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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 6 - August
Date
1899-08-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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"Frechheit der Bande gelangten zu unserer'Kenntniss, Sie schleichen sich als Vertreter der bestrenommirten Vereinigungen in angesehene Kreise und Gesellschaften ein. Sie sandten deutschen Zeitungen wieder und wieder Berichte mit der Absicht, die argentinischen Kolonien in Unordnung und Verfall zu bringen, um beim Gelingen des Plans weibliches Material nach Buenos Aires. Rio usw. für ihre unlauteren Zwecke erlangen zu können. Es wurde' auch lestgestellt, dass die Händler sich die Xamen wohlwollender, religiöser und philantropischer Gesellschaften beilegen, als ob sie' selbst dem Schutze jüdischer-Frauen und Mädchen sich widmeten. Unter dieser Verkleidung haben sie wiederholt als ,Unterstützungsverein". „Israelitischer Tempel-' Anerbietungen gemacht, in dem Werke der Bekämpfung des¬ Mädchenhandels mitarbeiten zu wollen. Deshalb hat unser Corhitc anfänglich sein Hauptaugenmerk darauf gerichtet. 1. seine Organisation nach Kräften zu vervollständigen und 2. einen Einblick in das Gesammtgretriebedes Handels mit weissen Sklavinnen und des „Ka:tismus". wie man in gewissen Theilen Südamerikas das widrige, schändliche Verhalten bezeichnet*), zu gewinnen. — Beide Aulgaben wurden in möglichster Stille durchgeführt. Die Organisation ist inzwischen über eine Reihe von Städten und Hafenplätzen Deutschlands und des Auslandes ausgedehnt worden. Besonders werthvoll wurde uns die Verbindung mit den Londoner Herren von der Jüdischen - Gesellschaft zum Schutze von Mädchen und Frauen, die durch Vermittlung unseres Expr. Br. Plotke (Frankfurt a. M.) hergestellt worden war. und im Laute der Jahre zu einem immer regeren Austausch tührte. Im Jahresbericht dieser Gesellschaft für wird die Zahl der Fälle, in denen sie gegen Kaftismus auftrat mit 8 in 1896,-dann 23 in 1897 und 44 in 1898 angegeben. Diese Zahl - hejsst es im Bericht — bildet nur einen kleinen Bruchtheil der allein in London während des Jahres vorgekommenen Fälle des Mädchenhandels: indess die übrigen entzogen sich unglücklicherweise der Ver.olsrung. Ausserdem hat die Gesellschaft das Vorbeugungswerk energisch und systematisch aufrecht erhalten. Die Hafen-Agenten der Gesellschaft begaben sich während des Jahres auf 37 i in der Themse oder in den Docks angelangte Dampfschiffe. Diese Dampier brachten 11836 Zwischendeckspassagiere, die sich grösstentheils aui dem Wege nach Süd-Afrika und Amerika befanden. Darunter wurden 364 unbeschützte Mädchen angetroffen, deren sich die Gesellschaft annahm. Unter dieser Zahl waren 41 christliche Mädchen, denen die Association bereitwilligst alles in ihren Kräften Stehende gewährte, bis sie ihren . Freunden oder der ,Travellers Aid Society* überwiesen werden konnten. — Mit dem Worte „unheschützt" will die Gesellschaft andeuten, dass die Mädchen allein, unbekannt mit den Sprachen und Sitten des Landes reisten, und was r-chiimmer ist: ohne Kenntniss der Gefahren, die sie im Hafen erwarten. Männer und Frauen sind anden Ufern und Landungstreppen auf der Lauer nach solchen Mädchen. Durch alle Arten falscher Vorstellungen gewinnen sie ihr Vertrauen. Unter dem Vorwande, sie sicher nach ihrer Bestimmung oder nach den Oceandampfern führen zü wollen, „Karten* i<t in Brasilien der Begriff, der Mädchenhandler. Sklavenhalter. Zuhälter — alles zusammen — umfässt. bringen sie sie nach übelberüchtigten Häusern. Haben sie sie einrhal in den-Fängen, so ist ein Entkommen fast immer unmöglich. — Die Jewish Association hat in einer Anzahl englischer Häfen Subcomit<'-s eingesetzt und dehnt ihre Wirksamkeit nach Amerika und Afrika aus. Was unsere continentalen Verbindungen anbelangt, so legen wir besonderen Werth darauf, dass die Schwesterlogen uns zur Seite traten. Die wdg. Allemania in Stettin erfreute uns durch die Mittheilung, dass sie l) einen bestimmten Betrag zur Bekämpfung des Mädchenhandels in ihrem Etat ausgeworfen habe und 2i dass neben dem aus den Expräsidenten, BBr. Dr. Lewin, Dr. Freyer und Dr. Landsberg bestehenden Herren-Comitc ein Damen- Comite, dem Frau Dr. Vogelstein angehört, bereit sei. unsere Arbeiten zu unterstützen. Es gewährt uns besondere Genugthuung, dass. gleichwie die grosse Londoner Vereinigung jüdischer Damen (Vorsitzende: Lady Rothschild), auch in Deutschland zwei jüdische Frauen-Verbände sich des Schicksals ihrer unbeschreiblich elenden Schwestern' erbarmen, nämlich der Israelitisch-humanitäre Frauen-Verein in Hamburg (Vorsitzende: Frau Gustav Tuch) und das schon erwähnte Stettiner Comite. Aehnlich wie in Stettin, so ist auch aus der Mitte und unter den Auspizien der würdigen Solidaritas ein Subcomite unter dem Vorsitz der BBr. Dr. Herrn. Hirsch und Dr. Herrn. Brummer in Krakau erstanden. Gerade ein galizisches Comite wird von höchstem Nutzen sein können. Galizien ist das Centrum des Kaftismus und der Prostitution, was den Export anbelangt. Russland und Rumänien stehen, — die Ursachen hierfür sind augenfällig — zwar qualitativ und quantitativ, absolut und relativ nichts weniger, als hinter Galizien zurück. Aber da die Machinationen der Mädchenhändler oder Kalten, wie wir sie mit den Brasilianern hinfort nennen wollen, zur Umgehung der Strafgesetze überaus häutig, nachdem sie in einem Staate begonnen wurden, über einen zweiten und dritten hingezogen werden, So bilden galizische Ortschaften in solchen Fällen das Mittelglied. — Galizien wird von den drei meist verseuchten und verkommenen Ländern auch dasjenige sein, wo wir unsere Hülfsaktion noch am Unmittelbarsten werden eintreten lassen können, und bereits begonnen haben,, eintreten zu lassen. Was Russland anbetrifft, so fehlt uns bis jetzt jede Handhabe, ein Rettungswerk einleiten zu können; Es erübrigt uns nur, unserm tiefen Schmerze Ausdruck zu geben, dass wir zwar die gradezu unbeschreibliche Nothlage und ihre Ursachen klar erkennen, aber verurtheilt sind, nicht einmal zur Beseitigung der Wurzeln der Uebel hülfreich sein zu dürfen. — Und Rumänien? Nun, Russland erkennt seinen Hebräern immerhin noch die Staatsangehörigkeit zu; Rumänien beharrt aus Gründen der Unwahrhaftigkeit gegen eingegangene internationale Verträge darauf, ihnen auch dieses unveräusserliche Recht, so lange es eben geht, versagen zu dürfen. Die Krakauar »Solidaritas" und das von ihr eingesetzte Comite verdienen unsern wärmsten Dank für ihre Betheiligung an unserer Arbeit. Sie trat an erster Stelle bei dem von unserm Comite erlassenen Rundschreiben ein. Wir erachteten die Verbreitung eines in hebräischer Sprache abgefassten Circulärs in Galizien für einen unerlässlichen Schritt. Unser Comite-Mitglied, Expr. Br. Dr. Rosenthal, Breslau, hatte die Güte, die Abfassung des i

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