Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1901
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1901-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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— 20 — den wollen, — dann müssen Sie mir einen kurzen Rückblick gestatten. Schon vor einem Jahrzehnt ist in unserm heben Bremen die Idee aufgetaucht, die Frage wiederholt erörtert worden, ob «s sich nicht ermöglichen lassen werde, dem Orden der B. B. auch bei uns eine Heimstätte zu bereiten! Aber der Frage ist stets eine Verneinung auf dem Fusse gefolgt. Wohl konnten wir uns einen Begriff von den Bestrebungen und von den hohen Zielen des Ordens machen und wir verhehlten uns nicht, dass derselbe auch unter uns segensreich wirken könne. Aber gerade unter denjenigen, welche das rechte Verständniss für die Bestrebungen des Ordens besasseri, welche vermöge ihres höheren Bildungsgrades und ihrer bevorzugten Lebensstellung geeignet gewesen wären, sich für den Orden zu begeistern und seine Bestrebungen zu fördern, gerade unter diesen befanden sich Viele, denen nichts ferner lag .als der Gedanke, sich einem specifisch jüdischen Orden anzuschliessen. Wie anderswo auch, so gab es und giebt es auch noch heute Manchen bei uns, der ängstlich bemüht ist. seine Zugehörigkeit zum Judenthume auf das denkbar unauffälligste Mass zu beschränken. Und dann liebäugelte man damals nur allzugern mit den Bekennern der christlichen Religion, — man fühlte sich besonders geehrt und gehoben, wenn man mit ihnen gesellschaftlich verkehren durfte, — mochten jene auch auf einer weit niedrigeren Stufe der Bildung und Gesittung stehen. ■i Vor Allem aber war es der Indifferentismus, die absolute Gleichgültigkeit gegen alles Jüdische, — welche den Gedanken, den Orden bei uns heimisch zu machen, verscheuchten. Der Antisemitismus mit allen seinen schlimmen Auswüchsen, der bei uns gottlob nie so stark ins Kraut geschossen ist wie anderswo, — der bei uns wenigstens nicht so offen in die Erscheinung getreten ist wie in anderen Städten, — er hat doch bekanntlich das Gute bewerkstelligt, dass manche unserer Glaubensgenossen sich aufgerafft, sich auf sich selbst besonnen haben, sich wieder ihren Stammes« genossen näherten und sich ihnen allmählig wieder enger anschlössen. Die naturgemässe Folge war dann, dass sie sich für die gemeinsamen Interessen des Judenthums erwärmen und begeistern lernten. Und als man nun in den letzten Jahren wieder und wieder hörte, wie segensreich der Orden in anderen Städten wirke, welch' herrliche Früchte er gezeitigt habe, — da zeigte es sich, dass der Boden bei uns und in unserer "Umgebung doch empfänglicher für die edle Saat geworden sei. Und da die Anregungen von auswärts nicht ausblieben, so schien nun doch endlich die Zeit gek ommen, den Orden auch bei uns ins Dasein treten zu lassen. Die hochw. Grossloge und Sie hochwürd. Grosspräsident mit Ihren würdigen Collegen haben uns dann von der ersten Stunde an rathend und helfend zur Seite gestanden und unvergessen wird es bleiben, wie der hochwürd. Exgrosspräs. Sanitätsrath Br. Dr. M a r e t z k i trotz der Ungunst der Witterung die anstrengende Reise zu uns nicht gescheut hat, um uns und unsere Glaubensbrüder für die heilige Sache zu gewinnen. Unvergessen aber wird es auch bleiben, wie eine grosse Anzahl unserer heben Brüder aus Hamburg, wiederholt zu uns gekommen sind, um uns mit dem, was der Orden will und anstrebt, vertraut zu machen und die heilige Sache in die rechten Wege zu leiten. Die Theilnahme aber und die Brüderlickeit und Freundschaft, die Sie uns heute aufs Neue be« weisen, indem Sie sich in wahrhaft imposanter Zahl zu unserer Installationsfeier eingefunden haben, heissen mich, Ihnen die Worte zuzurufen, die einst jener edle jüdische Mann, Boas, zu der Moabiterin Ruth sprach: „Seien Sie gesegnet von dem Herrn, Ihre frühere Gutthat wird von der heutigen, letzten noch überragt und übertroffen!" * Und heute ist nun unser Ehrentag! Sie, hochw. Grosspräs, haben mir den Freibrief überreicht und damit die „Kaiser Friedrich - Loge" zu Bremen installirt. Ich danke Ihnen im Namen aller meiner L Brüder dafür wie auch für die erhebenden Worte, die Sie und die würdigen Präsidenten und Delegirten von nah und fern an uns gerichtet. Wir sind nunmehr würdig befunden und der Ehre theilhaftig geworden, als Mitglieder in den Orden der B. B. eingereiht zu werden. Wenn wir uns auch in der jüngsten Zeit häutig mit dem Gedanken getragen haben, es werde diese Stunde eine weihevolle, Herz und Gemüth ergreifende sein, so gestehe ich doch gern und freudig, — es ist mir und allen meinen heben Brüdern mit mir wohl ergangen wie dem, der von einer lieblichen Gegend, von einem herrlichen Aussichtspunkte gehört oder gelesen hat, — und nun doch, da er sie mit eigenen Augen schauen darf, empfindet und einsieht, dass die Wirklichkeit seine Erwartungen weit übertrifft. Denn in dieser Stunde hebt sich unser Auge über die Wände der Gotteshäuser hinweg, in dieser Stunde geht ein tiefes Sehnen durch unsere Seelen nach blauem Himmel und nach goldenem Licht, — in dieser Stunde fühlen wir, dass man beten könne auch ohne das Beugen der Kniee. auch ohne das Regen der Lippen, nur allein mit dem vollen heissen Herzen vor dem sichtbaren Auge unseres Gottes. So wird denn die Weihe und Heiligkeit" dieser Stunde uns unvergesslich, das Ergriffensein unserer Gemüther kein jähes Aufflackern für die hohen Bestrebungen des Ordens sein, sondern nachhaltig und dauernd in uns fortwirken und uns helfen, auch Andere zu begeistern. Wenn im Mittelalter der Knappe zum Ritter geschlagen wurde und mit diesem weihevollen Akte die Verpflichtung übernahm, ein Leben ohne Furcht und Tadel zu führen, so wollen auch wir in dieser Stunde abermals geloben, den Satzungen des Ordens gemäss zu leben und zu wirken. Wir^geloben, — und ich weiss mich in diesem feierlichen Augenblicke eins mit allen meinen heben Brüdern, ob sie in Bremen selbst, in seiner Umgebung oder im Oldenburger Lande leben, — das Gute zu thun und zu fördern, so weit unsere Kraft reicht. Wir wollen danach streben, uns zu veredeln, unser Wissen und Handeln soll nicht in eherne Formen gegossen und von dem | Wechsel des Lebens ganz unberührt bleiben, — aber wir wollen Sorge tragen, dass Sie, unsere heben Brüder, von den Mitgliedern der Kaiser Friedrich-Loge sagen dürfen, — sagen müssen: „Sie bestreuen sich, uns gleich werthig zu werden, — die Saat, die wir ausgestreut, — sie ist herrlich aufgegangen, und mit Jubel bringt der Säemann seine Garben heim! Das walte Gottl" Was wir damals unter dem unvergesslichen Eindruck der Weihe gelobt, das zu halten haben wir uns redlich be-