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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1903-02-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Für 'unsere Betrachtung ist es vollständig belanglos, auf welchem Standpunkte man sich dieser Frage gegenüberstellen mag. Auch darauf kommt es nicht einmal an, ob die sogenanute Judenfrage Kernpunkt oder Begleiterscheinung oder gar nur Deckmantel für die zwei einander bekämpfenden Strömungen in der deutschen Maurerei bildet.' Wie immer man sich zu der Frage stellen mag, dass ist nicht zu bestreiten, dass heute zweifellos der grösste Teil der Mitglieder der Bnei Brith, und mögen 6ie nach Lebensführung, Bildung und Stellung noch, so berufen sein, in unsere Kette zu fieten, und mögen sie noch so sehr danach streben, dieses Ziel niemals erreichen könnten'. Man mag diese Thatsache, wie gesagt .loben oder beklagen, zu bestreiten ist sie nicht? Ist dem aber so, dann verstellt es. sich wiederum von selbst, dass die Konsequenz dieser Erkenntnis keine andere sein kann, als die, dass wir jeuen Leuten, falls sie sich be streben, die Ideen zu verwirklichen, welche seit Jahrhunderten auf unsere Fahne geschrieben sind, nur mit vollster S\ nipatie gegenüberstehen können. Es wäre ja der Gipfel der Ungerechtigkeit und zugleich auch der Unklugheit, zu sagen, wir; erkennen als vollauf gerechtfertigt das Streben jener Leute au, welches ja dem unsrigeu nahezu in alleu Punkten gleich ist, wir lehnm es aber, ohne einen sachlichen Grund angeben zu können, ab denselben in diesen Bestrebungen hilfreich zur Seite zustehen Es kann sich also wiederum nur fragen, ob diese Annahme der vollständigen oder nahezu vollständigen Gleichheit sich rechtfertigen lässt? Wenn die verschiedeneu Programmschriften. dei Buei Brith, welche sich mit der Darstellung der Zwecke und Ziele des Ordens und mit der Schilderung der bisher ausserhalb und innerhalb Deutschlands vollzogenen Entwickelung desselben befassen, nicht samt und sonders auf Heuchelei beruhen, so ist zweifellos die Frage zu bejahen. Dass die Schriften auf Täuschung beruhen oder solche bezwecken, scheint schon nach den wohl bekannten, teilweise hochangesehenen Namen ihrer vielfach in öffentlicher Stellung befindlichen Verfasser geradezu ausgeschlossen, umsomehr, als bei dem schon durch die Iteligions- und Stammesfrage von selbst gegebenen, verhältnismässig efigeu Kreise der Zugehörigen auf die Dauer eine derartige Täuschung von seiten der Leituug gegenüber den Mitgliedern oder gar seitens der Gesamtheit der Mitglieder unmöglich aufrecht zu erhalten wäre. Iu Ameiika besteht der Orden seit dem 18. Oktober 1848, auch bei uus seit mehr als 20 Jahren, ein Zeitrauin. lange genug, um die Durchführung eines Blendwerk-; unmöglich erscheinen zu lassen. Kann man sich demnach auf diese Schriften verlassen, so muss man sagen, dass der Oeist, der aus ihnen spricht, in der That der -höchsten Achtung und Sympathie wert ist. Sie bezeichnen als Prinzipien ihres Bundes Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht; und als Aufgabe desselben die Vereinigung der Israeliten zur Förderung der höchsten geistigen und ethischen Güter der Menschheit; als Mittel zu diesem Zweche betrachten sie neben der nnerlässlichen und am meisten besserungsbedürftig scheinenden Organisation: Pflege edler Geselligkeit, Förderung der Bildung, Uebung der Humanität im weitesten-Be jrifle nach-allen Richtungen, unter sich und nach ausseu. VTenu . auch uuausgesprocheu, scheint man durch die Erfahrung dort ebenso wie bei uns darauf gekommen zu sein, 'da$s. eine-räumlich weit ausgedehnte Organisation wohl notwendig ist. um. den Zusamim u haug zwischen den einzelnen Verbänden aufrecht zu erhalten, dass aber das Schwergewicht der gedeihlichen Entwickelung. wie bei uns in der einzeihen. Loge, st» ddrt in der einzelnen Ortsgruppe gesucht werden mm s. Man sieht, nach allen diesen 'Richtungen könnte wohl auch der strengste Richter m< hts tindenV. wogegen ein begründeter Einwand zu erheben wäre. . - Und so bleibt von den öben betonten Gesichtspunkten der maurerischen Kritik nur d ir übrig, ob nicht zu befürchten steht, dass durch die Zugehörigkeit [zu beiden Vereinigungen einer vpn beiden, von sprochen natürlich der Mann unserem Standpunkte aus geei; ein Nachteil erwachsen könnte, insbesondere im Hiublitk'-aul den altbekannten Sai/.. dass Niemand zwei Herren .--zugleich dienen könne. Auch diesen Gedankeu möchte; ich zurückweisen. Zunächst ist das Sprichwiirt. wie. alle diese Sprichwörter, nicht unbedingt richtig Es giebt bekanutjich jzahlreiche. Fälle, . iu welchen wir mehr als zwei Herren dienejn - müssen und audi dienen können. Fast möchte ich glaubeil.dass. mehr Aeiisserlichkeiten es sind, die diesen Einwurf zu begründen scheinen. Die Bnei Brith haben die. Bezeichnung ihrer .-Lokalverbände der unsrigen entlehnt und es scheint, als ö>kgerade dadurch die Meinung entStauden wäre, nah habe es mit einem jener zahlreichen Winkelverbände zu tliun, die wir mit guten) Grude uit* ternhalten. . '•'■.-.-. Sodann passt das Sprichwort aber auch nicht, weil hiei nicht zwei Herren ■mit gleicht n ■ Ansprüchen und mit gleichen Rechten au die einzelnen Mitglieder herautreteü. Unser Bund sucht j* vor allem die Wurzeln, seiner Kraft und die Berechtigung seiner' Existenz in seiner Universalität. :." "v. ' Für mich wenigstens ist;der'schönste Satz uuseivt Prinzipien der. dass wir vtn>fliditet sind, für Brüder zu halten alles, was Menschenantlitz trägt, und die erhebendste Vorstellung, dass fast.-überall auf thim Eidenrunde, m gebildete Menschen siclh vereiiigep, eine Hütte errichtet just, in welcher unsere Gründsätzt . gepflegt werden uud iu welcher dem fremden Bruder sieh dif Bruderhand entgegenstreckt. Leugnen können' wir teilicli nicht, dass Theorie und Praxis nur allzusehr von einander, abweicheu. ' Aber auch, wenn dem iicht so wäre, so würde / doch unstreitig der Orden der Buu Brith,' der sich lediglich auf Israeliten als Äugehörige 1 eschränk.t Schon in dieser Beschränkung sich nicht als z »veiter Herr neben den ersten stellen lasseu. •■ ': ■•■ ■ Dass Aeusserlichkeiten, wie Gleichzeitigkeit der Sitzungen u. s. w.'sich ohne weift res regeln würden, versteht sich ohnehin von selbst. Insoweit aber volle filei' hartigkeit der Bestrebungen besteht, würde die Zugehörigkeit zu, beiden Vereinigungen eher zu begrüsseu, als zu bt anstanden seiu. Wenn wir wünschen,- (!ass . ah?h von unserer Seite möglichst viel füi die Bildung des Einzelnen, für das Wohl der

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