Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1901
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1901-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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räumigeres Lokal, welches wir der Würde angemessen ausstatteten, und spiegelt sich der Fortschritt unserer Loge auch in deren äusseren Ausstatting ab. Die geeigneteren Räume wie auch die entsprechende Einrichtung habeu ein gutes Attraktionsmittel für unsere Brüder abgegeben, die sich hier stets zu gemeinsamem Thun und Wirken zu sammenfinden. Hoffen wir, dass die angeregte Erweiterung unserer Bibliothek und Einführung eines Vortrags-Cyclus im kommenden Jahre auf die Zusammengehörigkeit unserer Brüder wie auch deren Familien einen günstigen Einfluss ausüben. Vier Unterhaltungsabende für unsere Brüder und deren Familien haben wir im abgelaufenen Jahre veranstaltet und es war ganz natürlich, dass mit Rücksicht auf die allgemeine Lage, deren Zahl eine beschränkte war. { Wie kann das Herz frei schlagen, wenn draussen der Sturm tobt und wüthet!? Nach Erwähnung einiger schön gelungener Festarrangements und der Anerkennung der grossen Verdienste des Präs. Br. Gr o 1 d e n t h a 1 um die Samoil-Loge schliesst der Bericht mit folgenden Worten: Liebe Brüder! Das abgelaufene Jahr, das ein Jahrhundert schliest und ein Merkstein in der Geschichte ist, so ist es auch ein Merkstein in der Geschichte unserer Loge. Wir treten mit diesem Jahre in das 2. Decenium des Bestandes der Loge. . . Wir können ohne den Verdacht der Ueberhebung auf uns zu laden, offen sagen, wir haben unsere Pflicht, wie sie uns die Satzungen unseres Ordens vorschreiben, nach Möglichkeit erfüllt. Jedoch schweres Gewölk bedekt noch den Horizont unserer Brüder in diesem Lande; möge im neuen Jahrhundert ein Wind der Aufklärung und der Freiheit dieses Gewölk zertrennen und endlich auch bessere Zustände in nächster Zeit für unsere Glaubensgenossen heranbrechen Unsere Aufgabe ist es unter dem von unserm Orden entfaltetem Banner der Nächstenliebe weiter auszuharren und im begonnenen Kampfe für Recht und Freiheit nicht nachzulassen, bis uns der Sieg sicher ist. Das walte Gott! Aus den Logen des VIII. Distrikts. Germania-Loge in Halle. Die Arbeiten für die Ferienkolonie im Soolbade Wittekind waren einem Komitee übertragen, das aus den Expräsident BBrr. Dr. Oppenheimer, J. H i r s c h, |Alfred K a t z, R. Frank und Rob. Rosenberg bestand und dessen Vorsitz der ärztliche Leiter der Kolonie B|. Dr. Oppenheimer führte, während die Kassenangelegenheiten von Br. Alfred K a t z verwaltet wurden. Dank der eifrigen Bemühungen dieses Komitees konnte auch in diesem Jahre unsere Ferienkolonie in Wittekind pünktlich zu Beginn der Sommerferien eröffnet werden. Den Anfang ^machten 27 Kinder, welchen im Laufe der darauffolgenden 14 Tage 30 nachfolgten, sodass die Gesammtzahl unserer Pfleglinge 66 betrug, eine Zahl, die bis jetzt in keinem Jahre erreicht ^worden ist. Tm)z der grossen Anzahl Kinder haben sich Unzuträglichkeiten in Bezug auf Gesundheit, Verpflegung und Beaufsichtigung nicht eingestellt. Wir haben dies in erster Linie' der strengen Disziplin zu verdanken, die in richtigem Masse von unserem Personal ausgeübt wurde, sowie auch der richtigen Auswahl der Kinder durch die verschiedenen Logen und Vereine, die uns ihre Pfleglinge anvertraut hatten. Von den Kindern stammten 1 aus Kothen, 2 aus Dessau. 13 aus Halle, 10 aus Hannover, 1 aus'Spangenberg, 11 aus Berlin, 20 aus Hamburg, 8 aus Dresden. Es waren :*8 Knaben und 28 Mädchen im Älter von 8-*r14 Jahren. Die Oberleitung lag in Händen der Frau Dr. Ziegelrotb, die schon vor Jahren der Kolonie mit gutem Erfolg vorgestanden hatte. Das Personal bestand, aus einer Köchin, einem Hausmädchen, einer Wirthschaftefin und dem Hausmann der Villa Unterschmelzer mit seiner Frau. Ausserdem war noch ein Kinderfräulein engagirt, das die Beaufsichtigung und Führung bei den Ausflügen übernahm. Den Hamburger Kindern war von Hamburg aus noch "ein Lehrer zur speziellen Aufsicht beigegeben. Die Kolonisten waren wie bisher in der fiskalischen Villa Unterschmelzer untergebracht, finejn alten Gebäude, das zwar wenig Comfort bietet, dafür aber den unschätzbaren Vortheil hat, dass sich direkt an dasselbe ein grosser Park anschliesst, dessen uralte Bäume im Sommer einen erquickenden Schatten spenden, der den Kindern besonders in den heissen Juli- und Augusttagen sehr zu statten kam. Stundenlang konnten sie dort ohne Mühen und Beschwerden die schöne frische und würzige Luft geniessen, wozu ihnen die neuangeschafften Liegestühle , Gelegenheit traten Für Bewegung im Freien wurde ebenfalls Sorge getragen. Turnübungen- und Bewegungsspiele jeglicher Art boten reichliche Abwechselung in der Rune und Rast des Ferientages. Dazu kamen die schönen Spariergänge an der Saale kühlem Strande und verschiedene Ausflüge nach der wunderschönen Haide, wie: Birkenwäldchen, Waldkater, Haideschlösschen, Waldhaus u. s. w. Auch eine prächtige Gondelfahrt auf der Saale wurde unternommen. Von grösseren Ausflügen haben'wir in Anbetracht -der hohen Kosten und des geringen gesundheitlichen Nützens Abstand genommen. Umsomehr legten wir Werth auf -die heilkräftigen Soolbäder, die sämmtlichen Kindern gute Dienste geleistet haben und wesentlich zur Kräftigung ihrer Konstitution, zur Bildung gesunden Blutes und gesunder Säfte beitrugen. Alles in Allejm können wir mit unseren - Erfolgen in gesundheitlicher Hinsicht sehr zufrieden sein. Die Zunahme des Brustumfanges betrug durchschnittlich ö,71, die Zunahme der inspiratorischen Erweiterung 1,47 cm. Die Athmung war eine bessere geworden. An Stelle der flachen, oberflächlichen Athemzüge bei Beginn des! Aufenthaltes konnten wir am Schluss der Ferien ein ruhiges, tiefes Athemholen bei den meisten Kindern mit grosser Genugthuung konstatiren. Dabei konnten wir erhebliche Gewichtszunahme bis 5 kg. in 4 Wochen bemerken; die durchschnittliche Zunahme betrug 1 kg. . ' , Von schwereren Erkrankungen ist die Kolonie verschont. geblieben. Einige Darmkatarrhe .leichter Natur, wie sie im Sommer nicht zu vermeiden sind, heilten bald unter geeigneter Diät und Pflege. Ansteckende Krankheiten hatten wir nicht zu verzeichnen. —