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Bericht der Großloge für Deutschland · 1901-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1901
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1901-02-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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- r Die Verpflegung war einfach, wie es dem Charakter der Einrichtung entspricht, aber musterhaft gut. Zum ersten Frühstück wurde Milch, Kakao oder Suppe verabreicht. Das zweite Frühstück bestand meist aus Suppe oder Butterbrod oder kaltem Fleische. Mittags wurde stets warm gegessen, niemals fehlte ein Fleischgericht. Nachmittags bekamen die Kinder Milch, Abends kalte oder warme Küche. Auf Innehaltung streng ritueller Kost wurde besonders Werth gelegt und war die Aufsicht darüber einer hiesigen geeigneten Frau übertragen. Es war uns darum zu thun, den Kindern das Beste bei verhältnissmässig geringen Kosten zu bieten. Dankend wollen wir hier erwähnen, dass die Plasmonwerke Siebold 4 Cp., G. m. b. H., Berlin uns ein erhebliches Quantum Plasmon f 10 kg) gratis zur Verfügung stellten. Die daraus hergestellten Suppen wurden von den Kindern gern genommen und gut vertragen. Zum Dank verpflichtet sind wir auch dem hiesigen israelitischen Frauen-Verein, der sich mit uneigennütziger Fürsorge" unserer Pfleglinge angenommen und ihnen durch ein wohlgelungenes Kinderfest mit nachfolgender Verloosung, Musik und verschiedenen Ueberraschungen sowie durch Spendung von Kaffee und Kuchen den Aufenthalt im Ferienheim verschönt hat. Der diesjährige Kassenbericht zeigt wieder wie im Vorjahre ein sehr erfreuliches Bild. Die Durchschnittskosten pro Tag und Kopf haben sich zwar trotz der grossen Anzahl von 66 Kindern nur unwesentlich von M. 2,— auf 1,05 verringert, aber wir sind dank den reichlichen Zuwendungen der Gönner der Ferienkolonie in der Lage gewesen, sämmtliche angemeldeten bedürftigen Kinder aus der Gemeinde Halle, 13 an der Zahl, gänzlich frei und auch einige arme Kinder aus Berlin. tÄeils gänzlich frei, theils auf halber Freistelle zu verpflegen. Dabei schliesst das Konto ultimo 1900 mit einem Ueberschuss von Mk. 662,54 ab, der bei dem Bankhause Friedmann & Co. hier, hinterlegt ist. Friedens-Loge in Ratibor. Unsere bisherigen Logenräume haben wir aufgegeben und bereits geräumt. Die neuen Lokalitäten, -welche auf der Wilhelmstrasse gemiethet sind, werden dem Zwecke entsprechend umgeändert und wohl erst Ende April fertig gestellt. Während dieser Zeit befinden wir uns ohne Logensaal und werden wir nur bei ganz dringenden Vorkommnissen Logensitzungen abhalten können. FianJrfsclsfc*ge in Franfurt a. M. Mit besonderer Freude erstattet Ihnen die Frankfurt-Loge diesmal Bericht über ihre Thätigkeit in den letzten 2 Monaten. Ist es ihr doch gelungen, die brennende Frage, welche uns schon seit Jahren bewegt, im Princip zu lösen: die Loge hat den Bau eines Logenhauses beschlossen und den Bauplatz bereits erworben. Wir hoffen noch Ende dieses Jahres den Schwesterlogen unser neues Heim zeigen zu können, dass uns nach eingereichten Pläne behagliche Clubräume und für besondere Anlässe einen Festsaal bieten würde, der — an Unfang der zweitgrösste hier in Frankfurt — auch finanziel ein günstiges Ergebnis verspricht. Die zahlreichen Brüder der Schwesterlogen, die uns zu unserer grossen Freude mit ihrem Besuch beehrten, werden es bestätigen können, dass unsere Räume für die grosse Zahl der Besucher unserer Sitzungen längst zu klein geworden sind; wir sind fest überzeugt, dass in den bequemen neuen Räumen sich dej- Besuch der Sitzungen weiter heben und damit die Loge an Bedeutung und Wirksamkeit gewinnen wird. An geistiger Anregung hat es unseren Brr. in den verflossenen 2 Monaten so wenig gefehlt, wie in der vorhergegangenen Zeit. Es ist keine Sitzung vergangen, in welcher den Brr. nicht ein interessantes Referat oder ein schöner Vortrag geboten worden wäre. Die Brr. wählten ihre Themata aus den veschiedensten Gebieten; so besprach Br. Dr. B e n a r i o die Fortschritte der modernen Therapie, Br. Dr. Wyler die Errungenschaften des vergangenen Jahrhunderts auf dem Gebiete der Chemie, wobei der grosse Anteil von Forschern jüdischer Abstammung gebührende Hervorhebung fand. Es überwogen natürlich auch diesmal solche Gegenstände, die für uns als Juden von besonderem Interesse sind. So behandelte in offener Loge vor unseren Damen Br. Dr. Karpels Berlin das Thema „Humor und Liebe im Judenthum" in gewohnter fesselnder und anregender Weise; Br. U h 1 f e 1 d e r referierte über Rosenfeld's Ghettolieder und führte an der Hand zahlreicher Proben dieser im Jargon abgefassten Gedichte den interessanten Nachweis, dass dieser vielgeschmähte und verlachte Dialekt in der Hand eines grossen Dichters auch den Zwecken der ernstesten Poesie entsprechen kann. Von ganz besonderer Bedeutung aber waren auch diesmal die eingehenden Referate über solche Angelegenheiten, welche die praktische Mitwirkung der Judenheit und insbesondere der Logen erfordern. Unsere Loge hat stets Gewicht darauf gelegt, über die Fragen und Aufgaben der jüdischen Wohlthätigkeit, an deren Lösung sie mitarbeitet, durch genaue Einzelreferate eingehend orientiert zu werden. So war uns das Referat des Br. R.-A.' Dr. Blau über den Deutsch-israelitischen Gemeindebund, für dessen Aufgaben die Frankfurt-Loge jährlich 500 Mk. bewilligt, von grösstem Interesse. Der ,D. J. G. B. — dies etwa führte der Redner aus — ist die Centrale für die deutsche Judenheit, die wir uns selbst schaffen müssen, so lange der Staat nicht für unsere Centralisation sorgt. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört insbesondere auch die, für den Religionsuntericht in solchen Gemeinden zu sorgen, in denen die Mittel zur Besoldung eines Lehrers nicht hinreichen; der Gemeindebund hat dieser Aufgabe aber nur teilweise entsprechen können, da die ihm zur Verfügung stehenden Geldbeträge bei weitem nicht ausreichten: der Redner richtete daher an die zahlreich versammelten Brr. die Aufforderung, dem Bunde als zahlende Mitglieder beizutreten. Die anregende Diskussion, die sich an den Vortrag knüpfte, ergab insbesondere, dass der Gemeindebund zu den Logen in freundschaftliche Beziehungen getreten ist, und ferner, dass er sich in seiner Stellung zu den verschiedenen Richtungen im Judenthum der strengsten Objektivität befleissigt und seine Förderung daher allen Angehörigen unseres Glaubens aufs Wärmste zu empfehlen ist. ■ Auf ein anderes Gebiet führte uns der Vortrag des Br. Rechtsanwaldt Plotke über die rumänischen Juden, der zwei Logenabende ausfüllte. An der Hand urkundlichen Materiales führte Br. Plotke den Nachweis, wie gerade

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