Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1900
- Issue
- Nr. 6 - Mai
- Date
- 1900-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Darauf folgte eine grosse Reibe geistreich gedachter und schön gesprochener Reden. In schönster Harmonie zog sich die Feier bis in die Morgenstunden hin. Für Alle, die daran theilgenommen haben, war es, wie die auswärtigen und hiesigen Theilnehmer wiederholt versicherten und wohl Alle von Herzen fühlten, ein erhebendes urid unvergessliches Fest. Alle hatten den Wunsch, der hier zum Schlüsse wiederum ausgesprochen sein mag, dass der unter so günstigen Auspicien begonnene Bund weiter blühen und gedeihen möge, zum Stolze der mütterlichen Grossloge, zur Freude der Schwesterlogen. Eger-Loge in Ostrowo. Von einem Bruder, der früher einer kleinen Loge (aber nicht unserer Eger-Loge angehörte), erhalten wir folgendes Schreiben: „Werthe Herren und Hebe Brüder! Sie wissen, welch lebhaftes Interesse ich jederzeit unserem geliebten Orden entgegenbrachte, wie ich stets alle Pflichten gegen denselben getreulich erfüllte, ,-und wie ich mich gemüht habe, nach meinen schwachen Kräften zu seinem Blühen und Gedeihen beizutragen. Und wenn ich die folgende Angelegenheit Ihnen unterbreite und Sie bitte, sie zur Diskussipn zu stellen, und in angemessener Weise für die Beseitigung des geschilderten Uebelstandes Sorge zu tragen, so seien Sie überzeugt, dass nicht nur mein verletztes persönliches Empfinden mir die Feder in die Hand drückt, sondern vornehmlich die Liebe zu unserem geliebten Orden und das Interesse an seiner glücklichen Entwicklung. Die Veranlassung ist folgende: Kurze Zeit, nachdem ich hierher übergesiedelt war, meldete ich mich zur Aufnahme in der Loge "meines neuen Wohnortes und wurde dort gemäss § 17. i Art. VII der Pas., der Grossl, f. Dtschl ), da in der Ballotage 9 schwarze Kugeln abgegeben wurden, von der Aufnahme zurückgewiesen. Vergebens bemühte ich mich, den Grund der Abweisung zu erfahren: Stillschweigen,, undurchdringliches Schweigen. Endlich gelang es .mir. vertraulich die Mittheilung zu erhalten, dass meine Vermögensverhältnisse nicht genügende Bürgschaft für die Aufnahme geboten hatten. Nun bin ich allerdings kein Millionär, aber in geordneten, guten Verhältnissen: bin während der ganzen Zeit, in der ich dem Orden angehöre, meinen Verpflichtungen völlig und pünktlich nachgekommen, und hoffe, dass ich mit Gottes Hilfe niemals in die Lage kommen werde, die Opferwilligkeit der Brüder in Afjspruch zu nehmen, Soll denn unser hoher Orden nur ein Privilegium der Reichen werden? Soll erst eine, .ich weiss nicht, wievielstellige Zahl die Bürgschaft gewähren, dass - der- Br. fähig und willig sein wird. ,,den geistigen und moralischen Charakter unseres Stammes . zu entwickeln, zu heben und zu vertheidigen, die reinsten Prinzipien der Menschenliebe, Ehre und des Patriotismus' ihnen einzuprägen", und die übrigen Pflichten zu erfüllen, die unserer gel. Orden sich zum Ziele setzt? '<■ > , Sollte" das wirklich irr den Intentionen des« Ordens liegen? Das Ordensgesetz sagt darüber (Art. VII § 1): Er (der Kandidat) muss sich und seine Familie anständig und s'tandesgemäss ernähren können und pecuniär so gestellt sein, dass er die durch die Gesetze der Loge und Grossloge festgestellten Beiträge ohne Schwierigkeit entrichten kann. Doch da werden Sie, 1. Br., nun erwidern: „Die Logen sind Herren in ihrem eigenen Haus; sie können nach eigenem Belieben aufnehmen und zurückweisen, so weit die Constitution und die Gesetze des Ordens und der Loge gewahrt sind*. Gewiss — und ein § bestimmt ja auch, dass ein Ordensbruder, der sich zur Aufnahme in eine andere Loge meldet, nur durch!• schwarze.Kugeln zurückgewiesen werden kann! Aber eben dieser s; ist eine Ungerechtigkeit, nicht nur gegen einen einzelnen Br., sondern gegen eine ganze Schwesterloge: er ist hart, ungerecht, unberechtigt, den hohen Tendenzen unseres Ordens widersprechend —; und darum muss er geändert werden! Das soll ia gerade das Erhabene an unserem Orden sein, was ihn von anderen Wohlthätigkeits- und Geselligkeitsvereinen unterscheidet, dass ein gemeinsames Öand alle Schwesterlogen umschliesst, dass er alle seine Glieder, die den verschiedenen Einzellogen angehören, zu einem Bruderbunde vereinigen soll! Mit welchem Hochgefühle erfüllte es mich, als ich bei meiner Aufnahme durch den würd. Präsid. die Belehrung empfing, dass ich durch die Aufnahme nicht nur Br. einer Loge geworden sei, „sondern des ganzen grossen Ordens, der über unser ganzes Vaterland, ja über die ganze Erde beinahe seine Arme breitet. .Bruderliebe!- Welch herrliches Wort, welch' hehres, edles Ziel! Aber soll es wirklich zur blossen Phräse herabgewürdigt werden, soll der Orden sich so unbrüderlich gegen seine eigenen BBr. zeigen, — dann hat er doch seine Aufgabe schmählich verkannt! Und darum, w. Br., bitte ich Sie, im Interesse unseres Ordens und seiner hohen Ziele, regen Sie diese Frage an, arbeiten Sie, kämpfen Sie, und erreichen Sie, dass dieser f; geändert werde, oder vollständig falle!" Vorstehenden Brief bitten wir die geehrte Schriftleitung in den Monatsberichten frdl. zum Abdruck zu bringen. Wir schliessen uns dem darin ausgesprochenen Verlangen voll an, und bitten diesen Gegenstand auf die Tagesordnung der nächsten Grosslogensitzung zu setzen. Es ist dies, uns. Er., ein Punkt, der dringend eine Reform erheischt. Sollen die einen Logen den anderen gegenüber als minderwerthig hingestellt werden, so dass man sagen dürfte:. Was für Euch gut sein mag, ist es noch lange nicht für uns? Und aus welchem Grunde? Vielleicht weil die kleinere Logen laxer in der Aufnahme ihrer BBr. sind? Weil sie, nur um ihren Bestand zu mehren, bei der Würdigung der Kandidaten ein Auge zudrücken? Nun. ein Missgriff kann wohl einmal vorkommen, hier wie dort und überall, — aber im Grossen und Ganzen ist wohl eher das Gegentheil der Fall. In den grossen Logen ist trotz allen W. und B. und E. der Zusammenhang ein loser — und muss es nothwendig sein —, und wir könnten uns wohl denken, dass ausser bei grossen, offiziellen Gelegenheiten "manche Brüder sich überhaupt nicht sehen. In den kleinen Logen, da kennt man sich besser, sitzt eng aneinander und da sieht man sich wohl vor, mit wem man sich zu Tische setzt. Man bedenke doch: Welch' ein Widersinn! Nehmen