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Bericht der Großloge für Deutschland · 1900-02-01 · Nr. 3 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1900
Issue
Nr. 3 - Februar
Date
1900-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 28 — stalten nicht zu scheuen hat, so verkennen wir doch nicht dass nach vielen Richtungen, namentlich in den Handwerks betrieben noch manches zu bessern ist, doch müssen hierzu die nöthigen Mittel vorhanden sein. Es ist besonders traurig dass eine grosse Anzahl von Knaben, sowohl im schul . pilichtigen,. wie auch im schulentlassenen Alter, welche Lust haben, sich dem Handwerk und der Bodenkultur zu widmen aus Mangel an Mitteln abgewiesen werden müssen, obgleich wir alles aufbieten, mit unseren geringen Mitteln möglichst viel Gutes zu schatten und möglichst vielen Knaben die Wohlthat einer entsprechenden Erziehung und Fortbildung ür praktische Berufe angedeihen zu lassen, um einen Theil der nun einmal seit Jahrhunderten von Handwerk und Boden kultur entwöhnten Juden diesen Erwerbszweigen wieder zuzuführen. Ich erachte aber daneben als notwendig nicht nur Knaben, sondern auch Mädchen in richtiger Weise d. i. für den Haushalt, namentlich den landwirtschaftlichen auszubilden. Die meisten der bei ihren Angehörigen, sowie in jüdischen Waisenhäusern erzogenen Mädchen erhalten in unserer Zeit nicht die richtige Erziehung, um später als Hausfrauen für Gärtner, Bauern, Handwerker u. s. w. ihre Männer in rechter Weise zu unterstützen. Bei der unprak tischen Handlungsweise in jüdischen Wohlthätigkeits-An gelegenheiten immer getrennt, anstatt vereint vorwärts zu gehen, sind die verschiedenen in Deutschland in den letzten ' Jahren entstandenen Ausbildungsanstalten für jüdische Mädchen nur von geringem Nutzen gewesen, da es zu schwierig war diesen Mädchen die nuthige geeignete Arbeit zu beschaffen. Dieses kann nur geschehen, wenn eine solche Anstalt mit anderen in Verbindung gebracht wird, wodurch den Mädchen ohne Schwierigkeit gleich die nöthige geeignete Arbeit überwiesen werden kann. — Aus den mir vor wenigen Tagen eingegangenen Bericht der Kolonie Woodbine in New-Jersey habe ich ersehen, dass man dieses dort richtig erkannt hat, und anschliessend an die Ackerbauschule für Knaben eine landwirtschaftliche Haushaltungsschule für Mädchen ins Leben gerufen hat. Eine solche Anstalt würde, wenn nur die nöthigen Mittel dazu vorhanden wären,, leicht in Anschluss an unsere Ahlemer Anstalt eingerichtet werden können, .wie das aach schon von Anfang an von mir projectirt war und wie ich dies im Jahre £882 vor Eröffnung der Anstalt in einem Rundschreiben an die deutschen Logen bekannt gegeben habe. Zur Erreichung unseres Zweckes, einen möglichst grossen Prozentsatz Knaben und Mädchen für Handwerk und Bodenkultur zu gewinnen, bedarf es aber auch noch anderer Mittel, als Erziehungsanstalten. Xn erster Linie halte ich dazu die Ertheilung ,von Handfertigkeits- und Gartenbau-Unterrichts an schulpflichtige Kinder für nothwendig, womit möglichst schon spielender Weise mit solchen Kindern begonnen werden muss, die noch den Kindergarten besuchen. Namentlich was Gartenbau anbetrifft, giebt die natürliche Lust der Kleinen, mit Schaufel, Hacke u. s. w. zu hantiren, schon die Direktive dazu. Um die Kinder später in rationeller Weise in Gartenbau und Handfertigkeit zu unterrichten und ihnen Lust und Liebe dazu beizubringen, muss der Unterricht aber so ertheilt werden, dass die Arbeit ein Vergnügen für die Kinder wird, und dazu bedarf es vor allen Dingen der geeigneten Lehrer. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, habe ich schon inr Jahre 1S84, kurz nach meiner Rückkehr aus Amerika, wo ich gesehen habe, wie schwierig es ist, erwachsene Leute, wenn sie auch den besten Willen haben, aber nicht die Vorkenntniss dazu besitzen, zu Kolonisten und Handwerkern auszubilden, Rücksprache genommen mit einer Anzahl auf diesem Gebiete erfahrener Sachkenner und veranlasst, dass zur Förderung des Gartenbaues und der Handfertigkeit der entsprechende Unterricht an dem hiesigen Lehrerseminar eingeführt wurde. Es wäre wünschenswerth, bei Volksschulen Gärten anzulegen, wie wir einen solchen in Ahlem in praktischer Weise zu besitzen glauben, und wir sind gern bereit, über die Art und Weise der Einrichtung Auskunft zu geben. Den oben erwähnten Unterricht habe ich unter Anlehnung an das hier bestehende Lehrerseminar eingerichtet, damit die jungen Seminaristen hier während ihrer Studienzeit ausgebildet werden, um später da, wo sie ihre Anstellung finden, den Unterricht ertheilen zu können. Trotzdem diese Einrichtung nun fast seit 16 Jahren besteht, muss ich doch leider gestehen, dass die Resultate, die bisher erzielt wurden, nur verschwindend klein sind. Es liegt dieses wohl daran, dass die Anleitung nicht in sachgemäßer Weise gegeben worden ist. Ich selbst will mich nicht von dem Fehler frei sprechen, nicht früher energisch genug eingegriffen zu haben. Ich war aber bis vor 1 '/z Jahre, wo ich mein Geschäft aufgab, so ausserordentlich stark beschäftigt, und konnte mich mit der Sache neben der Gründung der Ahlemer Anstalt nicht genügend befassen. Jetzt, wo mir mehr Zeit zur Verfügung steht, habe ich' die Sache eingehend geprüft und bin entschlossen, nun mein Möglichstes zu thun, um hier eine Aenderung herbeizuführen und ich hoffe, dass die übrigen Herren des Vorstandes, namentlich der Direktor Br. Dr. Knoller mir hierin beistehen werden. Ich bitte in jeder Weise darauf einzuwirken, dass an allen jüdischen Lehrerseminaren und Schulen dieser Unterrichtszweig eingeführt werde und die Lehrer dafür gewonnen und begeistert werden. Auch überall, wo jüdische Kinder interkonfessionelle Anstalten besuchen, muss dahin gewirkt werden, dass von Seiten des Staates und der Kommune in dieser Richtung hin etwas geschieht, wie ja nicht allein in Deutschland, sondern auch, Gott sei Dank, in anderen Ländern schon Fortschritte gemacht sind. Wenn so ein grosser Prozentsatz unserer Kinder schon in der Jugend Lust und Liebe für diese Berufszweige gewinnt, so zweifle ich nicht daran, dass eine grosse Anzahl sich schon bald aus freien Stücken dafür entscheidet. Als besonders wichtig und segensreich für die Kinderi unserer Glaubensgenossen, namentlich solcher, welche, wie in Russland und .Galizien, durcji ihren Beruf als Makler, Hauslrer. Marktbezieher, Fuhrleute, Träger, Schankwirthe u. s. w. verhindert sind, ihre Kinder zu beaufsichtigen und zu erziehen, erachte ich die Errichtung von Warteschulen Und Kinderhorten, wo Knaben und Mädchen in ihrer schulfreien Zeit* untergebracht und, wie vorhin erwähnt, in Hand-- fertigkeit, Gartenbau etc. beschäftigt werden, damit die vinder nicht verwahrlosen, sondern zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen werden. In Galizien, ^ussland, Rumänien, New-York, London und anderen Plätzen, wo arme Juden in grösserer Zahl wohnen, sollte man auf die Gründung-solcher Anstalten ebenso viel Gewicht legen, wie auf die Gründung von Schulen. Nicht der Unterricht

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