Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1900
- Issue
- Nr. 6 - Mai
- Date
- 1900-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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wir an, ein Bruder bat sich in seiner Loge bewährt, hat alle Aemter verwallet und alle Ehren erlangt, ist Vice-Pr.. Pr. und Expr. gewesen, ist schliesslich mit dem höchsten Ehrenamt betraut worden, ist Repr. der Grossl , da gehört er denn dieser höchsten Körperschaft des Ordens in unserem Lande als vollberechtigtes Mitglied an. hat mit zu iathen und mit zu thaten; wenn er eine andere Loge besucht, wird ihm event. ein Ehrenplatz angewiesen, in jeder Weise ein freundliches Entgegenkommen gezeigt. Der Bruder vertausche nun seinen Wohnsitz und meldet sich nun naturlich zur Aufnahme in die Schwesterloge als einfacher Br.; — und wird zurückgewiesen — von Rechts wegen —, weil sich in der Ballotage '.) schwarze Kugeln vorfanden! J 9 schwarze Kugeln! Vielleicht 100 oder 150 weisse dagegen, aber ob 20 Bßr. ballotiren oder 200 — 9 schwarze Kugeln genügen, so will es das Gesetz. Und wegen dieser 9 schwarzen Kugeln, diesich wer weiss wie zusammengefunden haben, wird — nicht ein Aussenstehender, der sich erst dem Orden anschliessen will —, nein! wird ein wohlverdienter Br., ein langjähriges Mitglied des Ordens zurückgewiesen und gebrandmarkt, wird die betr. Schwesterloge beleidigt und vor den Kopl gestossen, und das nur, weil die pecuniären Verhältnisse nicht genügende Garantie bieten sollen!! Eine Ungerechtigkeit, ein Widersinn, ein Hohn auf unsere Tendenzen, der das schöne Wort „Bruderliebe" zur hohlen Phrase macht! Und darum muss dieser § 17 fallen — je eher, desto besser. Vielleicht schon auf dem nächsten Grosslogentage! Und darum muss er ersetzt werden durch einen anderen, der ungefähr folgenden Inhalt hat: § 17. Ein Ordensbruder, welcher Mitglied einer anderen Loge zu werden wünscht, soll seine Abgangskarte bei der betreffenden Loge einreichen. Letztere soll über diesen Br. eingehend in erster Reihe bei der Loge, welcher der Br. bisher angehörte, Erkundigungen einziehen, und ihr dann, falls nicht erhebliche Bedenken gegen die Aufnahme Vorliegen, ohne Ballot aufnehmen. Gegen eine Ablehnung steht dem betr. Br. die Apellation an die Grossloge offen." Berend Lehmanif-Loge In Halberstadt. Unsere Arbeiten haben in dem jetzt abgelaufenen Termin einige grössere Erfolge gezeitigt. Der Besuch der Sitzungen war ziemlich rege und es herrschte durchweg ein lebendiges Interesse für die Verhandlungen. In einer der ersten Sitzungen feierte unser Präsident, Br. Gabriel Hirsch, das Andenken des aus dem Leben geschiedenen Dr. Israel Hildesheimer, der in Halberstadt geboren, da seine Jugend verlebte, den Grund legte zu seinem unerschöpflichen Wissen, als Lehrer und Erzieher wirkte, und sich in der Gemeinde- Verwaltung besonders verdienstvoll bethätigte. Nach einem Rückblick über Leben Und Wirksamkeit, wies unser Präsident darauf hin, dass der Mann, dessen ganzes Leben der Hebung des, geistigen Charakters unsres Stammes, der Wohlthätigkeit, der Bruderliebe vom Jünglings- bis ins Greisenalter g*eweiht war, dessen Denken und Trachten somit den Aufgaben galt, denen die Loge zustrebt, dass er dieser auch allezeit wärmstes Interesse und Sympathien entgegenbrachte, weshalb es Pflicht sei, dieses in der That für die Entwicklung des Judenthums im neunzehnten Jahrhundert epochemachenden Grossen in Bruderkreiöen liebevoll zu gedenken. Die im vorigen Jahre getroffene Einrichtung eines Verbandes der einander benachbarten1 Germania-, Mendelssohn-, Anhalt.- und Berend Lehmann-Logen ermöglichte es uns, die Vorträge zweier auswärtiger Brüder zu hören, e&- sprachen Br. Dr. Siemchowi t z-Köh> über den Tempel zu Jerusalem und Br. Dr. Rb s en t hal-Stargard über Drei Räthselbücher der Menschlieit-; die beiden Vorträge, fanden recht lebhaftenallgomeinen Beifall. Von hiesigen Brüdern hörten wir Bruder; Vicepräs. Blach über den Consistorialpräsidenten Israel Jacobson, Br. Gottfried Goldschmidt über Phil: Längmanns Drama „Barlhel Turaser". Auf Grund von Anfragen im Fragekasten sprachen Bruder Aron. Hildesheim er und Bruder Expräs. Dr. van Gelder über den Erzvater Abraham als ersten Bne Briss und Br. Blach über einen die Willensfreiheit berührenden scheinbaren Widerspruch in Wallensteins Tod (II. 3.). Br. Expräs.' Dr. van Gelder «rfreute uns am Chanuckafeste durch eine längere Betrachtung über das Chanucka-Fest, während Br. Präs. Gabriel Hirsch kurz vor den Pesachtagen auf .die Bedeutung des Pesachfestes hinwies. '•• i / -. . - ■ ■ Dank der Thätigkeit der Loge und besonders einiger unserer Brüder betheiligte sich die hiesige jüdische Gemeinde in hervorragender Weise an dem Hülfswerk für die Bergarbeiter von Boryslaw.». Am 16. Dezember tagte hier der Mitteldeutsche Logenverband, wobei wir die Freude hatten, den hochw. Br. Expräs A dolph' Mayer als Vertreter der Grossloge; bei uns zu .Jje^rüssen. Ein Festmahl am selben Abend im Verein mit auswärtigen Brüdern nahm schönen Verlauf. Noch einen schönen, uns* in "der That befriedigenden Erfolg dürfen wir verzeichnen. Nachdem wir schon vor etwa Jahresfrist durch die Bemühungen der Frankfurt-Loge um den Montefiore-Verein zu teinem . ähnlichen Versuch angeregt waren, gelang es uns in . diesem "Winter, den Plan zur Ausführung zu bringen. ^Unsre ^nützliche Einrichtung über die Monatsberichte der Grossloge eingehend Referate zu erstatten, hat sich in diesem Falle, wie schon recht häufig zuvor, bewährt. Gelegentlich des Referats über den Dezember-Bericht, in welchem die gemeinschaftliche Sitzung der drei Berliner Logen über die Frage gewürdigt wurde, ob die Gründung der „Jünglingsvereine" ins Bereich der Logenthätigkei^ falle, wurde die Frage bei uns allseitig entschieden bejaht. Sofort wurde an jenem Abend ein Comitc von sechs Brüdern gewählt, das alle jüdischen jungen Leute Haiberstadts zu einer grösseren Versammlung einlud. In dieser'Versammlung schilderten einige Brüder in beredten Worten den Segen, der den-Mitgliedern einer Vereinigung zur Förderung ihrer idealen Iiiteressen erblühen müsse; in der Thai conslituirte sich de/ Verein-, an jenem Abend (Milte Januar), nahm schon Anfang Februar unter dem Namen „Behrend Lehmann-Verein zur Förderung der idealen, Interessen jüdischer junger Kaufleute" seine Arbeiten auf und zählt heute achtzig, ordentliche und dreissig ausserordentliche Mitglieder. In einer Logensilzung wurde einstimmig beschlossen, dem Vereine . die Logenlokalitäten