Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Date
- 1899-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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/ BERLIN, im Dezember 1899. "V!" No. 9. Bericht der Grosske für Deutschland u. o. B. B. Nachdruck sämmtlicher Artikc Fernsprecher: D. Wolff, M, No. 4619, Wllbelmstrasse 118. 1 aus diesen Berichten verboten. Gemeinschaftliche Sitzung der drei Berliner Logen in der Montefiore-Log^ Der Beamtenrath aller drei Berliner Logen hatte Einverständnis mit der hochw. Gross-Loge für Deutschten« den Beschluss gefasst, von Zeit zu Zeit gemeinschaftliche Sitzungen abzuhalten, um in solchen Fragen von allgemeinem Interesse zur Diskussion zu stellen und durch dieselben die Bruder einander näher zu bringen Die erste derartige Sitzung fand am 21. November unter Führung der w. Montefiore-Loge in Gegenwart des hoch v Gr.-Präs. statt. Der Präs. Br. Max Stein eröffnete cie Sitzung mit einer Ansprache, in welcher er den Zweck der gemeinschaftlichen Sitzungen auseinandersetzte und seiner Genugthuung darüber Ausdruck gab, dass die Brüder so ausserordentlich zahlreich der Einladung gefolgt sind . , Zum.ersten Punkte der Tagesordnung: „Errichtung einjes gemeinsamen Fortbildungskursus in der Geschichte des Judenthums für die erwachsenen Söhne und Töchter unserer Brüder" ergreift Br.' Rabbiner Dr. Rosenzweig das Wort. Derselbe führte etwa Folgendes aus: Als er vor fünf Jahren zum zehnjährigen Stiftungsfest der w. Monteiiore Loge die Festrede hielt, habe er in einigen Zügen das B ld des Mannes vorgeführt, dem die Loge ihren Namen verdankt Er führte die Zuhörer an dieser Gestalt in die Vergangenh dt und erinnerte an den ersten Moses, der auf die ganze Kulturentwickelung von grüsstem Einfhiss war, nicht weil er Israel befreit und dadurch die leibliche Noth gelindert, sondern weil er der Lehrer aller Zeiten war und geblieben ist, weil aso seine geistige Arbeit von solch eminenter Bedeutung wir Dies brachte den Redner auf den Gedanken, dass die Logen neben ihren humanitären Aufgaben noch höhere Pflichten haben müssten, nämlich das geistige Leben unter den Juden zu fördern. Die hiesigen Logen zählen circa 800 Mitglied sr; welche bedeutsame Kraft liegt also in dieser Institution! Die materiellen Einnahmen der Logen sind bedeutend, weniger bedeutend die Ausgaben, und doch wird im Verhältniss nii :ht genügend geleistet. Gewiss ist es Pflicht Noth zu lindern und Hunger zu stillen, doch es geschieht damit immer nur etwas für den Augenblick, und das entspricht nicht ganz dem Wesen der Logen. Die eigentliche Thätigkeit der Logen muss .e ne idealere sein, sie müssen etwas Bleibendes schatten, und we nn Heine die Juden die Garde des lieben Gottes nannte, so müssten die Mitglieder der Logen die Garde unter < en Juden sein. Um aber etwas Dauerndes zu schaffen, müssten wir jei der Jugend anfangen. Täglich werden die Reihen derer gelichtet, die auch gern gearbeitet hätten, denen aber hier aut Erden ein Ziel gesetzt ist; mit der Zeit fehlt es an Nachwuchs, daher müsse für einen solchen gesorgt werden, dafür sind aber die Logen die einzig geeigneten Stätten, sie müssten an Stelle der einzelnen Vereine, wie zr B. des Litteraturvereins, der diese Thätigkeit an sich gerissen, treten und würden dadurch eine grosse That begehen, die zugleich fruchtbringend für das Logenleben selbst sein würde. Nicht vieles solle man unternehmen, es genügt eine Sache herauszugreifen, aber die muss man dann auch richtig anfassen. Um nun, wie vorgeschlagen, einen Fortbildungskursus in * der Geschichte des Judenthums zu arrangiren, bedarf man nicht, wie missverständlich ■ angegeben^ wurde, bedeutende Redner, sondern ein schlichter Lehrer, der es aber ernst mit der Sache meint, sollte geworben werden, und dieser soll in erzählender Art den Keim in. die Herzen unserer Jugend legen, aus dem dann eine neue Saat'entstehen Würde. Zur Erreichung dieses Zieles müsseti natürlich die Mitglieder der Logen in ihren Familien wirken, denn nur unsere Lässigkeit ist Schuld daran, dass wir schwach sind. "Es ist bedauerlich, dass wir erst durch die Anfeiijdungen' unserer Gegner aufgerüttelt werden uud uns enger aneinander schliessen, wir sind Juden und müssen für das judenthum etwas thun. Zum zweiten Punkte der Tagesordnung: „Begründung eines Vereins für jüdische junge Männer unter dem Protektorate der U. O. B. B. Lögen" ergreift Br. Maximilian Stein das "Wort. Zweifellös, so. etwa führte der Redner aus, muss Jedem schon die Erkenntniss gekommen sein, dass man sich der Jugend *nähern müsse. Bei der Begründung eines jüdischen Jünglingsvereines wäre zufofdarst die prinzipielle Seite ins Auge zu fassen; man könne sich fragen, ob es richtig ist, durch Gründung eines solchen Vereins die Exklusivität hervorzukehren und so..denAntisemiten einen neuen Angriffspunkt zu liefern. Demgegeüüber ist zu beachten, dass über-, all da, wo sich jüdische jutige Leute mit christlichen verbinden,- efstere auf Kosten des Judenthums Koncessionen machen müssen. Ein jüdischer Verein* jünger Männer würde eine Zufluchtsstätte sein für alje Die, .welche sich in christlichen Vereinen gedrückt fühlen, und nicht gesonnen sind, mancher- "ei von ihrem Judenthum zu opferu. Der Verein würde gewissermassen zu einer. Loge jünger Leute äuswachsen, auf fester Grundlage basirt und von flen Logen geführt, alle konfessionellen Schattirungen umschliessen und der Pflege des jüdischen Bewusstseins der jungen Leute dienen. Die Aufgaben eines solchen Vereins wärenungemein viele; in erster Linie müssten Vortrags- und GeseHigkeitsabende eingerichtet werden, darüber hinaus wären aber aueh Gewerkschaftsabtheilungen, Unterrichtskurse in fremden. Sprachen, Turn- und Kegelabtheilungen etc. ins Auge zu fassen, sowie Vereinsvergünsti- 1