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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-12-01 · Nr. 9 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 9 - Dezember
Date
1899-12-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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gungen aller Art einzuführen. Die Logen könnten dem Verein ihr Heim zur Verfügung stellen, um das Logenhaus mehr als bisher auszunützen. Auch ein permamentes gutes jüdisches Restaurant, wäre einzurichten, Jcurz alle disponiblen Bäume könnten eine Art Klubhaus abgeben, von dessen Einrichtungen sowohl die jungen Leute wie die Logenbrüder selbst profitiren würden. Wir brauchten uns nicht zu schämen, Theile unseres Programms weiterzugeben und auch auf die Schultern eines Jünglings-Vereins abzuwälzen, und. so wäre auch auf einem kleinen Umwege Manches unseres Programms zu verwirklichen. Die Begeisterung, die wir bei der Jugend finden und entfachen würden, würde auf die Logen selbst von* grüsstem Eiufluss sein und in unsere Reihen zurückschlagen. Wenn auch so u fitgezogene Aufgaben nur Schritt für Schritt auszuführen >iud, so glaube Referent doch, dass die Gründung eines Jüngliugsvereines wohl zu empfehlen seL Br. Direktor Ehrenberg, Korreferent, schliesst sicli den Ausführungen des Vorredners an. Die Idee ist nicht neu. namentlich stellen in Amerika solche Jugendlogen in grosser Kliithe. Die Stagnation, die in unserem Logenleben eingetreten ist, ist vielleicht darauf zurückzufüliren, dass wir zu unthätig sind. Es ist dringend nöthig, dass ununterbrochen für neuen Zuzug gesorgt wird. In Hamburg, wo der Verein ca. 100 Mitglieder zählt, ebenso in Frankfurt a. M., sind derartige Vereine in schönstem Aufblühen, und es ist sicher, dass, wenn ein solcher von den Logen unterstützt wird, derselbe auch hier blühen und gedeihen wird Selbstredend müssen die Logen mit Mitteln und zwar mit grösseren beispringen, ebeuso muss es jedem unbescholtenem jungen Manne freistehen, Mitglied werden zu können. Mit den christlichen Jünglingsvereinen wäre ein solcher Verein nicht zu vergleichen, die ja hauptsächlich Missionsvereine siud. In der nunmehr beginnenden Diskussion nimmt zunächst Br. Ex-Präs. Goth. Simon das Wort. Er meint: Jeder von uns hat solche Gedanken, wie sie heute ausgeführt wurden, schon gehabt, gleichwohl komme' er zu einem anderen Schluss als Br. Dr. Rosenzweig. Jeder könne den Worten des Br. Dr. Rosenzweig zujauchzen, und dennoch können wir ihm nicht ganz zustimmen. Die Loge ist nämlich kein religiöser Verein, sondern ein humanitärer. Sodann meinte Br. Dr. Rosenzweig, wir beschäftigen uns mit zu vielen Dingen, wenn wir nun aber einen Fortbildungskursus lür die Jugend einrichten, dann kommt lür uns ja einneuer Zweig der Thätigkeit hinzu. Bedner ist daher der Ansicht, wir sollten Vereine, wie z. B. den Litteraturverein zu diesem Behüte mit einer gewissen Summe unterstützen. Eipräsident Br. Rosenstiel bedauert, dass, obwohl in Frankfurt und Hamburg solche Vereine blühen, solche in Berlin bisher nicht hoch kamen. Ks ist eben nicht nur Geld dazu nöthig, sondern es müssen sieh auch Männer Huden, welche diese Vereine mit Vorträgen unterstützen. So haben sich die Söhne unseres w. Grosssekretärs Br. Woll f grosse Mühe gegeben, doch umsonst. Dagegen haben sich unsere Rabbiner stets zurückgezogen, weil sie anderweitig zu sehr, in AnsPruc'1 genommen sind. Soll daher ein solcher Verein bei uns gedeihen, so werden die Rabbiner in erster Reihe Händ anlegen müssen, um durch ihre Beredsamkeit, Begeisterung und Liebe lür das Judenthum zu wecken. Br. Cronheim. Mitglied der Henry Jones-Loge, Hamburg, theilt mit, dass im Hamburger Verein zwei Logenbrüder zum Vorstand gehören, der erste Vorsitzende sei dagegen stets ein Mitglied des Jtinglingsvereins, die Loge wird zu den Vorträgen und Geselligkeitsabenden eingeladen. Der Verein hat Kurse für fremde Sprachen, Turn- und Schwimmabtheilungen eingerichtet, jetzt wird sogar eine Gesangsabtheilung gegründet. Wie sehr der Verein reussirt, geht daraus hervor, dass er jetzt schon eine Beisteuer den Litte: raturvereinen giebt; er liest den § 2 des Statutes vor, nach demselben steht der Verein auf dem Boden des Judenthums, politische Diskussionen sind nicht gestattet. Br. Wertheim von der Berth. Auerbach-Loge ist der Ansicht, dass Br. Simon nicht Recht hat, wenn er meint, die Loge dürfe nur humanitäre Ziele" verfolgen; dazu sind die Mittel der Loge zu' gering, auf idealem Gebiete müsse man wirken, man müsse erstreben, dass unsere jüdischen Mitbürger sich vervollkommen, die Fehler, welche ihnen vorgeworfen werden, ablegen. Dem Treiben unserer Gegner könne nur dadurch ein Ziel gesetzt werden, dass wir selbst ein tadelloses Leben führen. Fortbildungskurse für Kinder halte er für verfehlt, da diese Kinder jetzt schon zu sehr belastet sind, wohl aber hält er solche für praktisch für die erwachsene Jugend, vor der Gründung eines Jünglingsvereins muss er jedoch warnen. Br. Lindeuberg schliesst sich im Ganzen den Auslührungen des Br. Rosen zweig an. Br. Dr. Rosenzweig sieht sich auf die Auslassungen des Expr. Rosenstiel veranlasst, die Rabbiner in Schutz zu nehmen. Als Redner z. Z. seinen Vorschlag irlachte, wünschte Br. Rosenstiel zuerst, man solle sich mit dem Monbijou- Verein in Verbindung setzen; einem privaten Verein gelte aber sein Vorschlag nicht, sondern der Loge. Er wolle die Familien und die Männer der Loge gewinnen. Er sei kein Projektenmacher, sondern er wolle mit kleinen Mitteln eine grosse Aufgabe lösen. Gegen die Gründung eines Jünglingsvereins habe er sich ausgesprochen, weil die Jugend in diesem Alter andere Interessen und Ideen habe. Mit den christlichen Vereinen wäre ein solcher yerein wirklich nicht zu vergleichen. Br. Simon wiederholt noch einmal, dass es zwar sehr schön sei, für die Kinder zu sorgen, aber er hält es für einen Fehlerr wenn die Logen die Sache in die Hand nehmen. Br. Wertheim habe gesagt, es wäre nicht genug Geld da, um ausschliesslich humanitär zu wirken; das ist falsch, es handle sich darum, ob der Verein ein religiöser werden solle oder nicht. Soll er kein religiöser werden, dann brauchen wir die Logen nicht dazu. Unsere jungen Leute, die doch auch Deutsche sind, haben als solche noch mehr zu thun. es ist wichtiger für sie, sich mit Schiller und Göthe zu befassen, als mit der Geschichte des Judenthums. Der-hochw. Grosspräs. Br. Timendorfer erklärt, er sei eigentlich gekommen, um zu hören, er wolle sich aber als Grosspräsident in keiner Weise engagiren. Gleichwohl fühle er sich als Bruder der Auerbach-Loge veranlasst, einige Bemerkungen zu machen. Die Brüder machen stets den Fehler, dass, wenn sie von einem Projecte sprechen, sie alle anderen Dinge für Nebensache ansehen. Der Orden hat schon sehr viel Positives geleistet. Redner stimmt sowohl mit Br. Dr. Rosenzweig, als auch mit den Brüdern Simon und W e r t h e i m überein. Alle drei wollten für die Jugend etwas thun, nur sind sie sich über das Wie nicht einig. Es ist zweifellos, dass die Kenntniss der Geschichte

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