Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1901
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1901-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 34 — störten uud bedrohten gesundheitlichen Norraa'zustandes absolut nothwendig ist. Wird die Frau an das Krankenlagei des wenn auch normalen Wochenbettes gefesselt, ist der ganze Haushalt in Verwirrung gebracht. Die Kinder sind ohn*- richtige Aufsicht und verwahrlosen, wenn auch die Nachbarinnen ab un*d zu beispringen; der Mann liudet keinen geordneten Haushalt, kein Essen nach der Aibeit, ist genöthigt in Wirthshäusem seine Nahrung zu suchen, was entschieden höchst ungünstig auf die wirthschaftlMien Verhältnisse wirken muss. Xun kann natürlich die Frau eine solche Verwirrung des Haushalts nicht wüuschen, und da sie weiss, dass di« wh thschaftlichen Verhältnisse eine solche Unteibrechung entweder garnicht oder nur mit der alleräussersten Anstrengung ertragen können, hat das zur Folge, dass dir- Frau so bald wie möglich, d h. schon nach zwei Tagen mitunter sogar schon nach 24 Stunden ihre häusliche Thätigkeit und ihre Aibeit wieder aufnimmt. Und das fühlt dann leider in so vielen Fällen zu Nachkrankheiten chronischer Natur und schliesslich zum Siechthum, was wiedn störend und zerstörend auf die Familien-Verhältnisse zurückwirkt. Jedem einigermassen social Denkenden muss es klai sein, in welch vielfacher Form das gestörte Wochenbett Familieubande schädigt, vollständig untergräbt und Familien- Existenzen in Frage stellt. In erhöhtem Masse zeigt tfch das in den Gro*s>tädten, und es muss darauf hingewiesen wen!en, dass dieser Krebsschaden am gesundheitlichen Lebens .mark unserer Frauen sich am meisten geltend macht in deii Schichten "der armen Bevölkerung. — Zur Abhülfe diese.« schweren Uebelstandes hat man die Schaffung von Wöchnfrinnen-Asylen allen Ernstes vorgeschlagen, womöglich für jed Provinz, und jede Grossstadt. Es ist nicht zu leugnen, das> in solchen Anstalten alle Garantien für eine hygienisch sach liehe Behandlung und gute Verpflegung gegeben sind. Allein so ideal die Sache gedacht ist, sie lässt sich praktisch niclt durchfuhren, schon weil die Unsummen von Geldmitteln uich zu beschaffen sind. Solann ist nicht zu bestreiten, dass di*- Frau aufs Aeusserste widerstrebt, nicht blos im Wochenbet . sondern in jedem Falle der Erkrankung in eine Anstalt zu gehen, weil sie fast mit Sicherheit den Verfall ihres Hauswesens bei längerer Abwesenheit voraussieht. Andererseits hat es sein Mißliches, den Bestand der Familie durch Wegschatfung der Mutter zu zerreissen. Bedenken wir vielmehr, dass wir die Familie als den Grundpfeiler der staatlichen Gemeinschaft betrachten und Sie als den Herd und Pflege statte des häuslichen Glücks auch bei den ärmsten Leuteu würdigen, uud dass es unsere unabweissliche Pflicht ist, für den Zusan menhalt der Familie einzutreten und für ihn zu wiiken, wo er verlpren gegangen. Somit steckt in der Fürsorge für die Schonung der Frau und für den Foitbestand des Haushalts der ganze Schweipunkt der Frage.' Ist man darüber in Klarheit gekommen, so ist auch schon die Art der Fürsorge gegeben. Es ist ein Ersatz zu schaffen lür die im Hause befindliche aber wegen des Wochenbetts unthätige Frau. Dieser Ersatz ist nicht durch eine Kranken- oder Wochenpriegerin zu bringen, sondern durch eine Persönlichkeit, die zuverlässig, ehrlich und geschickt ist, eicen Hanshalt reinlich zu besorgen, für den Mann zu kochen, die Kinder zu beaufsichtigen, Wäsche zu waschen und dergleichen. In Würdigung dieser geschilderten Verhältnisse und Notwendigkeit, hierin Wandel zu schaffen, hat unser Frauenverein sich die Aufgäbe gestellt, die häusliche Pflege der armen Wöchnerinnen za übernehmen und nach Kräften auszuführen. Mit der den Frauen innewohnenden Empfänglichkeit und mit warmer Begeisterung haben Sie, m. D, sich unverzüglich ans Werk gemacht und eine segensreiche Thätigkeit entfaltet. Lassen Sie uns nun die Ergebnisse im Allgemeinen und Einzelnen betrachten. Am 25. März 1899 ist die erste Pflege geleistet worden; bis zum 28. Jauuar 1901 sind S8 Pflegen mit «90 ,Pflegetagen erledigt worden, wofür im Ganzen 3000 Mk. aufgewendet wurden. Von den 88 Fällen hatten 9 zum ersten Male, 15 zum zweiten, 9 .zum dritten, 11 zum vierten, 9 zum fünften, 9 zum sechsten, 3 zum siebenten. 4 zum achten, 1 zum eilften, 2 zum zwölften Male geboren. (Bei 1« Frauen fehlt die Angabe). Wie Manche nng schon ein.gut Theil ihrer Gesundheit und Kraft eiugebüsst haben, und wie wohlthuend ist ihnen die Pflege gewesen. Die 4)urchschnittsdauer der Pflege betiug 10 Tage, und diese ist ausreichend. In 3 Fällen wurde 14 Tage, in 4 Fällen 12 Tage, in 1 Falle 2 Tage und einmal 1 Tag gepflegt. In den letzten drei Fällen musste die Pflege abgebrochen weiden, weil Krankheit der Wöchnerin dazutrat. Die Pflegerinnen haben nämlich strenge Anweisung, bei eintretender Krankheit das Haus sofort zu verlassen, um keine Infection zu verschleppen. In solchen Fällen werden die Kranken ins Krankenhaus gebracht, oder es tritt eine Kvankenpfleget in ein. — Je fiüher die häusliche Pflege einsetzt, um so bes=er ist es um den Haushalt bestellt, da keine oder uur geringe Unterbrechung des häuslichen Betriebes stattfindet, und es ist löblich hervorzuheben, dass nach diesem Grundsatz verfahren wurde. So wurde in 27 Fällen g'eich i ach der Entbindung, in 37 Fällen ein Tag darauf, in 16 Fällen zwei Tage später mit der Pflege begonnen. In der ersten Zeit der Fürsorge war es noch nicht genügend bekannt, es kamen die Meldungen später; bald aber arbeitete der Apparat schnell und pünktlich. — Wie ich schon bei der ersten Berathung über die geplante Fürsoige 'hervorgehoben habe, ist jede Wohlthat vou Vereins wegt-n werthlos, wenn sie nichtgehörig kontrollirt wird, und gerade bei dieser Art von Fürsorge ist eine ständige Kontrolle von grossem Werth. Die Pflegerinnen werden in ihren Diensteifüllungen beobachtet, die etwa zu. Tage tretenden Mängel lassen sich leicht beheben, die Kontrolle spornt die Pflegerin zur Gewissenhaftigkeit und Sauberkeit an, der ganze Dienst wird in den Augen der Pflegerin gehoben, wenn eine geordnete Aufsicht vorhanden. Aber auch die Wöchnerin selbst fühlt sich beglückt, wenn sie sieht, dass man sich um sie kümmert, noch dazu von Trauen, die selbst Mütter sind, das söhnt sie mit ihrem Loos einigermassen aus. Die Frauen waren' auch von Dankbarkeit für ihre Wohlthäterinnen erfüllt, wie das zu unserer grossen Freude überall vermerkt ist. Rühmend muss hervorgehoben werden, dass die Kontrolle durchweg regelmässig und verständig ausgeübt wurdb. — Der Vortheil der häuslicheu Wochenpflege ist auch nach einer andern Richtung hin bedeutsam Es ist hierdurch für einzelne Wittwen und Fraueu ein anständiger, ehrenvoller Erwerb geschaffen, die ohne einen solchen sicher heruntergekomnn a wären. Vier PflegeriLnen wurden beschäftigt, von weh hen eine 42, die zweite 26, die dritte 43, die vierte zuletzt engagirte 4 Pflegen zu besorgen latten. Wenn man bedenkt, dass z. B. die erste Pflegerin afl