Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1901
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1901-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 16 - um derselben das Leid unserer Brüder zu' verkünden und deren Hilfe anzuflehen. Wir hatten nachher dk Genug thuung zu erfahren, dass der Delegirte unserer Loge auf dem Galatzer Emigrationskongresse zum Delegirten für ganz Rumänien ^gewählt wurde. Es wurde auch unserer Loge die . Mission als Central - Hilts - Komitee übertragen, dies in Anerkennung der Verdienste um die gesammte Hilfsal;tion, da wir es waren, welche als erste im Lande das Bs.nner der Hilfeleistung entfalteten.. ■ ' . Es ist Ihnen bekannt, mit welchem Geschick u id Erfolg unser Delegirte sich der ihm übertragenen Mission entledigte. Es gelang ihm, die Aufmerksamkeit der ganzen z.vilisirten "Welt" auf die ihr bis zu jener Zeit unbekannten Armuths zustände unserer Brüder in Rumänien zu lenken. Ueberall fand er bereitwillige Aufnahme und Unterstützung, in "Wien bei der Alliance Israclite, in' ■ Prag und Deutscl land bei unseren Brüdern, in Belgien bei wohlgesinnten Philantropen, in England beider Anglo Jewish Association unc schliesslich in Paris bei der „Grande Conference *, der Vers ammlung hochherziger wohlthätiger Männer. "Welchen Erfdg unser .JJelegirte bei jener Conferenz zu verzeichnen hatte,- ist aus den Beschlüssen und ihnen folgenden Thaten ersichtlich. Wenn wir heute eine Hilfsaction Im .ganzen Linde ver z-ichnen können, so ist es in hervorragender Weise ein Verdienst unseres Msators respective unserer Loge. Nach den Brotvertheilungen organisirten wir iie Hilfsaktion wie folgt: Die uns einfliessenden Gelder ernlüglichten un£ 2mal wöchentlich Geldvertheilungen an Stelle der Brotvertheilungen treten zu lassen. Diese Unterstützu igen vertheilten wir nach Massgabe der sozialen Position der Petenten und sind solche .von Frcs. 190 keine Seltenheit. Es ist überflüssig, Ihnen' das viele Leid, die vielen Unglücksfälle und Schicksalsschläge, die wir zu mildem hatten, vo zuführen. Jeder von Ihnen* hat Gelegenheit, bei den Verkeilungen 'liese hohlwangigen, zerfetzten Unglücksträger vort eidefiliren zu sehen, und wie viele Thränen entpressten sich nici lt unseren Augen, da uns doch.nicht möglich war, dieser Unmasse von Elend Herr zu werden. Eine besondere Fürsorge wendeten wir den von hier aufbrechenden und den unsere Stadt passirenden En tigrantengruppen zu. ' Da. wir deren Autbruch nicht verhindern konnten, so haben wir uns bemüht, diesen Aermsten den temporären Aufenthalt in unserer Stadt so angenehm als möglich zu machen. Wir wollen nrSht ausser Acht lassen, dass in diesem Zweige unserer Thätigkeit uns von unserm Mitbürger Herrn Oberwäger, obwohl kein Bruder unseres Ordens, eine dankenswerthe Unterstützung zu Theil wurde. Verschiedene Umstände zwangen viele Emigranten zur Rückkehr und so. erhielt das Elend durch die Rückkehr dieser jeder Habe Entl>lös>ten eine Verschärfung, uud da der Sommer zur Xeige ging, wurde in der Sitzung vom 12. August der Antrag gestellt, eine Volksküche zu gründen, und acht Tage später, am 20. August, waren wir in der Lage, die eiste Ausspeisnng vorzunehmen. Wenn es uns leider nicht möglich war, die erforderlichen Geldbeiträge zur Erhaltung der Volksküche aus eigenen Kräften aufzubringen uud uns diese in muniticienter Weise von der Alliance Israelite zur Verfügung gestellt wurden, so sind doch unsere Verdienste um dieses Werk' keine geringeren. Wenn wir heute die Genugthuuug haben, dass auf den Wänden des Speisesaals der Volksküche neben der der Alliance gewidmeten Aufschrift auch die 4 Initialen U. O. B. B. prangen, so ist es ein ausschliessliches Verdienst unserer Brüder, welche bereitwilligst ihre Kräfte und Zeit diesem Wohlthätigkeitswerke widmeten^ und dieses ist wahrlich keine zu unterschätzende Leistung, 'welche durch die Unannehmlichkeiten, mit der sie verbunden ist, noch mehr ins Gewicht fällt! Wir lassen uns aber nicht entmuthigen und können ohne Ueberhebung sagen, dass unsere Volksküche eine Masteranstalt in diesem Lande ist und wurde sie zum Vorbild bei der Begründung der Schwesteranstalten im Lande genommen. Verschiedene persönliche Umstände, die uns nicht angehen, haben im Oktober eine Aenderung in der Firma - wir betonen Firma — des Hilfskomitees herbeigeführt. Die Aktion, die wir mit grossem Erfolg eingeleitet und gefördert haben, änderte die Finna. Wir hatten gelegentlich dieser Aenderung über die. ganze Thätigkeit unserer Loge ausführlich berichtet und darauf hingewiesen, wie nur uns allein die Ehre gebührt, dass diese Hilfsthätigkeit unsere Firma trägt. Sie haben damals einstimmig beschlossen, dass wir, durchdrungen von der erhabenen Mission unseres Ordens und unbekümmert um Ehren und Anerkennungen, auch der neuen Firma unsere Erfahrungen und Unterstütung zu Theil werden lassen sollen. Die Ziele unseres Ordens sind allgemein bekannt; unsere Aufgabe ist es, selbstlos zu arbeiten und zu handeln, desto erhabener und wirkungsvoller sind die Ite-\ sultate unserer ohne Reklameentfaltung vollzogenen Arbeit! Wir sehen somit, dass obwohl das Hilfskomitee einen neuen Namen trägt, dennoch unser Präsident und unser Mentor als Präsident und Vicepräsident und unsere Vertreter dort die Leitung haben, dass die ganze Aktion sich in unseren Räumen abspielt und es unsere Brüder sind, die ihren Beistand leisten, um die Hilfsthätigkeit in geregelte Bahnen zu halten. Bevor wir zu einem andern Gebiete unserer Thätigkeit übergehen, wollen wir, da wir doch im Zeitalter der Zahlen, leben, auch in Zittern die Leistungen unseres Komitees vor Augen führen: Frcs. 43 000 beträgt die von uns während 9 Monate in Form von Brot, Mazoth und Geld unter die Armen vertheilte Summe. In Einzelheiten über die anderen Arbeiten unseres Komitees einzugehen, wollen wir uns für eine gelegenere Zeit vorbehalten. Obwohl unsere Kräfte von all diesen Hilfswerken in Anspruch genommen wurden, haben wir unser erstes Werk, die Handelsschule, nicht ausser Acht gelassen; Im Juni dieses Jahres haben die Schüler derselben zur allgemeinen Zufriedenheit die Prüfang der ersten Klasse bestanden, und trotz aller Schwierigkeiten hat in diesem Jahre unsere Schule 2 Klassen mit 47 Schülern. Wir bringen für den Bestand unserer Schule bedeutende .Geldopfer uudjst deren Erhaltung auch der Hingebung des Lehrkörpers, welcher aus Brüdern besteht, zu verdanken. Diese haben Anfangs den Unterricht unentgeltlich ertheüt und erst in letzter Zeit gegen ein Honorar, das in gar keinem Verhältnisse zu deren Leistungen steht. . Der Dank der Loge ist ihnen gesichert. Mit den Fortschritten unserer Loge sind uns die alten Räume zu eng geworden. Die Loge übersiedelte in ein ge-