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Bericht der Großloge für Deutschland · 1900-04-01 · Nr. 5 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1900
Issue
Nr. 5 - April
Date
1900-04-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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— 54 - danke Platz, dass die Erde Gattes ist und jeder ein Anrecht irtt. glücklich darauf zi werden, und dass der mehr Bei Rückte sein Gluck dein andern zuzutheilen hat. Das Lot echt jiidbch. I)ie>e Anschauungen sind im altjüdischen Gesetz zum Ai sdruck gekommen. Die Sorge für den sozial Schwächeren, 1 ür den Fremdling, tür die Wittwe, die Waise, für die dienende Klasse, die Beschränkung der Veitragsfreiheit im Pfaidrecht, 'im (iesindriecht, die Pflicht des Steheulassens der Eden des Ackers, das Gesetz, den sinkenden Nachbar aufzuhelfen, die ausgesägte Sabbathheiligung im Interesse der Arbeiterklasse, die Fürsorge für gesunde Wohnungen, — die Aufteilung des i '<rundbesjty.es. die Verhütung von Ansammlung grösserer Komplexe in (ia/ßr Hand, —"alle diese modernensozialen Fragen, sie sind im mosaischen (iesetz klar und bündig gelost. Dies sind die Gedanken, in deren Geist die Zukunlt sich entwickeln wird. Die Frauentage iÄt nur eine andere Bethätignug demselben Prhizipes. und es leitet uns derselbe Grundsatz, wenn wir Versicherungsgesetze für Arbeiter, Wbhnnngsgesetze für ilie Armen rund Kleineu machen. - Es ist stets derselbe leitende Gedanke soziale r.Ger e c h t i g k e i t. der zur Geltung kommt. Das alles werden wir als Ifebsclien gerne mitmachen und unserem Deutschthuiu z.igleich damit den besten Dienst leisten, wenn wir als Juden und Staatsbürger auch hierin mrsre Pfiich' thun Weiden wir uns aber abschliessen und sagen> Nur ffir uns? Wullen wir sagen: Vor unsern Thoren hört unser! Liebe auf und an den Grenzen unseres Vaterlandes die Gerechtigkeit:' Nein! Wir werden auch wirken und streben unglücklichen Brüder in denjenigen Ländern, in dene politische Meli soziale Gerechtigkeit herrscht, und wei Blick aufs Ganze gerichtet halten Und wenn wir i ns fest machen in diesem Geiste der sozialen Gerechtigkeit, dann werden wir ein grosses Stück uns selbst und der Welt genützt haben! . » Und darum: Israel sei gerecht! Unitas-Loge in Strassburg. Im Vergangenen Winter eifieute sich unsere Loge .trotz der etwas utur instisren — weil interimistischen Lokal Verhältnisse ' eine» guten 1 seiliem lief 'die Besuch«. Unser Comite tür geistige Interessen war i Wirkungskreis mit Erfolgthätig. Wir erwähnen Vorträge *&> Rabbiner Dr. Finkel über Erziehubg und Unterrklrt im altenJuden thum, Br. PriVatdocent Dr. Di tfyfu über „Leben und Tod", Privafdjocent Dr. Polacz* k über „Die Fran ü der italienischen Renaissance*. Unser Jnteiegsi tiir dir hier seit 181!»"bestehende israelitische Haidwerk und Gewerbeschule beth'iügten wir durch eine e nmalige namhafte Unterstützung und sind mit der Verwaltung in engere Beziehung getreten in der Art, dass wir m s bereit erklärt haben und bemühen werden, für dife Uuterl nngung der abgelernten Handwerkslehrlinge zu sorgen. Zi diesem Zwecke wollen wir in bestimmten Zeiträumen an die Sc iwesterlogen unseies Distrikts Verzeichnisse eropfehlenswerth«rHandladurt geboten werksgesellen ' versenden, in der Hoffnung, dass tüchtigen israelitischen Handwerkern Gelegenheit wird, in ganz Deutschland ihren Leistungen entsprechende Beschäftigungen zu fiuden. Wir nehmen an, dass alle S; logen dieser Angelegenheit ein reges Interesse e ltgegen bringen, da ja die Handwerkerfrage gerade in dei letzten Jahren Gegenstand vielfacher Berathung bildete. Am 4. Februar hatten wir das Vergnügen in Anwesenfür die weder den den' iwester lieit zahlreicher auswärtiger Brüder der Frankfurt - Loge, Stuttg-ul-Loge. Fiiedrich-I oge, Karl Friedrich-Loge die Einweihung unseres neuen Lokals festlich zu begehen. Mit bedeutendem Kostenkufwand haben wir nun ein Logenlokal hergerichtet, in dem sich unsere Brüder heimisch fühlen. Wir werden uns herzlich freuen, wenn wir recht häufig Gelegenheit haben, auch auswättige Brüder in unseren schönen Räumen zu begrüssen. Unsere Loge weist einen erfreulichen Zuwachs auf, indem IS neue Brüder aufgenommen wurden Julius Bien-Lpge in Eschwege. Iu No. 1 der Februarnummer derGrossIogenberichte haben wir überdie sozialeStellung der zumeist dein Viehhandel sich widmenden hessischen Landjudeu berichtet, dass wir es uns zur Aufgabe gemacht haben dahin zu wirken, die Kinder dieser jüdischen Viehhändler nach Möglichkeit dHiiVielihande.Izuentziehen. Unser Versprechen, über das Ergebniss unserer hierauf gerichteten Thätigkeit den Brüdern Bericht zu erstatten, haben wir bis jetzt nicht eingelöst, wesentlich deshalb, weil unsere Berathungen über die zur Erreichung unseres Zieles zu treffenden Massnahmen zu einem Abschlüsse noch nicht gelangt sind. Nachdem wir indess aus dem Munde des hochwüijdigen Expiis., Seteretärs der Grossloge, Br. Wolff eifahren liaben, welche Theilnahme man allgemein seitens der Brüder unseren Bestiebungen entgegenbringt und dass selbst die hochwürd. Grossloge unserem in Aussicht gestellten Berichte über den Stand der Sache mit Interesse entgegensieht, glauben wir mit demselben uicht länger zurückhalten zu dürfen. Zu unserer Orientiiiing über die Zahl der Viehhandelsgeschäfte in den einzelneu Gemeinden, über die Vermögenslage ihrer Inhaber bezw. Inhabeiiu, über die Zahl der im Viehhandel des Vaters bereits thätigen Söhne, über die Zahl demjenigen Söhne, welche demnächst der Schule entwachsen und geeignete Objekte für unsere Bestrebungen seiu werden, hatten wir beschlossen, Fragebögen an die Lehrer und wo sOhbe nicht vorhanden, an die Vorsteher der einzelnen jüd. Landgemeinden mit einem instruirendeu Begleitschreiben zu versenden. Diese Fragebogen sind zunächst nur im Kreise Bschwege zur Ausgabe gelaugt, weil/wir uns die Erfahl ungen, die wir aus der Ausfüllung der Fragebogen in diesem Kreise macheu würden, und deren Richtigkeit wir aas eigener Wissenschaft nachzubilden in der Lage Wären, bei der demnächstigen Versendung der Fragebogen in die übrigen Kreise uns zu Nutzen macheu wollten. » Dit Beantwortung der Aufrage hat uns nicht befriedigt. — Als beachteuswertlie Thatsache sei zunächst hervorgehoben, dass einer der Lehrer, an die wir uns unter dem Namen des hiesigen — aus Brüdern bestehenden — israel. Gemeindevorstaudes gewandt hatten, die Ausfüllung des Fragebogens mit der Motivirung beanstandet hat, er besorge, dass duich die ihm in dem Instruktionsschreiben bekannt gegebenen Bestrebungen die Kiuder dem strenggläubigen Judenthum entzogen würden. Wiewohl nun dieser Herr durch uuseren Rabbiner, Br. Dr. Cohn eines Besseren belehrt worden ist, so kann man aus dem Verhalten dieses Lehrers doch schon eiue ungefähre Vorstellung sich davon machfen, auf welche Schwierigkeit e i wir mit unseren Absichten gar erst bei den ungebildeten, streng religiösen Eltern stossen würden. Das ablehnende Verhalten dieses Lehrers, dem erst durch mündliche Aussprache das Verständniss für UDsere Bestrebungen

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