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Bericht der Großloge für Deutschland · 1900-02-01 · Nr. 3 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1900
Issue
Nr. 3 - Februar
Date
1900-02-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 29 allein ist es, der den Menschen zum Menschen macht, die Hauptsache ist und bleibt die Erziehung. Auch sämmtlichen jüdischen Waisenhäusern möchte ich dringend ans Herz legen, Gartenbau und Handfertigkeits- Unterricht einzuführen und wäre es wünschenswerth, solche Anstalten, wenn nicht auf's Land, doch in die Vorstädte zu verlegen, wo genügend Grund und Boden für Schulgärten zu haben ist. Ich möchte ,-bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, dass ich bei den eingewanderten Juden in Amerika und England weniger Werth darauf legen würde, dass dieselben schnell und gut englisch lernen, sondern empfehle darauf hinzuwirken, dass auch in den altmodischen russischen Schulen Handwerk und Gartenbau gelehrt wird; man würde sich zu diesem Zwecke mit den ^örtodoxen Rabbinen in Verbindung'setzen und diese für die Sache zu gewinnen suchen. Als ich seinerzeit in New-York war, haben sich die Ortodoxen gern bereit erklärt, unsere Bestrebungen zu unterstützen, vorausgesetzt, dass man die Leute nicht zwingen würde, an Festtagen zu arbeiten. Ich halle es für Wünschenswerther, wenn die jungen Leute tüchtig praktische Arbeiten erlernen, als wenn sie eiri gutes Englisch sprechen können und als Hausirer ihr Brot verdienen. Was nun das weitere Fortkommen der in Ahlem und anderen Anstalten ausgebildeten Zöglinge betrifft, so wäre es sehr wünschenswerth, wenn sämmtliche Logen ihr Möglichstes thun würden, um die jungen Leute, die etwas Tüchtiges gelernt haben, in passenden Stellungen unterzubringen und ihnen auf diese Weise fortzuhelfen; insbesondere sollte die Anstalt Ahlem benachrichtigt werden, wenn irgendwo eine Vacanz vorhanden ist, die durch einen jüdischen Gärtner besetzt werden kann. Wenn unsere jungen Leute wissen, dass sie auch in diesen für sie neuen Berufsarten ihr Fortkommen und eine geachtete Stellung finden, so wird die Zahl derjenigen, die sich dem Handwerk und der Bodenkultur »widmen, bald eine ebenso grosse sein, wie bei anderen Glaubensgenossenschaften und hoffent lieh das Voruftheil bald schwinden, dass die Juden nur für Handel und Gewerbe, nicht aber für körperliche Arbeit fangen. Wenn man die Errichtung ähnlicher Anstalten wie Ahlem anderwärts plant, so möchte ich empfehlen, von vornherein ein möglichst grosses Terrain ins Auge zu fassen, um Obst-, Beeren- und Gemüsebau, Baumschulbetrieb in ausgedehntem Maasse und in beschränkterem Maasse, vielleicht auch Landwirthschaft betreiben zu können. Für Blumenzucht und andere Zweige der Gärtnerei ist weniger Terrain erforderlich. Auch nutzbringende Nebenzweige der Bodenkultur, wie Bienenkultur, Geflügelzucht und falls Wasser vorhanden, auch Fischzucht, sollten möglichst berücksichtigt werden. Viehzucht kann nur in solchen Gegenden vortheilhaft betrieben werden, wo grössere Weideflächen vorhanden sind. Gute Verbindung, mit einher grösseren Stadt und wenn möglich in nicht gar zu grosser Entfernung, eines solchen Platzes halte ich aus verschiedenen Gründen für wünschenswerth. Was die Erziehung betrifft, so möchte ich empfehlen, die Zöglinge einfach, aber kräftig zu nähren und sie nach jeder Richtung hin abzuhärten. Daneben muss man sie an stramme Arbeit gewöhnen, ferner müssen sie an peinliche Ordnung, Pünktlichkeit und Reinlichkeit gewöhnt werden. Durch Turnen, Exerziren etc. muss ihnen . eine grade militärische Haltung beigebracht werden. J. Kurzum die Erziehung muss eü^e stramme, militärisch organisirte sein, selbstverständlich vereint mit liebevoller Be- .* ^v ■ . - . t*; handlung ausserhalb des Dienstes, fesp. nach der vollbrachten Arbetf. Daneben muss Gesang und mancherlei Vergnügen, die "zugleich auch bilden, -kultivirt werden. In der Erziehungsanstalt Ahlem ist eine Feuerspritze angeschafft und eine freiwillige Feuerwehr örganisirt worden, die schon verschiedentlich bei Bränden in der Nachbarschaft durch ihre Leistungen sich hervqrgethari hat. Fernerhin wurde ein Samariterdienst eingerichtet, um bei etwaigen Unglücksfällen sofort hilfreiche Hand leisten zu'können. Derartige Beschäftigungen . bilden angenehme . Abwechslungen nach der Arbeit{ bereiten den Zöglingen Vergnügen und tragen zur" Hebung des sittlichen Gefühls und' Selbstbewusstseins bei. Uerberhäupt muss das Ehrgefühl der jungen Leute geweckt und, .'ihnen/die.'Ueberzeugung beigebracht werden, dass alles, was von ihnen verlangt wird und was in der Anstalt geschieht, zu ihrem eigenen Besten ist. Es muss darauf hingewirkt 'werde»,, dass auch noch in späteren Jahren die Zöglinge auf die Anstalt als auf ihr zweites Vaterhaus zurückblicken! Hoffentlich wird die Anregung unseres hochwürdigen Ordenspräsidenten zur Folge haben, dass nicht nur die Mutteranst'alt Ahlem kräftiger als' bisher unterstützt wird, sondern dass blühende Töchteranstalten in den verschiedenen Ländern Europas und Amerikas entstehen. Der Vorstand von Ahlem ist jederzeit bereit 'auf Anfragen weitere Auskunft zu ertheilen. " \ A. M. Simon. die die hindas des Aus Bfuderkreisenk i Angeregt durch den kürzlich -hier gehörten Vortrag über das Thema ,,Die Frau \als Hüterin der häuslichen Gesundi . . ■ ■ ~ - •fci * w' * " "* hefitspflege" vom Ex-Präs. Br. Dr. Ruf f.aus Carlsbad, bitte ich den Vorschlag eines Laien im Monatsbericht gütigst veröffentlichen zu wollen, in det Hoffnung, dass derselbe in den Logen nicht nur debattirt werden,' sondern auch praktische Erfolge zeitigen wird. ' - . Als eine Hauptaufgabe der Ordensthätigkeit wird Ausübung der Wöhllhütigkeit betrachtet und werden Brüder beim Eintritt in deii" Orden besonders darauf gewiesen, jedoch mit dem weisen Zusatz, den Blick auf Ganze zu richten. ' Wohlthätigkeit üben, ist ein hervorragender Zug Gemüths und fängt zuerst-im eigenen Häuse an. Will man aber ein wirklicher Wahlthäter -der Familie und im weiteren Sinne der Menschheit werden, so sorge man in erster Linie d^für, die Menschen erwerbsfähig zu mächen und zu-erhalteri. Mens sana in corpore sono, ist ein alt bewährtes Sprichwort,- desshalb soll das Bestreben eines guten Hausvaters, '*.*.*'."*'.'„'*■'" *" darauf gerichtet sein, seine Angehörigen körperlich und geistig gesund zu erhalten, er soll durch einfache und praktische Erziehung nach den - Regeln der Gesundheitspflege dazu beitragen, die Seinen erwerbsfähig zu machen und viel Elend wird hierdurch äbgew'enaet werden. Da die Erziehung und Sorge für das körperliche und geistige Gedeihen der Kinder aber meist den Müttern zufällt, so müssen auch diese vor allen Dingen wissen, was ihren Lieben gut thut oder schädlich ist.

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