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Bericht der Großloge für Deutschland · 1900-04-01 · Nr. 5 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1900
Issue
Nr. 5 - April
Date
1900-04-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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52 — Theil nehmen zu lassen. dennoch nachdem dasselbe erst 21 , Monat von Fräulein Jacoby allein unterrichtet wurde, später dem gemeinsamen Unterricht ohne Gefihr zugeführt werden konnte und jetzt nicht allein die Versetzung erreicht hat sondern au h geistig, sittlich und körperlich so weit vom Fräulein Jacoby und durch das Beispiel der anderen Kiuder gehoben wurde, dass ich mich freue, diests Kind aus der Verwahrlosung, herausgenommen zu haben. 6 vnii diesen 15 Kindern, welche krank und schwächlich sind, ist jedoch eine Stärkung ihrer Gesundheit sein- Löthig. weshalb ich die Bitte an die w. Luge richte, bei Auswahl ibkt nach Colberg zu sendenden Kinder, diese, welche sämmtlich sich aus den ärmsten Ständen rekiutiten zu bevorzugen, da ilftien ein Genesungs- und Erholung.««-Aufenthalt wahrlich N*th thot* . . .' . Mi neide. 5 v.»n diesen Kindern unseren BBr. Aerzteii zur Untersuchung reip. Anmeldung in Colberg zusenden « das set-B«-te Kind, welches .-einscrophulös ist. wird Br. Werner die Güte lui^i. m-h Warmbiunuzu dirigiren Di<s Voriifzemde des Dajnen-Comites, Frau Peiser. sowie Frau SjchüTnberg versammelten dies.- 15 Kinder mit Fräulein Jacobv Am letzten Sonnabend in der Wohnung der Frau Pei-o-i und halben hierbei Br. Weri^er und Unterzeichneter Titeil genommen. .... , - Die i" Kinder, welche die Schule verlassen, empfingen ein- Bach-Präinie mit Widmung .der Loge; ich glaube und hüftt hieimit -inen noch grösseren Ansporn zun Fh-i<# und guter Führung tüi die andere» Kinder zu erreichen. Sämmtlieie Kinder wurden nach Vorlesung"• ihrer Z"Ugni.-se durch Frau Peiser mit Kaft-e. Kulten und Früchte, festlich bewirth-jt. Eger-Lo^e in Ostrowo. Ueber die v.n Ende gellende Wintersaiwn hal>-n wir zu, berichten. da*s wir in unseren regelmä»i,' rfatthndendenSitzangen die ein;regaii<reii-u Berichte der Au.»-<-hti->- und GVn.-Comite-Sitznngen .besprachen, au:!i verschiedene Tage*fragen Anregung zu Diskussionen und Referaten galten So Ineir Rab Br. Dr. Freund ein hochinteressantes Referat nb?r rdeu Poluaer'Mordprozess. Iber Dr. Hildesheims n. a m. Diesen regelmässigen Sitzungen reihten sich gesellige Abende mit Damen au. in welchen wissenschaftliche Vorträge mit Spiel und Verloosung abwechselten. r. ■ Besonders hervorzaheben ist die Jahrhundertfeier am SylvesterabVnd, die ausser einem glänzenden hochinteressanten Vortrage uns-res Rah. Br. Dr. Freund ,.an der Wende des Jalirhuirdefts" so viel Anregung und Unterhaltung bot. da«-s die Fe>ftiieiliiehmer bis zum frühen Morgen iu frühester Sti nniung beisammen blieben. Unser Stiftungsfest, zu welchem die wird. Lessingldge in Breslau und die wüvd. Hohenzollernloge in Krotoschin iDelegirte entsandt, feierten wir iu freu- . diger. gehobener Stimmung. Auch eine Anzahl unserer auswärtigen Brüder war zu demselben erschienen und hielt Br. Rab. Dr. K ö nig-sberge r aus Pieschen die Festrede, die stürmischen Beilall erntete. Ein Brudermahl beschloss ^(las scltöne Fe-t. I \ Frankfurt-Loge in Frankfurt a. M. Die Feier unseres 13, Stiftungsfestes am 14 Januar hatte e:nen sehr erhebenden Verlauf genommen. Für dasselbe war folgendes Programm aufgestellt worden: Nachmittags 4 Uhr Festloge mit Einführung von 4 Candidaten. — Hierauf Begrüssung der Brüder und Gäste. — Rückblick auf das abgelaufene Lögenjahr vom Präs. .Br. Dr. Walter. — Festvortrag des Ex¬ Präs. Br. P 1 o t k e. — Aben 1s Festessen mit darauffolgendemTanz. Die gedankenreichen und anregenden Betrachtungen, die Br. Dr. Walter ia seinem Rückblick auf das abgelaufene .lahr zu Gehör brachte, sollen in einein späteren Bericht ausführlich behandelt werden: für heute wollen wir nur die Festrede des Br. P 1 o t k e zu skizziren suchen, der etwa Folgendes ausführte: Redner entwirft in kurzen Zügen ein Bild einer Zusammenkunft, von Juden, wie sie sich etwa vor 100 Jahren gestaltet hätte, um so einige charakteristische Züge der damaligen sozialen und politischen Lage der Juden?,u zeichnen im i kommt dann auf das zu sprechen, was uns das abgelaufene Jahrhundert gebracht hat, zunächst uns als Menschen. Alles iu allem kann man das Jahrhundert als da«-jeuige bezeichnen, in welchem politische Freiheit* und Gerechtigkeit erkämpft und erstritten wurde. Im Anfange des .Jahrhundert« betrachte der vollständigste Absolutismus der Regierenden, es bestand kein Mitbestimmungsrecht des Volkes, ji der Fürst konnte sogar Sein Volk an andere Staaten verkanten, das Volk hatte nicht einmal das Recht mitzurathen, die Rechtspflege lag bei Fatrimonialgerichten. Die Folter- und Prügelstrafe war in Uebung. Von Frankreich ging der Stuini aus. der mit diesen Verhältnissen aufräumte, l ud wenn wir fragen, wie sind wir Juden hierbei betheiligt? So können wir mit Freuden Und Genugtuung darauf hinweisen, da>> im Anfang di-ser Umgestaltungsarbeit auch Meiidelsohn steht, ein eben so guter DeuNcher als Jude, der zum Ausdruck brachte, dass Deutschland einig und freiheitlich sich entwickeln müsse. Dann im Anfange des Jahrhunderts Jungdeutschland: Heine. Björne, Moser. Zunz. Der Letztere hat r\ir die EntWickelung des Judenthums und seine Wissenschaft Knormes geleistet, aber ebenso für politische Freiheit mit Wort und Lehre gestritten. Dann ist zu gedenken solcher ■.Männer wie Gabriel Riesser, Joh. Jacöbi, später^ Eduard Lasker. .Ludwig Bamberger und ihres Eifers für Entwickelung der Freiheit und sler Rechte des Volkes. Also unsre Gemeinschaft, unser Stamm hat, energisch mitgearbeitet an dem. was das Leben dieses .Jahrhunderts ausfüllt. iyi der Entwickelung der politischen Gerechtigkeit. Was haben wir als Deutsche gewonnen iu diesem Jahrhundert? Der Anfang des Jahrhunderts sah Deutschland zerdrückt und zertrümmert, beherrscht von Fürsten, die keiue Deutschen waren. Und nun steht Deutschland gross und e.iuig da'und doch frei von Chauvinismus! Das hat unser Kaiser Friedrich in seiner Königsbeiger Rede als ,Zi-d hingestellt, demselben Gedanken huldigt Kaiser Wilhelm, wenn er für Deutschland das Programm aufstellt, dass es im Zeichen des Verkehrs stehe, also mit den andern Völkern und für sie, sich entfaltend und selbst gedeihend auch sie gedeihen lassen soll. In dieser Auffassung deutschen Wesens habeu wir Juden nicht abseits gestanden. Als Gelehrte und Forscher, als Dichter und Künstler, in der Stube des Denkers, im Saale des Gesetzgebers, im Ses*el des Richters und Anwaltes, im Berufe des Arztes haben wir für Deutschland empfunden, gelebt und gearbeitet; im Kampf für die Freiheit haben jüdische Söhne des Vaterlands gelitten und ihr Leben ausgehaucht; für Freiheit und für das Vaterland: nicht aber im Sinne fanatischer Chauvinisten; unsere Vaterlandsliebe schliesst das Weltbürgertum, das Menschenthum nicht aus,

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