Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-10-01 · Nr. 8 - October · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 8 - October
Date
1899-10-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4864325-6028956-6029364--0358-4864540
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 88 — jamin, Placzek, Haagen und Blaschke betheiligen, wird einerseits betont, dass für uns gar keine Veranlassung zur Beschickung der Convention vorliege, auch dass in der Hergabevon Grosslogenmitteln hierfür die Aufhebung eines Grosslogen-Beschlus_ses liege, während anderseits hervorgehoben wird, dassj es sich sehr wohl empfehle, auch einmal einen deutschen Expräsidenten zur Convention zu entsenden, schon' aus Courtoisie für Br. Bien, sowie aus ethischen Gründen. Unsere Beisteuer von Mk. IO0O erfolge erst auf den nächstjährigen Etat, die Grossloge werde denselben zweifellos bewilligen. Der Antrag Rosenstiel wird mit 16 gegen 2 Stimmen angenommen. Ks wurden;oIgende 2 Fragen gemeinsam zur Debatte gestellt: ,*\ 1. Soll ein Comite eingesetzt werden, dass im Interesse der Boryslawer Juden Vorschläge machen möchte' In welcher Weise soll der von der Grossloge bewilligte Betrag von .Mk. .10000 für Galizien verwendet werden.' Br. Dr. Maretzki, der zum Referenten bestellt war, führt aus, dass bezüglich der 2. Frage seit der letzten Grosslogensitzung sich kaum etwas Neues ereignet habe, es sei denn, dass in einigen Logen Bedenken geäussert worden gegen die Hergabe jener. 10,000 Mark für Galizien aus dem Julius Bien-Fonds. Redner glaubt auf diese Bedenken erst eingehen zu sollen, wenn die Verwendung -jenes Betrages zur Verhandlung steht, noch habe Oesterreich nichts gefordert. Am 2!». d- M wird Referent in Lemberg zur Installation der dortigen Loge anwesend sein, dort werde zu gleicher -Zeit eine Sitzung des General-Comites unseres Nachbarsdistriktes abgehalten werden, zu welcher er .eingeladen worden, und so könne erst später über unsej'e Mitwirkung am der galizischen Frage ausführlich berichtet werden. Für Boryslaw ein Comite einzurichten erachtet Referent jetzt als zu spät. Er schildert die Verhältnisse, in welchen die Bergarbeiter in Boryslaw augenblicklich sich befinden und müsse er den österreichischen Glaubensgenossen den Vorwur der Indolenz machen, denn diese tragen in erster Reihe die Schuld daran, wenn aus einer blühenden Stadt die Stätte grässlichen Elends und gegen 400<> arbeitswillige' -Menschen zu Bettlern geworden. Es sei zu bedauern, dass an so vielen Stellen eine Hilfsaktion organisirt worden, was dazu beitrage, dass keine derselben etwas Namhaftes zu leisten vermöchte. Das Comite, das sich' in Beuthen gebildet hat. erscheint als das geeignetste für das Hilfswerk in Boryslaw und da auch unser Expräsident Br. Dr<-Koptstein demselben angehört, so empfiehlt der Referent, soweit wir eine Hilfe zu leisten vermögen, diese dem Beuthner Comite zuzuwenden. Indess die IO.ihm» Mark sollten für kulturelle Aufgaben in Galizien ungeschmälert aulbewahrt bleiben, dagegen ein Aufruf an unsere Logen zu Gunsten der Bergarbeiter in Boryslaw erlassen und der Ertrag desselben dem X. Distrikt zur Verwehdung überwiesen werden, denn alles, was von uns aus für Galizien geschieht, solle in voller Gemeinsamkeit mit dem X. Distrikt erfolgen. Redner bemerkt schliesslich^ noch, dass der Verein Ahawass-Zion alle unsere Logen um Spenden angehe, und sollte dem ein Riegel vorgeschoben werden, weil das, was dieser Verein anstrebt, sich mit den in der Grosslogensitzung zu Wiesbaden geäusserten Anschauungen nicht decke. Der Correferent Br. Heinemann ist der Ansicht, dass die Fragen l und 2 doch auseinander gehalten werden müssen, denn bei der einen handle es sich für uns allein um die Hergabe von Mitteln, bei der andern aber um Sanirung der Verhältnisse in Galizien. Den Vorschlag des Br. Dr. Maretzki, die Angelegenheit bis zu dessen Rückkehr von Lemberg zu vertagen, wolle er schon aus dem Grunde befürworten, weil ihm noch das Material zur Beurtheilung der Angelegenheit fehle, jedoch müsse er vor Zersplitterung der Kräfte, wie das häutig vorgekommen, schon jetzt warnen. Die zweite Frage ist von grösserer Tragweite und wird es sich in der Hauptsache darum handeln, Wie eine Centralisation aller Bestrebungen auf diesem Gebiet herbeizuführen möglich sei. Der Vorschlag des Expräsidenten Br. Plotke, sich besonders hierfür zu bemühen, verdiene volle Beachtung, es werde uns jedoch eine grössere Uebersicht über die Verhältnisse und ein sorgfältig ausgearbeiteter Plan vorgelegt werden müssen, bevor wir die ausgesetzten 10 000 Mark hergeben. Dass mit diesem Betrage in Galizien nicht viel geschafft werden kann, liegt auf der Hand und werde eine grosse Organisation ins Leben gerufen werden müssen, wenn überhaupt etwas Namhaftes erreicht werden soll. Br. Rosenstiel bekennt, dass er jetzt eine andere Ansicht über die galizische Frage gewonaen habe. Während er früher geglaubt, dass diese Angelegenheit eine Sache darstelle, welche die Oesterreicher allein angeht, sei er jetzt der Ansieht, dass bei der Lösung der galizischen Frage der Orden nach Kräften mitzuwirken habe. Auffallend sei es, dass die Juden Oesterreichs in dieser Sache bisher gar nichts gethan haben, auch die Grossloge daselbst behandle die Angelegenheit recht dilatorisch. Br. Dr. Hammerschlag plane die Errichtung dreier Vereine zu Gunsten der Galizier und zwar eines österreichischen, deutschen und amerikanischen, und äussert sich Redner dahin, dass, wie auch die Organisation gegliedert sein möge, sie unter die Leitung des Organs zu stellen sei, und dass diese Organisation sich nicht allein auf die Mitglieder des Ordens zu erstrecken, sondern die Juden aller Länder zu umfassen hätte. Das Comite in Ober-Schlesien habe Grosses geleistet und sich hieran Br. Dr. Kopfstein hervorragend betheiligt. Es seien Notabein-Versammlungen abgehalten, namhafte Beträge gesammelt worden, und besteht die Aussicht einer noch grösseren Anzahl Boryslawer Arbeiter Arbeit zu verschaffen. Das Beuthner Comite habe aus den gesammelten Beträgen in Boryslaw wöchentlich looo Mark vertheilt, jetzt aber sind die Mittel erschöpft und da ohne die Hülfe des Beuthner Comites die Boryslawer Arbeiter thatsächlich verhungern müssten, so kann es gar keiner Frage unterliegen, dass auch wir eine Verpflichtung haben, hier mit unserer ganzen Kraft einzutreten. Trotzdem kann sich Redner mit der Anregung des Br. Maretzki, einen Aufruf an unsere Logen zu erlassen, nicht befreunden, denn damit würde das Interesse unserer Kreise für Galizien nur abgeschwächt werden. Er schlage vor. aus den bewilligten 10 000 Mark 3000 Mark für Boryslaw abzugeben und diese an das Beuthner Comite unverzüglich abzurichten. Demgemäss stellt Br. Rosenstiel folgenden Antrag:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.