stadt über- ■ Hessen. Wir griffen nur dann ein,' wenn durch die Unterstützung eine, dauernde 0 resundung* wirtschaftlicher und sozialer Verhältnisse vorauszi sehen war,- die einenteils grössere Mittel und aiilemteils Beaufsichtigung durch geeignete, besondere Kräfte erforderte. . Von diesem Gesichtspunkte aus unterstützen wir hauptsächlich aufstrebende Talente jeglichen Berufs, Studenten,' T< chfliker, Musikschüler, Künstler und in erster Libie Handwerker. Die Geldgewährungen an Vereine und Stiftungen regelten wir unter Berücksichtigung der Fiage, wie sich deren Zwecke in Theorie und Praxis zu unsern Grundsätzen verhalte, und zwar sowohl zu den allgemeinen Grundsätzen 'deis Ordens, wie zu den besonderen unserer Wohltätigk iitspflege. * Von neuen Aufgaben,'.itje. wir uns für die nächste Zeit gestellt haben, sollen hier diu Errichtung von Jngendvereiuen von Knaben und Mädchen ind die Anregung voH'Toynbeehalls genannt werden.. Den Hauptwert unserer sozialen Bestrebungen finden wir* bisher darin, dass durch die regelmässige, von den verschieden steh Gesichtspunkten aus wiederholte Einprägung der*äls rief] tig erkannten Grundsätze, durch die sich fast au jedem Sitzt ügsabend darbietende Gelegenheit ihrer praktischen Anwendung und durch die damit verbundene sehr energische Bekämpfung der falschen, bequemen Art sog. „altjüdischer' ÄVj>]il.thäifjgkeifsptlege. alle unsere Brüder, fast ohne dass es* dem'Einzelnen zum Bewusstsein kQmmt, von den Gedanken w shöiaft sozialer Tätigkeit durchdrungen werden und dass unsere Tätigkeit für das Allgemeine infolge der in der Loge ms -heimisch gewordenen Atmosphäre auch ausserhalb der Löge nicht anders als nach richtigen Grundsätzen ausgeübt werden kann. Wir können mit Genugtuung feststellen'% das in allen. Zweigen öffentlicher Tätigkeit in der jüdischen Gemeinde unsere Brüder regsten und wohl ausschlaggebenden Anteil nehmen. Es wird dadurch ohne unser Zuthun eine Propaganda wirksamster Art ■: für die Rheinlamlloge und den ganzen Qrden ausgeübt. Eiuer besonderen Erwähnung verdient in diesem Berichte die Logenbibliothek. Der hewlihrteLeiter derselben Brv.

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