Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1903-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Br.'Dr Julius Blau gelegentlich der Einweihung unseres Logenheims am l4. September I902 über .,.Jüdisches GemeinscVaftsbewusstsein". Br. Bernhard Rosenthal über „Die soziale Umbildung der Juden zum Handelsvolk, ein historischer Ruckblick". Br. Dr. Walter Laqueur über „Klima, Kultur und Krankheit'. Br. Dr. A. Stern über .,Chirurgie im Talmud". Bei aufgehobener Loge in Gegenwart unserer Damen sprachen: . | Br. Dr. Benario über ..Körper und Seele des Verbrechers". Br. Direktor Dr. Adler über „Erziehungsfrägen". Ausserdem erfreute uns Herr Professor Dr. Lertmann aus Heidelberg nach Schluss einer Logensitzung durch einen Vortrag, welcher das Thema behandelte : ..Juden und Judentum vor lCO Jahrerr". Von Referaten hörten wir : Br. Julius Plotke über ,,Die Aufgaben der Deutsch Jüdischen Verbände". Br. Dr. Heinemann über ..Die Förderung' jüdischer Volksbibliotheken auf dem Lande". Br. Max Adler über ..Der süddeutsche Logentag in Mannheim". \ Br. Bernhard Romenthal über „Die Jung-Jüdische Bewegung". Br. Wolfgang Auerbach über „Reiseeindrücke aus GalLzien und Russland-'. Br. Leo Isaak über „Die Grosslogen .- Tagung am 4. Mai 1902". Br. Ludwig Pfungst über „Ein Besuch in der Erziehungsanstalt Ahlem". - ' Schon seit vielen Jahren hatten wir die Absicht, den Kindern unserer Brüder gemeinschaftlich mit Kindern bedürftiger Glaubensgenossen auf Chanuka eine Festfeier zu veranstalten. Dies scheiterte jedoch immer an unseren unzulänglichen Logenräumen. — Nunmehr konnten wir diesmal ein solches Fest arrangieren, an welchem 339 Kinder darunter i03 Kinder armer Eltern und ausserdem 289 erwachsene Personen teilnahmen. Das* Fest verlief in schönster und harmonischster Weise. Die Kinder wurden mit Chokolade und Kuchen bewirtet. Hierauf folgte "Gesang, eine Ansprache des Br. Rabbiners Dr. Seeligmann und das Entzünden des Chanukalichtes durch den Sohn eines Bruders. — Ein Märchenspiel mit Tanzeinlagen, von Kindern zur Darstellung gebracht, sowie die Verteilung eines kleinen Andenkens beschloss das. Fest. L Wenn ich nun alle diese Leistungen zusammenfasse, so darf ich, zu unserer aller Freude, feststellen, dass wir uns wahrhaft bemühten, im Sinne unseres geliebten Ordens zu wirken und zu streben, und dass wir auch einige Erfolge zu verzeichnen haben. Ich, gebe mich der sicheren Hoffnung hin, dass auch in Zukunft dieselbe ideale Gesinnung, die stete Schaffensfreudigkeit und der gleich starke Geist der Bruderliebe in unserer Loge obwalten möge. ' Unseren würdigen Ex-Präsidenten, den Beamten utid den lieben Brüdern, die für unsere Bestrebungen gewirkt und gearbeitet haben, ihnen allen sage ich am Schlüsse meines Berichts namens unserer Loge herzlichsten, innigsten Dar.k. Möge es uns allen vergönnt'sein, noch lange Jahre mitzuarbeiten an den grossen erhabenen Aufgaben, die sich der unabhängige Orden. Bnei-Briss gestellt hat. Möge es uns auch für die Folge gelingen, eine erspriessliche Tcätigkeit zu entfalten, Gutes und Edles zu schaffen und zu fördern zum Segen für unsere Loge und zum Segen lür den geliebten Orden!; 1 Hieran schloss sich die Festrede des Bruder Dr. Isaac Heinemann über das •Thema: .,die ersten Vertreter des Monotheismus im alten Griechenland," die mit begeistertem Beifall aufgenommen wurde. — Mit Rücksicht darauf, dass in einigen VVochen hier eine grössere Logenfeier geplant ist, wurde unser diesjähriges Stiftungsfest in engstem Kreise abgehalten und waren lediglich einige Nachbarlogen zu Gaste geladen. Nachdem die Vertreter der, hochwürdigen Grosstoge, sowie die Delegirten der auswärtigen Logen ihre Glückwünsche dargebracht hatten, folgte ein kurzer Bericht unseres Hausverwaltungs-Ausschusses durch dessen Obmann, Br;. Raphael'Kirchheim, der die günstige Gestaltung der durch unseren* Neubau gegebenen Verhältnisse darlegte, und wurde dann die Festloge geschlossen ..,'•'•'••■ 1/ . Es erübrigt noch auf das Interesse hinzuweisen, das der in. vorstehendem Bericht erwähnte Vortrag des Br. Bernhard Rosenthal „die sociale rmbildung der Juden zum Handels- Volk, ein historischer Rückblick' in unserer Loge erweckte, das sich in längeren anregenden Debatten äusserte. Der Vortragende, auf die jüdische Urgeschiclrte zurückggehend, führt aus, wie aus dem ursprünglichen Nomadenleben sich allmählich der Ackerbau entwickelte, hierbei durph Besitzverschiebungen die Gliederung in drei Schichten eintrat, bis schliesslich, trotz der Agrargesetze, die Häufung der Ländereien in den Händen einer bevorzugten Minderheit schon in frühester Zeit Juden zur Auswanderung zwang. Wir rinden denn auch Juden sehr früh in den vorchristlichen Jahrhunderten, in den Colonien der alten Welt, wo sie si,ch als Fremde nothgedrungen dem Handel widmen mussten; als später die- Stürme der Völkerwanderung vorüberrauschten, gehen diese jüdischen Kaufleute aus den Chaos gestärkt hervor und bald sind die Juden das Spezialvolk des Handels. Redner et blickt einen der Hauptgründe der Dominirung des Handels der damaligen Juden in der einigenden Sprache, die von ihnen in der ganzen Diaspora verstanden wurde, und sie befähigte die Bande des Verkehrs a'leuthalben fester zu knüpfen; auch .des günstigen Einflusses der Einfühlung der arabischen Zifleru durch die Juden wird gedacht, bis schliesslich die immer mehr sich häufenden Verfolgungen im Mittelalter den jüdischen Handel auf das Privilegium odiosum des Verleihgeschäfts hinabdrückte. Die Ausführungen gipfeln darin, dass es weder Anlage noch Neigung, sondern die zwingende Notwendigkeit war, die den Juden in früherer Zeit auf den Handel allein anwies, indem jetzt, unter einem günstigeren Geschicke, die Juden sich allen Berufen erfolgreich zuwenden und in Kunst, Industrie und Wissenschaft den Wettlauf mit den Angehörigen anderer Religionen nicht zu scheuen brauchen.