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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1903-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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ich,eine etwa.« trivial» Hiuzulügtfug uiauhau darf — auch auf körperlichem Gebiete — haben wir selbst unter den Akrobat*- * und Gymnastlkern ein*- nicht Hnbetrichtliche Zitter von Juden / Aus der Tiete unserer Bedi ii-kung siud jene beidet Gefühle: der Trotz uud der Stolz gewachsen'uud haben jenes sociale jüdische Gemeinschattsbewusstsein erzeugt, dass wiedei einmal von einem unserer Brüder, von Dr. Blau in Frankfurt mit so beredten Werten' festgestellt worden ist. Der alte Geist ist gewichen und ein neuer Geist beginnt sich ein . zustellen. Im Wechsel der Geschichte wiedeholt sich alles und so haben wir zwei Dokumente aus der hauZösisclien Revolution* zeit, die für die/damalige.Zeit deu alten und den neuen Geist wiederspiegelt: auf der einen Seite die Forderung von Toleranz von der Rabaud Saint Etieune sagte, das» sie eine Neben Bedeutung habe welche die Menschen entwürdigt, auf dei anderen Seite, die Federung vou Getechtigkeit und Freiheit Welche ein und dieselbe sein soll für AJk? ~. ~ * t '. . t Im Oetobei MÜH stand Vor den Schranken dei Nationalversammlung zu ,Jaii> eine Deputation von .luden aus Elsas.« und Lothringen. Sie denen im Namen ihrer Glaubensgenossen um Barmherzigkeit ..Hochgeborene Versammlung'* sprechen sie — im Namen des Ewigen, welcher der-Ursprung aller Gerechtigkeit und Wahrheit ist. im Namen Gottes, welcher allen Menschen gleiche} Rechte und Pflichten verlieh, im Nametrdei Menschheit, die Jahrhunderte lang durch die entehrende Behandlung beleidigt worden ist. weiche die unglücklichen Nachkommen deältestenalier Volker in . fa»t allen Erdgegenden erlitten, erscheinen wir, um Euch zu.bexhwören unser bedauerliches Schicksal der Erwägung***, würdigen. Die. welche überall verfolgt, überall erniedrigt und doch stets uotertbäuig. nie aufrüluerisch sind, die welche bei allen Völkern ►-in Gegenstand des Unwillens und dei Verachtung sind, während sie Duldung und Mitleid genie.-sen sollten, die Juden werten sich Euch zu Füssen und schmeicheln sich der Hoffnung. da>s Ihr inmitten der schwere* Arbeiten, welche Euch in Anspruch nehmen', ihre Klagen nicht gering schätzen, dass Ihr mit einigem Interesse die sekäcbleruen Einsprüche hören werdet, welche sie aus dei Tiefe der Erniedrigung, worin sie begraben sind, vor Euch* niederzulegen wagen. . . . Möchte eine Reform, die wii bisher fruchtlos ersehnt haben, und die wir mit Thränen in den Augen erflehen. Knie WohlÜtat um! Euer Werk sein.'" Das Gesuch wurde damals abgelehnt. Im Jahre 17'»1 wurde es. erneuert. Ein'-paar Jahre Revolutionszeit veränderte dasselbe. Die demiithige Bitte des Sklaven ist zur bestimmten Forderung des Mannes geworden. Man appellirt nicht mehr an die Gnade deiA Herrschenden, sondern stützt sich auf eine Beweisführung. Jn dem zweiteu Document heisst es: ..Wenn es eine Religion gäbe, deren Bekenner nicht Bürgen sein könnten, während die Bekenner anderer Religionen es sein konnten, so würden diese herrschende Religionen sein; aber es . giebt keine herrschende Religion, da alle gleiche Rechte luben. Wenn man den Juden die Bürgerrechte verweigert, weil sie Juden sind. so.straft mau sie. weil >ie in einer bestimmten Religion geboren sind. Aber in solchem Falle existirt keine Religions'reiheit. da Verlust der Bürgerrechte mit dieser Freiheit verknüpft ist. So viel ist gewiss: indem nun die Menschen zur religiösen Freiheit erbobtn hat. hat man auch die Absicht gehabt, sie zur bürgerlichen Freiheit zu erheben. Es giebt keine halbe Freiheit, so wenig wie es eine halbf Gerechtigkeit giebt - Wie anders wirkt dies Zeichen auf uns ein! Diesmal ging das Gesuch durch. — Ich habe mich nicht ohne Grund bei diesem allgemeinen üeberblick, den wir soeben angeste 1t haben, etwas länger aufgehalteu. Was kann man dem Oiden an seinem Gedenktage besseres nachsagen, als dass er im edelsten Sinne sicli an der deutscheu Cultur betheiligt, indeiu" er die AerniSten unserer Glaubensgemeinschaft auf eine höhere Stufe stellt: indem er für alle Altersstufen — von der Kindheit an bis in das Greisenalter sociale Hinrichtungen schafft. Ind fernerhin was kann man ihm besseres nachsagen, als das. lasei seine eignen Mitglieder zu edeldenkenden Menschen zu ei ziehen versucht, deren makelloses Lebensbild der Allgemeinheit ein Vorbild sein soll, l ud weun der Orden die geistige und moralische E-ziehung seiner Mitglieder in dem Sinne des erwachenden neuen Geistes vornimmt, in dem Sinne ienes gekennzeichneten Trotzes und Stolzes, in dem Sinne eines alle umfassenden und alle hebenden jüdischen Gemeinschaftsbewusstseins, dann wird ei' wahrhaft kulturell wirken. Arbeiten wir an uns selbst, indem wir dabei weder nach rechts noch nach" links sehen, lassen wi>- den äugstlichen Gedanken, ob wir Alles auch immer den Auderen recht machen. Wir wollen es uns selbst recht machen. — und tabei nicht aufhören dahin zu wirken, dass wenn dereinst lie uns "trennenden Schrauken lallen, wir im Gegensatz zu den heutigen Zuständen, als eine begehrenswerte Gemeinschaft erstrebt werden. Der Orden ist für eine derartige socia'-erziehliche Einwii kung eine überaus geeignete Stätte, er ist gewissermassea die concentrirteste Organisation im Judeuthum, da er durch seine häutigen Sitzungen und durch den nahen persönlich- Verkehr'die gipste gegenseitige Einwirkung eimöglicht. — Webe uns und unserer Gemeinschaft, wenn der Orden uns den Blick nicht schärft für die Ungerechtigkeiten, die wir in Staat und Gesellschaft zu" erleiden haben, Ungerechtigkeiten, wie sie von Ministem, den Hütern der Verfassung, —■ in Preosseu und Hessen an öffentlicher Stelle zugegeben worden sind — in Hessen mit der Hinzufügung, dass die luden mit dem bestehenden Zustande zufrieden zu .sein Cheines, da sie niemals dagegen protestirt hätten. Aber, m Br, vergessen wir nicht: der Orden kann gemäss .»einer ganzen Verfassung nnd Anlage nicht auf den Markt hinaus treten und denöffentlichen Protest, der uns von unseren Gegnern nahegelegt worden ist, aussprechen, dieser Protest muss einer grösseren und umfassenderen Organisation vorbehalten bleiben — mögen wir diese nun mit professor Philippsou Judentag oder Gesammtorgani^ltion oder sonst wie nennen. Und diese Organisation wird kommen, weil sie kommen muss, weil sie eine innere Nothwendigkeit t. Für diese Bildung aber kann der Orden die stille vorbereitende Thätigkeit in der Erziehung seiner Mitglieder zu der höchsten Stufe der deutschen Cultur ausüben, und er cann sie besser ausüben, wie die sonstigen grossen Verbände im jüdischen Gemeinschaftsleben: ich denke an den Oentialverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens, der nur eine ose Gemeinschaft einer allerdings grossen Mitglieilerschaar

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