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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 6 - August
Date
1899-08-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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/ Rundschreibens und die Erlangung einiger wichtiger UnUrschriften — solcher, auf die es uns für Galizien ankam — zu übernehmen. Wegen der Londoner und Pariser Unterschriften war 1897 Herr Dr. Ernst Tuch während sein Aufenthaltes in diesen Städten thätig. Mancherlei Hindernisse stellten sich längere Zeit der Verbreitung unseres Rund Schreibens entgegen, bis unsere Krakauer Brüder sich der Sache annahmen. Der Aufruf wendet sich in erster Linie an die Rabbinen und Vorstände der galizischen Gemeinden und trägt die Unterschriften von neuen Oberrabbinern und Rabbinern in Wien, Berlin, Hamburg, Paris, Rotterdam, Breslau, Halberstadt, Bottuschan und Lemberg, sodann d ejenige,n der Mitglieder des Comites der Grossloge VHI Distrikts U. O. B. B. Es folgen, als Mitglieder des Herren- Comites der Jewish Association tor the Protection of Girls and Women in London, die Namen dieser acht Herren, dann * der des Präsidenten des Verbandes der Israelitischen Humanitäts Vereine Bnei Briss für Oesterreich und des Präsidenten c es Distrikts IX. „Zion" U. O. B. B. in Rumänien. — Die wdg1. Solidaritas in Krakau lügte ihrerseits ein in hebräischer Sprache abgefasstes, sehr eindrucksvolles Circulär hinzu und versandte beide Aufrufe an etwa 500 Rabbinen und Gemeindevorstände in Galizien. Die solchergestalt von Krakau aus über ganz Galizien eingeleitete Bewegung wird hoffentlich zu einem wesent liehen Faktor in dem Rettungswerke werden, zu dem jetzt von Seiten unseres österreichischen und deutschen Distrikts die Initiative ergriffen werden soll. Die Einsicht ist bei uns sehr rasch gewonnen worden, dass wir im Kaftismus und in der Prostitution bei unseren osteuropäischen Stammesgenossen einen Theil der mannigfachen Wirkungen des politischen, sozialen und wirtschaftlichen Druckes zu erblicken haben, durch den sie herzzerreissender Erniedrigung verfallen. Daher würde die Gegenwirkung machtlos sein, wenn sie nur gegen die Resultate, gegen die Erzeugnisse ier systematischen Verfolgungen sich wendete, nicht aber die ökonomischen und sittlichen Daseinsbedingungen der elend verkommenden Bevölkerungsschichten zu ändern trachtote. Es ist von der österreichischen Grossloge ein umfassender Arbeitsplan zu diesem Zweck entworfen worden; die deutsche Grossloge bat ihre Sympathie für dieses Unternehmen ausgedrückt, sowie dessen umfassende materielle Unterstützung beschlossen. Wahre Hülfe wird aber nur gebracht werden können, wenn überall in Galizien Logen unseres Ordens erstehen, die eine die dortige Judenheit erfassende Aktion begründen und auf diese Weise dem vom VIII. und X. Distrikt entworfenen Programm im Lande selbst den Sieg bereiten. — Die Unterschrift des österreichischen Grosspräsidenten unter unserem Aufruf, das Rundschreiben per Solidaritas und die Versendung beider Drucksachen durch die Krakauer Brüder bilden hierfür wichtige Etappen. Allein die Erkenntnifs, dass es einer gewaltigen, umfassenden Bewegung, eines dauernden Eingreifens bedarf, macht das Verständniss für die Einzelerscheinungen und'die Bekämpfung auf den Einzelgebieten nicht etwa überflüssig, sondern fordert sie vielmehr geradezu heraus. Deshalb war es für unser Comite auch eine hervorragende Pflicht. Einblick in das Wesen, den Charakter des Kaftismus und das Schicksal der weissen Sklavinnen zu gewinnen. , Das Mitglied unseres Comites, Br. Deutschländer, war hieibei besonders unserer >ache förderlich, indem wir durch seine Vermittlung ein aus brasilianischen Polieeiquellen geschöpftes Werk erhielten, das alle Seiten der Gemeinheit, Niedertracht, Verworrenheit des -Kaftismus aufdeckt. Br, Tuch hat darauf die Haupttheile dieses Werkes aus - dem Portugiesischen übersetzt. Das wichtig* Materini Hessen wir drucken und händigten es, wie schon erwähnt* "dem'G.-C., etlichen Repräsentanten, den Unterzeichnern unseres Aufrufs, unsern Sub-Comites und Mitarbeitern in ""den verschiedenen Städten ein. —r; Ü -.*•":'-•"' Die Studien, die wir hierbei und, die wir ausserdem anstellten, brachten uns in den Besitz von etwa KX) Namen der berüchtigsten jüdischen Mädchenhändlert ihrer Herkunft, ihrer Methoden und was sonst .damit zusammenhängt. — Wenn es sich bei den Seelenverkäufern um solche Zahlen handelt, so wird man schon hieraus"' -sich eine Vorstellung machen können, wie nach vielen Tausenden die unglücklichen Mädchen zählen, die elendiglich zu Grunde gehen und wegsterben. Die sehr umsichtige und um das "Heil der Mitmenschen rastlos wirkende National-Vi'gilance-Association in London hatte erkannt, dass die Verfolgung des Kaftismus nur mit internationalen Hülfsraitteln sich bewerkstelligen lässt. Diese Gesellschaft hat bei den .verschiedenen Regierungen und bei philantropischen Verbindungen, es zu Wege gebracht, dass die unter Aufwendung grosser Kräftanslrengungen in den einzelnen Ländern i wirkenden Verbände und Vereine zu einem internationalen Congress zusammentraten. «Nach mancherlei Vorverhandlungen mit unsern Freunden von der Jewish-Association, der National:Vigilance-Association und deren überaus verdienstvollen Sekretär, Mr. Coote, sowie einer Besprechung unserer .(Jqmite-Mitglieder: BBr. Dr. Maretzki und Tuch mit dem •.Vertreter* des deutschen Central-ComiU-s, Herrn Pastor Burckhärdt in Berlin, und etlicher hieran sich schliessefjder Gorrespondenzert erfolgte auch unsere Einladung zum Congress in offizieller Weise mit den gleichen Berechtigtingen, wie sie den Delegirten des deutschen Central-Comites ertheilt waren. Der Londoner Congress'vom 21., 22. und 23. Juni d. J. ist nicht nur von grundlegender Bedeutung für die besondere Frage des Mädchenhandels geworden, ^sondern er bedeutet auch einen .wichtigen Akt inder ethischen Aufrichtung und Gestaltung der menschlichen "Gesellschaft und des Verhaltens der beiden Geschlechter zu, einander. Er wurde zu ieinem bedeutsamen Protest gegen die-jConnivenz und die breite Prahlsucht mit dem Thierischen amr Menschen. Sodann aber wird aus ihm ein entschiedenes Hemmniss gegen die physische Verseuchung, der ein ' sehr grosser Theil der Menschen unterliegt, hervorgehen. Höffen wfir, dass aus ihm für Regierungen und Völker eine genauere Einsicht darüber sich eröffnet, «tss zwischen-dem verzweifelten ökonomischen Tiefstand und den Lastern und Verbrechen gewisser Volksschichten eine bedauerliche VVeichselwirküng sich nothwendig ergeben muss! 1 Da die deutsche Kaiserin, der Kaiser von Russland, die Königin von Schweden der.Berufung des Congresses ihre Sympathien zugewendet hätten, 'so ".trat von vornherein zweierlei in die Erscheinung. 1:) Etliche Regierungen erklärten ihre Bereitwilligkeit,- ölliziell auf dem Congresse sich vertreten zu lassen. Auf Wunsch der. englischen Regierung

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