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Bericht der Großloge für Deutschland · 1901-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1901
Issue
Nr. 3 - März
Date
1901-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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/ C, f ' Wir sind Deutsehe, nichts als Deutsche. Wir können nur wollen nichts Anderes sein. , Wenn wir vorläufig von jener subjektiven Auflassung des Nationalitätenbegriffes, wonach es nur darauf ankommt wozu man sich zählt, noch absehen, und wenn wir zunächst noch bei der vorher entwickelten Auffassung bleiben, wonach ilie Volkssprache das eigentlich Entscheidende ist, so kann es gar keinem Zweifel unterliegen, dass wir nichts Anderes sind, nichts Anderes seiu können und wollen als Deutsche Wir kennen für den täglichen Verkehr, für unseren Beruf, für unser Denken und Trachten keine andre Sprache als die deutsche; sie durchdringt unser ganzes Sein, und auf der Schule wie im Leben sind wir. bemüht, es zu immer grösserer Vervollkommnung im Gebrauche dieser herrlichen Sprache zu ' bringen Wir lieben mit ganzer Seele diese Sprache, die uns die Kenntniss der höchsten Güter des Gemüthes und des Geistes vermittelt hat. Wie durch die Sprache, so sind wir auch dadurch, dass wir deutsche Bildung und Wissenschaft in uns aufgenommen an deutscher Kunst uns erhoben, deutschein Staatswesen uns «ingeordnet haben, zu Deutschen geworden. Nur unsere Ab stammung ist keine deutsche, wir sind keine Germanen, wir sind Semiten. Und indem unsere Gegner sich Antisemiten nennen zeigen sie, dass ihre Feindschaft gegen uns sich an knüp:t au unsere semitische Abstammung. Ist denn aber die Abstammung ein irgendwie sicheres Kennzeichen für die .Zugehörigkeit einer Nation? Sind denn wir die einzigen, die von Abstammung nicht deutsch sind, während alle Anderen, die sich Deutsche nennen, das Blut der alten Germanen in ihren Adern haben? Es mag sehr viele Menschen rein deutscher Abstammung geben, aber sie sind als solche nicht zu unterscheiden von den übrigen, welche als National-Deutsche ebenso wie sie selbst gelten,' obwohl slavitches, englisches oder französisches Blut in ihren Adern fliesst. Sind nicht auch die französischen Kolonisten, die zu der Zeit des grossen Kurfürsten in den braudenburgischen Staat gekommen sind gute Deutsche geworden? Aber unser Blut, so meint man, sei nicht deutsch, es flösse uns so niedrige Gesinnung ein. dass wir nicht hoffen dürften, uns arischen Volksthum gleichwerthig einzufügen. Mit vollem Rechte weist Lazarus gegenüber einer solchen Auffassung darauf hin, dass ihre Anhänger auf dem Wege sind, ihre eigene Religion zn beschimpfen. Denn , dass die Verfasser sämmtlicher Schriften des neuen Testaments ohne. Ausnahme Semiten waren, ist eine von Niemandem bestrittene Thatsache. Wer daher sich des Glaubens noch nicht gänzlich entschlagen hat, wer noch in der heiligen Schrift, im Neuen Testamente das Ideal menschlicher Sittlichkeit ausgeprägt findet, der sollte nie vergessen, dass dieses Ideal ein Erzeuguiss des semitischen Geistes ist. Antisemitenthum ist Antichristenthum. Denn Christus der Stifter selbst und alle seine Apostel sind Semiten. Hierauf weist auch Luther hin, wenn er sagt: Und weira wir gleich hoch uns rühmen, so sind wir dennoch Heiden, und die .luden von dem Geblüte Christi, wir sind Schwäger und Fremdlinge, sie sind Blutfreunde. Vettern und .Brüder unseres Herrn. Darum, wenn man sich des Fleisches und des Bluts rühmen sollt, so gehören die Juden Christo näher zu denn wir, wie auch St. Paulus Röm. 9 sagt: Auch hats Gott wohl mit der That beweiset. Denn solche grosse Elu* hat ernie keinem Volke unter den Heiden gethan als den "Juden. Desgleichen heisst es bei Luther! weiterhin: Darum wäre meiü BitV- und Rath, dass man säuberlich mit ihnen umging und aus: der Schrift-sie unterweiset, so möchten ihrer etliche herbeikommen. Aoer nun wir sie nur mit Gewalt treiben ünd gehen mit Lügen um .und g e b e'n i Ii n e Bf S c h u I d. sie m ü s simi C h r i s t e n b 1 u t haben und veiss nicht, was des Narren werks mehr ist, dass man sie gleich für Hunde hält, was sollten wir guts an ihnen schaffend Item, dass man ihnen, verbeut' unter1 uns zu haudthieren, zu arbeiten, und andere'menschliche Gemeinschalt zu haben, damit man sie wuchern treibt, wie sollte sie das bessern? Will man ihnen helfen, so muss man nicht des Papstes, sondern christlicher Liebe Gesetz au ihnen üben und sie freundlich annehmen, mit lassen werben und arbeiten, damit sie Ursach' und Raum gewinnen, bei und mit uns zu seiu, unser christlich Lehre und Leben zu hören und zh sehen. Ob etliche ljalsstarrig sind, Avas Hegt daran? Sind wir doch auch nicht alle "gute Christen! ' Können wjt uns auf das Zeugniss dieses gewaltigen Geistes und Charakters, dem 'die. protestantische Welt ihre Entstehung verdankt, berufen,-was-ficht es uns dann an, dass kleinliche Geister uns unsere Abstammung und unser Blnt immer wieder zürn Vorwurfe -machen;! So wenig wie Abstammung und Blut kann uns, -auoli unsere Religion daran hindern, uns als echte Deutsche, zu fühlen. Wir haben bereits oben gesehen, dass die modern« Eutwickeluug dazu geführt hat, die Frage der Religion von derjenigen der Nationalität . völlig zu trennen. Soll etwi gferade das. Judenthum seine Bekenner veihindern, ganz\ und voll'sich einer Nation anzuschliessen? Wie kann dies bei einer-Religion der Fall sein, die, wie die jüdische, nach alter Tradition die strengste Beobachtung der Gesetze ' des Landes seinen Bekennern zur Gewissenspflicht macht, die -in dem .irdischen Regiment den Abglanz Gottes erblickt, und -Gott."- verehrt als den König ler Könige. Nichts kann uns Also, hindefn, uns der deutschen Nation zuzurechnen. Und dies thun'wir voller. Stolz, mag man uns auch deswegen höhnen und :an der Aufrichtigkeit unseres Gefühls Zweifel hegen. Mejoe;!.. Br., haben wir, wenn wir offen sein wollen, nicht selbst häufig Zweifel an unserer Auf-'1 richtigkeit? Wagt sich (denn bei uns der Ausdruck unseres Nationalitätsgefühls, die ' offene-- Festfreude an patriotischen Gedenktagen so frei heraus, wie bei anderen Theilen der Bevölkerung? Wenn dies aber der Fall ist, wenn wir zaghaft sind bei patriotischen Aeusserungen, so ist dies nichts Anderes als die Folge des Gedankens, , dass mari üns doch nicht verstehen will, weil man unshiekt-als Deutsche im vollen Sinne erachtet. Vor derartig feindseliger Gesinnung zieht sich unser Gefühl zurück, dasün§: sonst, Je nach der Natur des Einzelnen, zu ebenso begeisterter Kundgebung unserer nationalen Gesinnung treiben würde, wie dies bei der übrigen Bevölkerung der Fall ist. Debtt" die patriotischen Festtage der deutschen Nation, es sind auch unsere Festtage. Wir erleben keine anderen Geschichte als diejenige des deutschen Volkes: was ihm zu lieb und was ihm zu leide geschieht, seine Sorgen, seine Kämpfe, seine Triumphe, al es empfinden wir als unser eigenes Geschicke,; seit wir durch das Gesetz

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