Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1900
- Issue
- Nr. 6 - Mai
- Date
- 1900-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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in Berathung über Gestaltung des Winterhalbjahres bezüglich der Sitzungen, wissenschaftlichen und geselligen Abende. — Wegen der früh fallenden Herbstfeiertage konnten wir unsre Thätigkeit nicht vor Mitte Oktober aufnehmen. In der Zeit vom Oktober bis April fanden dann auch jeden Monat Vorträge innerhalb und ausserhalb, d. hh unter Zulassung oder Ausschluss Xichteingeweihter, statt. Es sprachen innerhalb der Loge die BBr. Leopold B a u c h w i t z : (Was uns noth thut), Dr. F e s s 1 e r: (Vorlesung aus Biographie des Emil Lehmann), Dr. Oppenh e i m e r (aus Bernfeld: Juden und Judenthum des 19. Jahrhunderts), H. Blumenthal (Vorlesung aus Cyclus berühmter jüdischer Parlamentarier Raphael Kosch). Oeffentliche Vorträge hielten Dr. Ad. Kohut (Friedrichll. und Joseph II. in ihren Beziehungen zu Juden und Judenthum). Br. Dr. Simschowitz, Cöln (die Juden im alten Rom), Br. Dr. R o s e n t h a 1. Stargard < Verwandtschaft zwischen dem Geiste der Deutschen und der Juden), unser Bruder Expr. Dr. Oppenheimer über das Thema: „War Heine ein Abtrünniger?" Den öffentlichen Vorträgen schloss sich meist ein Instrumental- und Vocal-Konzert an. Die hierbei wirkenden Kräfte waren theils Brüder oder Bekannte derselben, Iheils hervorragende Kräfte der hiesigen Oper. Ein erfreuliches Ergebniss dieser unsrer öffentlichen Veranstaltungen war der erhebliche Zuwachs an Mitgliedern, den unsre Loge erfahren. So konnten wir an einem Tage fünf Kandidaten in unsre Loge aufnehmen. Die Einführung derselben fand — um auch unsern auswärts wohnenden Mitgliedern Gelegenheit zu geben, derselben beizuwohnen — an einem Sonntage statt und gestaltete sich dementsprechend zu einer grösseren Festlichkeit, an welcher auch BBr. von der Anhalt-Loge unter Führung ihres Präsidenten Br. Dr. Freudenthal theilnahmen. Ein gemeinschaftliches Festessen mit Damen beschloss die in jeder Beziehung gelungene Feier. Im Monat März fand ein grosses Konzert zum Besten unsrer Ferien-Kolonien statt. Der ganze, nicht unbedeutende Ertrag desselben' wurde dem Ferienlcoloniefond überwiesen, was uns nur dadurch möglich war, dass die mitwirkenden Künstler und Künstlerinnen sich in der uneigennützigsten Weise der guten Sache zur Verfügung stellten. — Der Besuch der Loge war in den ordentlichen Sitzungen durchweg ein guter. — Nicht unwesentlich trug zur Erhöhung der Präsenzziffer die Einrichtung bei, dass der w. Präsident für" die von der ew. Grossloge für den Convent in -Aussicht genommenen Verhandlungsgegensjtände BBr. unserer Loge zu Referenten ernannte und zeigten die Referatsabende, die durch Diskussion sich sehr interessant gestalteten, dass auf diesem Wege eine Heranziehung der BBr. für die Logengeschäfte und das Ordenswesen überhaupt in fördernder Weise bewirkt werden kann. — Sonntag, den 22. April 1900, fand in ausserordentlicher Sitzung die Installation der Beamten für das Jahr 1900/1901 statt. Die ew. Grossloge hatte hierzu in Abweichung von der bisherigen Gepflogenheit den Expräsidenten aus einer andern Loge delegirt und wir waren von den mit dieser Neuerung gemachten Erfahrungen so_ überrascht wie hochbefriedigt. Die von der ew. G.-L. getroffene Wahl eines Delegirten in der Person des Br. Expr. Dr.Freudenthal von der Anhalt-Loge in Dessau war eine recht glückliche zu nennen und wäre es nur zu begrüssen, wenn d^ie ew. G.-L. diese versuchsweise' Aenderung" in eine stehende Einrichtung umwandeln wollte. t Br. Dr' F r e u d e n t h a 1 wusste die Einführungsfeier, welche ihm zugleich Gelegenheit gab, sich vor seinem Weggänge nach Danzig von der Germania-Loge zu verabschieden, zu einer weihevollen und herzerhebenden zu gestalten. — Bei derselben waren auch -Gäste aus andern .Logen, sowie verschiedene Leipziger BBr.-unsrer Loge anwesend. Caritas-Loge in Kempen berichtet über die Installation und Feier der Verlegung der .Caritas-Loge von Kreuzburg nach Kempen in Posen am 16. Mai 1900: Die Installation der hierheij^vWegten Loge wurde von dem Br. Expräs. Sjchüejc^aus Ratibor als Delegirten der Grossloge mit Unterstützung des Expräs, Br. P e 11 e s o h n - Posen in feierlicher Weise vorgenommen. Die von glühenden Gefühlen für den Orden erfüllte Rede des Leiters* der Installation, Br. Expräs. S c h ü c k, entflammte sogleich die anwesenden Brüder und Kandidaten zu heller Begeisterung für die Prinzipien des Ordens. Die Ziele und das Streben sowie die Geschichte des Ordens wurden in klarer und eindringlicher Weise: von ihm dargestellt. Es wurden hierauf 21 neue Mitglieder der hiesigen Loge zugeführt; für die hiesigen,' kleinlichen Verhältnisse wahrlich eine stattliche Zahh . Hierauf wurden als Beatnte erwählt "und verpflichtet: Bruder Rechtsanwalt Kann zum Präsidenten. „ Emil Pulvefmann zyfmVicepräsidenten. , S. Stein'zum protok.'Sekretär. . _.: Mor. Gottheiner zum Schatzmeister. „ Dav. Guttmann zum Finanzsekretär. Nachdem der neu gewählte Präsident den Präsidentenstuhl eingenommen hatte, ' schilderte er mit überzeugenden Worten die Weihe des gegenwärtigen Augenblickes und feuerte seinerseits die Brüder zu treuem Festhalten an den eben kennen gelernten Grundsätzen der Vereinigung an. Er weihte auch die Feäträume dem Dienste der Loge. Den Delegirten würde der Dank für deren Erscheinen ausgesprochen und diese brachten ihrerseits die besten Wünsche für das Blühen, und Gedeihen des neu gefestigten Bundes zum Ausdruck. . 1 Nachdem eine längere Pause eingetreten war, wurde in Gemeinschaft mit dem Delegirten der Grossloge und^den zahlreichen Delegirten der'Schwesterlogen das-Gründungsfest bei einem solennen Abendessen und darauf folgenden Ball gefeiert. Eingeleitet wurde dieses Fest .durch einen von Bruder Moritz Gottheiner gesprochenen Prolog, dem später eine nochmalige Begrüssung der Delegirten folgte, an welche sich eine auf unsere Stellung zum deutschen Vaterlande bezügliche Ansprache des Präsidenten Br. Rechtsanwalt Kann reihte. Ein solches Fest eines in einem altdeutschen Verbände stehenden Vereins deutscher Juden dürfe, zumal in unseren Ostmarken —. so. führte der Redner aus — nicht vorübergehen, ohne dass-unserer wärmsten Vaterlandsliebe Ausdruck gegeben Werde. Die Ansprache klang in ein Hoch auf die beste Verkörperung alles Deutschthums aus, in ein Hoch auf den deutschen Kaiser.