Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 7 - September
- Date
- 1899-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir halten wiederholt Gelegenheit, bei feierlichen stallationen und grösseren Einführungen die Wirkung Rituals zu erproben und konnten constatiren, dass die. 85 .— Indes Zuhörer, namentlich die Neueingeführten, von der eigenart gen Schönheit der Sprache und Gedanken ergriffen waren, und das Interesse von Anfang bis zum Ende wach gehalten wurde Ich erinnere hier nur an die verschiedenen Installatio len, wo eine besondere Auswahl bezüglich der amtirenden Präsidenten getroffen wurde. — Es ist allerdings nicht Jedersmans Sache, gerade leine Einführung mit Geschick, Würde und Verständniss zu;iller Zufriedenheit auszuführen. Es kann Jemand die hervor ragendsten Eigenschaften und Fähigkeiten als Präsident besitzen und doch gerade in diesem Punkte versagen. Und darin wird für alle Zeiten die Schwierigkeit bestehen, denn viele Präsidenten, die sonst jeder Loge zur Zierde gereichen, werden nicht immer in der Lage sein, die Erwartungen zu erfüllen, welche an eine gute und zweckmässige Einführung zu stellen sind. Ich hoffe, in meinen Vorschlägen, die ich zum Schluss meiner Betrachtungen machen werde, einen Weg gefunden zu haben, um diesem Üebelslande abzuhelfen. Denn es. kommt unendlich viel darauf an, welche Eindrücke der Candidat bei seiner Einführung empfängt, wenn < r in andachtsvoller und feierlicher Stimmung vor den Stuhl'des Präsidenten geführt wird, um die Lehren über den Zweck und die Tendenzen des Ordens zu empfangen. Dieser Eindruck muss für alle Zeit ein bleibender sein! Ob ei die Logen später häufig oder garnicht besucht, jedenfalls muss der Eindruck, den er bei seiner Einführung empfanger, in seiner Erinnerung fortleben. Und darum kann dieser wichtige Akt garnicht vornehm und feierlich genug ausgestaltet wei den, Nachdem das geänderte bezw reformirte Ritual ungefähr 8 Jahre gute Dienste geleistet, wird wiederum ein neues Ritual verlangt. Schon damals hiess es, dass es nicht möglich sein würde, ein neues Werk zu schaffen, das den Beifall aller Brüder haben würde. Es waren wieder diese Iben Gründe wie das erste Mal, weshalb etwas Neues ver angt ■wurde, nur trat der besondere Wunsch hervor, die Einführung noch feierlicher, für den Candidaten möglichst überraschender und imposanter bezw. eindrucksvoller zu mac hen. Gern hätte man sich die hochdramatischen Einführuigen der Freimaurer und Odd Fellows zum Muster genomnen, allein dies war aus verschiedenen Gründen nicht mehr nöglich, Gründe, auf die ich nicht näher eingehen wil|, die aber schliesslich darin gipfelten, dass wir keine Rückschritte machen dürfen. Das nun von Neuem erwählte Comrle hat dem Ger eral- Comite einen Entwurf unterbreitet, welcher schliesslich von der G. L. nicht angenommen wurde. Die in diesem Entwurf vorgeschlagene Dreitheilung der Einführungs-Funktionen wäre an sich nicht zu verwerfen, wenn der beabsichtigte Zweck, die Aufmerksamkeit und die Eindrücke des Candi- 'daten zu fesseln und zu steigern, damit erreicht w<trden könnte. Dies geschieht aber nicht,- weil erstens inser ganzes Ritual sich wesentlich von dem der Freimaurer und Odd Fellows unterscheidet und zweitens unser Ritual an sich der hochdramatischen Form entbehrt, vielmehr modern und zeitgemäss gestaltet, auf die Wirkung des Wortes berechnet ist und jedes scenische Beiwerk^ wie es be den Anderen gebräuchlich, verpönt. Ausserdem laber hat man nicht die Sicherheit, dass "die Mitwirkenden in der Lage sind, durch ihren Vortrag eine Steigerung hervorzubringen, es kann vielmehr leicht der Fall -eintreten, dass ein mit wenig Talent für Vortragskunst ausgestatteter Präsident die vorher empfangenen Eindrücke wesentlich abschwächt. Was nun den Inhalt des neuen Rituals anlangt, so muss ' ich bekennen, dass ich ,in demselben keine Verbesserung des alten Rituals finde, eher, eine Verschlechterung. Es ist mir nicht möglich, auf die einzelnen Punkte näher einzugehen, weil ich das alte Ritual zum Vergleiche nicht zur Hand habe*. Vor allem aber wilf es mir nicht gefallen, dass bei der ersten Ansprache sofort auf den Antisemitismus hingewiesen wird. Wer unserm Orden beitritt, wird sich vorher genau informirt haben und auch über die Gründe sich klar geworden sein, warum wir nut Israeliten vereinigen. — Für einen Vortrag, um neue "Candidaten zu gewinnen, mag dieser Rückblick auf unsere Vergangenheit sich wohl sehr gut eignen, aber in die Einführung gehört dieses nicht. Dje; - ganze Einführungsrede muss', in einer schönen tprmvoUen Sprache gehalten sein,-die darin .entwickelten Gedanken dürfen nicht mit alltäglichen Fragen sich beschäftigen, vielmehr in schwungvoller Weise |auf the hohen Ziele^ des Ordens hinweisen: echtes und wahres Menschenthum zu üben. ■— *;„«'- / ..; . .)". - Diesen Anforderungen kömmt das neue Ritual weit weniger nach als das alte und carüm bin ich dafür, dass wir es bei dem bisherigen Ritual "bewenden lassen oder allenfalls kleine Verbesserungen c aran vornehmen denn was wir auch Neues schaffen, es wird immer Stückwerk bleiben und nicht die Zeit überdauern, es sei denn, es findet eine völlige Umwälzung und- Aenderung statt oder es werde etwas ganz Ausserordentliches geschaffen. Sonst sollte man überhaupt keine 'Aen.de rungen an dem bestehenden Ritual vornehmen Sowohl, die I'reimaurer als auch andere ähnliche Körperschaften halten m V weiser Festigkeit an den überlieferten Gebräuchen fest urd'man hat die Erfahrung gemacht, dass in diesem Falle da s Festhalten an bewährten Ueberlieferungen besser ist als fortgesetzte Versuche mit Neuerungen. Als einen offr grösstcuv Fehler betrachte ich es, wenn dem Präsidenten.gestattet wird, das bestehende Ritual unbeachtet zu lassen und "mit Umgehung desselben in einer besonderen EinfÄnrungsrede seine eigenen Ideen zum Besten zu geben. Sö> anerkennenswerth und so gut gemeint eine derartige Arbeit auch sein mag, so darf die G. L. dieses doch nicht' gestalten, denn wenn man dem Präsidenten nach dieser Richtung hin freie Hand und freies Wort Hesse, so könntenfdoch recht unliebsame Erfahrungengemacht werden und. die Ördensgrundsätze mitunter eine Auslegung erhalten, die; unseren Prinzipien' entgegenläuft. Indem ich' nochmals betone, dass ich ein weit grösseres Gewicht darauf lege, die Einführung »äusserlich so feierlich und formvoll als nur irgend-möglich auszugestalten, als eine vorübergehende Aenderung an\ dem Wortlaut der Einführungsrede vorzunehmen, erlaube ich mir nachstehend folgende Vorschläge zu machen: 1. Das bisherige Ritual wird ~ beibehalten, vorbehaltlich einiger zweckmässig erscheinenjien Aenderungen 2. Jeder Präsident ist verpflichtet,, darauf zu achten dass die Einführuhgsrede ohne - Aenderung vorgetragen