Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1901
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1901-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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- 26 - aus Fremden zu Staatsangehörigen gemacht worden sind. Wir haben keine andere Nation als die deutsche, unsere ganze Hoffnung, unsere ganze Zukunft, die beruht inf der Grösse, dem Wohlergehen des deutschen Reiches. Wia sollten wir da nicht dieses Reich lieben! Die Geschichte Prossens, Deutschlands, es ist unsere Geschichte. Mit Begeisterung haben wir gehört von den Thaten des grossen Kurfürsten, Friedrich des Grossen, von der Zeit der Befreiungskriege und den blutigen Kämpfen, die zur Einigung des deutschen Reiches geführt haben. Die Niederlagen Preussens im Anfange des- 1». Jahrhunderts erwecken auch in unserer Seele den Widerhall der Trauer. Mit Stolz erfüllt es uns aber, dass eine Geschichte der Gründung des deutschen Reiches nicht geschrieben werden kann, ohne dass unter denen, welche an ihr in vollem Maasse mitgearbeitet haben, auch jüdische Mänuer genannt werden. - , ■ Nicht ein fremdes Element, sondern ein individuell geartetes eigenes Element jeder Nation bilden die Juden. Und gerade was die spezifische Leistungsfähigkeit' der Juden ausmacht: die Kraft, sich den Verhältnissen anzuschmiegen, das Bestreben, aus dem Geiste Anderer für den eigenen Geist Nahrung zu schöpfen, das ist es, was sie ganz besonders geeignet macht, einen Bestandteil der deutschen Nation zu bilden. Wenn die Assimilation noch immer nicht durchweg zur vollen Geltung gekommen ist, wenn wir leider noch immer an einzelnen Genossen unseres Glaubens Eigenschaften bemerken, die uns selbst nichts weniger als schön erscheinen, und uns namentlich aucli bei dem Gedanken, wie! sie auf Andersgläubige wirken, unangenehm berühren, so wolle man doch nicht vergessen, seit wie verhältnissmässig kurzer Zeit erst der Judenheit bei uns Gelegenheit gegeben ist, sich mit moderner Bildung und modernem Wesen zu erfüllen. Das* Mittelalter, welches dem Deutschthum, namentlich in den Städten, gerade die Zeit der schönsten Blüthe gegeben hat, für uns Juden ist es das Zeitalter tiefster Rpechtung gewesen, und es ist ein unbilliges Verlangen, dass die Wirkungen hiervon alsobald verschwinden sollen. Wie im Mittelalter die'Herrschaft über die Juden ausgeübt worden ist. dafür führe ich wiederum Luther als Zeugen ai, der in seiner derbgewaltigen Redeweise also sagt: Denn unsere Narren, die Päpste, Bischöfe, Sophisten und Mönche, die groben Eselsköpfe haben bisher also mit den Juden gehandelt, dass, wer ein guter Christ wäre gewesen, hätte wohl mocht ein Jude werden, Und wenn ich ein Jude gewesen wäre, und hätte solche Tölpel und Knebel gesehen, den Christeuglauben regieren und lehren, m wäre ich eher ein Sau worden, denn ein Christ. Denn >ie haben mit den Juden gehandelt, als wären ,es Hunde und nicht Menschen, haben nichts mehr könnt thun. denn sie schelten und ihr Gut nehmen; wenn man sie getauft hat, kein christlich Lehre noch Leben hat man! ihnen beweiset, sondern nur der Piöpsterei und Möncherei unterwerfen. Das ist jetzt vorüber, und je eher die letzten Schranken fallen, die die Juden noch von der völligen Gleichberechtigung zurückhalten, um so früherjrcird das Zeitalter hereinbrechen, in welchem, wie Herde'r schon in der Mitte desl 18. Jahrhunderts sagte, man nicht mehr fragen würden ob einer Christ oder Jude sei. Zum Schlüsse will ich Ihnen noch als ein ausgezeichnetes Zeugniss, wie das moderne Judenthum sein Verhältniss zur Nation und das der Nationen untereinander auffasst, die Resolution zur Kenntniss geben, welche bei der israelitischen Synode zu Leipzig im Jahre 1860 einstimmig angenommen worden ist; Die jüdische Synode erkennt das Judenthum in Uebereinstimmung mit den Prinzipien der neuen Gesellschaft und des Rechtsstaates, wie diese Prinzipien im Mosaismus verkündet und in der Lehre der Propheten verkündet worden sind, nämlich in Uebereinstimmung mit dem Prinzipe der Einheit des Menschengeschlechts,, der Gleichheit Aller vor dem Gesetze, der flleichheit Aller in Pflichten und Rechten dem Vatertande und dem Staate gegenüber, sowie der völligen Freiheit des Individuums in seiner religiösen Ueberzeugung und dem Bekenntnisse derselben. Die Synode erkennt in der Entwickelung und Verwirklichung dieser Prinzipien die sichersten Bürgschaften für das Judenthum und seine Bekenner in der Gegenwart und in der Zukunft, die lebenskräftigsten Bedingungen für den uneingeschränkten Bestand und die höchste Entfaltung des Judenthum*. Die Synode erkennt desshälb in dem Frieden aller Religionen und Confessionen unter einander, in der gegenseitigen Achtung und Gleichberechtigung derselben, sowie in dem nur mit geistigen Waffen und in streng sittlicher Weise geführten Kampf um die Wahrheit eines der grossen Ziele der Menschheit. M. L Br. Diese hohen Ideale ihrer Verwirklichung entgegenzuführen, das ist die Aufgabe, die sich unser geliebter Orden gesetzt hat, das muss die Aufgabe aller wahrhaft sittlich denkenden Menschen sein. Wie sehr auch unser Herz verbittert werden mag, wenn wir uns der niedrigsten Gesinnung, dem Uebelwollen, das uns die mühsam errungene Rechtsstellung rauben oder doch einschränken will, der schmachvollsten Verleumdung gegenüber sahen, sorgen wir dafür, dass dennoch uns erhalten bleibt das volle Bewusstsein der Zugehörigkeit zum deutschen Volke, unsere Liebe zum Vaterlande. < Referat des Br. Dr. Maretzki zur Frage der Herausgabe einer Festschrift anlässlich der Errichtung der 50. Loge in unserm Distrikt. . Es steht zu erwarten, dass wir in Bälde die 50. Loge werden installiren können. Da dürfte es wohl angebracht sein, die 50. Logen-Installation mit besonderer Feierlichkeit zu begehen. . .Gemeinhin sind alle Installationen, abgesehen von dem feierlichen Akte, durch solenne Festlichkeiten begangen worden Und dem hat sich keine installirte Loge entzogen, selbst die kleinste Loge hat grössere Aufwendungen gemacht. Nun liegt es auf der Hand, das'., die Loge, welche den Vorzug haben wird, die 50. zu werden, es sich nicht wird nehmen lassen in Anbetracht der Bedeutung, welche die Zahl 50 bedingt, in ganz besonders glänzender Weise die Festlichkeit auszugestalten. Auch steht zu erwarten, dass sich alle Logen an der 50. Installation durch Delegirte werden vertreten lassen, und man kann sicher annehmen, dass fast alle Mitglieder des Gen.-Com.' sich daran betheiligen werden. Und mit Recht! Wird doch der Wunsch allgemein sein,