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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-09-01 · Nr. 7 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 7 - September
Date
1899-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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sittlichen Gehalt, nein, der alten Mahnung der Männer der Synagoge Magna sei hier gedacht: „Stellet viele Schüler aus, aber sorget dafür, dass sie nicht das Gehege der Thora, Tugend und Sitte, durchbrechen". So erhebe ich denn meine Hände zu Gott, dem Spender alles Guten; zu dem Hüter Israels, der auch in den traurigen Zeiten unserer Geschichte nicht geschlafen und nicht geschlummert hat, zu Gott, der den Bau dieses Hauses uns gelingen und seine Vollendung Uns erleben liess. In seinem Namen weihe ich dieses Haus zu einem jüdischen Lehrlingsheim. Und Gott sei mit den Zöglingen, die in diesem Hause gebildet, erzogen und zu einem ehrbaren Handwerk angeleitet werden Mögen sie sich durch Gehorsam, Eleiss und Pflichtgefühl stets auszeichnen und. neben Verträglich- . , » . - keit untereinander, stets aut Ordnung und Pünktlichkeit halten und draussen im Leben, wenn, das Thor des Heims sich hinter ihnen schliesst, nie vergessen, was sie der Anstalt schulden. Möge Gott den Krziehern in der Lösung ihrer Aufgabe zur Seite stehen und das Werk der Erziehung ihnen gelingen lassen: möge Gott mit 'dem Vorstande des Hauses, der kaum Geahntes und Erhofftes in der Vollendung dieses Hauses erzielt hat. gehen, und ihm noch zahlreiche Freunde und Förderer des gemeinnützigen Werkes zuführen-: möge Gott Alle segnen, die mitgeholfen haben, die Anstalt in s Leben zu rufen. Dieses Haus sei und bleibe' eine Stätte, an der die sittliche Bedeutung der Arbeit den Zöglingen klar gemacht, an der der Charakter der Pfleglinge zur Ausdauer und Beharrlichkeit gefestigt, an der endlich Religiosität und Gottesfurcht, jüdische Sitte und Sittenlehre, Vaterlandsliebe und Gehorsam gegen die Obrigkeit den Lehrlingen eingeprägt werden! Und die Huld des Ewigen unsres Gottes komme über uns. und das Werk unsrer Hände gelinge, und das Werk unsrer Hände lasse er gelingen. Amen. Das neue Ritual. Von der Grossloge aufgefordert, sich darüber zu äussern, was an dem Entwurf zum neuen Ritual geändert oder von demselben beibehalten werden solle, haben mehrere' Repräsentanten zur Grossloge Vorschläge gemacht, die gewiss im Ritual-Comite volle Würdigung finden werden. Die Ausführungen des Br. Siegmund Haagen zu dieser Frage aber sind von allgemeinem Interesse und wohlgeeignef, in den Logen eingehend behandelt, zu werden. Deshalb möge hier die Zuschrift, des Br. Haagen Platz finden. Dieselbe lautet.: ..Vor ungefähr 1<> Jahren stellte sich das Bedüfniss heraus, das erste Ritual, welches uns von Amerika überliefert wurde, zu ändern. I'nd zwar aus verschiedenen Gründen. Man hatte sich an den Wortlaut des ersten Rituals allzusehr gewöhnt, den Mitgliedern der einzelnen Logen, welche damals fast regelmässig die Sitzungen besuchten und namentlich bei den Einführungsabenden zugegen zu sein sich verpflichtet hielten, sollte etwas Neues und Besseres geboten werden, um ihre Aufmerksamkeit und ihr Interesse mehr zu fesseln. Denn schon damals, nachdem der erste Enthusiasmus geschwunden und der Besuch der Logensitzungen schwächer gewor-den, sann man auf Mittel, wie der Logenbesuch zu heben sei. und da fand man denn, dass es von grosser Wichtigkeit wäre, ein neues, verbessertes Ritual anzuschaffen. Amerika, welches vordem an dem für alle Logen einheitlichen Ritual nichts geändert wissen wollte, gab bereitwilligst seine Einwilligung. Hauptsächlich sollte das Einführungsritual eine Aenderung erfahren, wovon man sich sehr viel versprach. Man fand, dass die Sprache des alten Rituals allzusehr daran erinnert«, dass es aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt. Verschiedene Ausdrücke, ungewohnte Satzbildungen sollten entfernt werden, aber auch einzelne Gedanken und Citate fanden nicht den Beifall einiger Expr. Die wiederholte Erinnerung an .die heilige Mission Israels* fand man nicht zeilgemdss " Ferner war die Einführungsart vielen Expr. zu lang, sie sahen sich genöthigt, ganze Seiten zu streichen, wobei es selbstverständlich vorkam, dass die Rede des Zusammenhanges entbehrte und dadurch für den Candidaten noch unverständlicher wurde. Endlich aher gab es Präsidenten, denen es überhaupt unangenehm war, eine vorgeschriebene Rede abzulesen, zumal sie religiös auf einem ganz freien Standpunkt sich befindend, es als .einen Gewissenszwang empfanden, den neuen Candidaten etwas vorzutragen, woran sie selbst nicht glaubten. — Die Folge war, dass die Einführung im schnellsten Tempo, ohne Ausdruck und ohne Empfinden in gleichmässigem Ton heruntergeleiert wurde, so dass schliesslich sowohl Präsident und (Kandidat, wie auch die zuhörenden BBr. glücklich und froh waren, wenn die Sache zu Ende war. Allerdings gab es auch Ausnahmen. Verschiedene Expr. bezw. Präsidenten Hessen es sich besonders angelegen sein, den Einführungsabenden eine besondere Weihe zu verleihen, indem sie ihre Aufgabe mit Würde und Geschick lösten und sich vermöge ihrer warm empfundenen Vortragsweise die Aufmerksamkeit ihrer'Zuhörer sicherten. Solche Einführungsabende waren stets sehr besucht und verfehlten niemals, den nachhaltigsten Eindruck zu hinterlassen. Man fand, dass man in dem Inhalt der Einführungsrede, wenn sie wirkungsvoll vorgetragen wird, alles dasjenige hineinlegen kann, worauf es bei der Einführung wesentlich ankommt. Und hierin Hegt das ganze Geheimniss. Man schritt also zur Veränderung bezw. zur Verbesserung des alten Rituals. Es wurde ein Comite gewählt, und es wurde nach vielen Sitzungen ein neues Ritual geschaffen, wobei unser damaliger Gr.-Pr. Br Maretzki ein ganz besonderes Verdienst sich erworben, da er sich dieser schwierigen Aufgabe mit ganz besonderem Eifer und Geschick gewidmet hat,1 zumal die meisten neuen Zusätze sein eigenes' Werk waren. Das neue Ritual lehnte sich an das alte an. Es war kein neues geschlossenes Werk, sondern nur eine Erweiterung und theilweise Modernisirung der in dem alten Ritual enthaltenen Formen und Gedanken. Ich muss sagen, dass die damals gestellten Anforderungen an das neue Ritual erfüllt schienen, und alle damit zufrieden waren. Ich selbst hätte gern noch einige mir Heb gewordene Abschnitte, welche in stimmungsvoller Weise das alte Werk schmückten, in das neue Ritual mit hinübergenommen, aber im Allgemeinen befriedigte das neue Ritual vollkommen. Es versetzte die Candidaten in eine andächtige Stimmung und war darauf berechnet, die Aufmerksamkeit des Zuhörers in steigender Folge den ihm vorgetragenen Gedanken zu fesseln.

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