Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 6 - August
Date
1899-08-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4864325-6028956-6029360--0341-4864525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ästelung über alle Länder der Erde organisirt ist. — Wie entgegengesetzt die Meinungen über Regelung oder Fr?i gebung von debauche und Prostitution auch sein mög( n über die Verwerflichkeit des Sklavenhandels, der damit verbundenen Machinationen und Consequenzen besteht nur eine Meinung. Alle hierbei in Betracht kommenden Fragen sind von der Buchlitteratur in die Presse und in die Diskussion der Parlamente übergegangen. Auch Bundesrath und deut scher Reichstag haben sich wiederholt mit den bezüglichen Fragen der Gesetzgebung beschäftigt. Es geschah in eu er Weise, die es auch in unseren Kreisen als Notwendigkeit empfinden ' liess, auf die höchst wichtige und schwierige Frage einzugehen. . Im Jahre 1894 wurde von Br. Tuch im General-Comit und in der Grossloge die Sache angeregt. Doch war die Kenntniss der Sachlage so gering verbreitet, die Fühlung mit gleichstrebenden Gruppen noch nicht eingeleitet, die Hand habe zu positiven Unternehmungen noch so wenig vorhanden, dass es der vollen Glüth der Hingebung an die gestellten Ziele bedurfte, um mit nie ermattender Zähigkeit in 4er Arbeit auszudauern. Im Mai 1897 verschickte die Henry Jones-Loge an das G.-C. und die Schwesterlogen einen Schriftsatz, in dem es hiess: ,,Im Mai l8t>4 überreichte -die H. J.-L. dem G.-C. einen Antrag, betreffend den Mädchenhandel, so weit er durch Juden beschafft wird. Der s. wag Grosspräsident sprach den Wunsch aus, dass vor weiterem Vorgehen die Errichtung des Verbandes der österreichischen Humanitäts-Vereine abgewartet werden möge. — Im April 1896 erliess der preussische Minister des Innern eine War nung gegen Lazar Schwarz und Genossen. Diese Warnung wurde von der H. J.-L. dem s. wdg. Grosspräsidehten über mittelt. Die H. J.-L. stellte darauf zur Grosslogen-Sitzung in Frankfurt a: M. 1896 ihren' Antrag. Der Antrag kam nicht zur Verhandlung, da der Grosspräsident erklärte, die Initiative ergreifen zu wollen. Dies ist geschehen dufch Verwendung beim Präsidenten des österreichischen Verbandes. Auf der Delegirten - Conferenz der beiden Distrikte am 12. Juli 1896 erklärte Br. Dr. Hammerschlag, aus uns^rn Bestrebungen auf diesem Gebiete nicht Vielversprechendes erwarten zu können. Nichtsdestoweniger habe er die Sache in die Wege geleitet; er sähe Berichten entgegen. — pa nunmehr andere Kreise mit wachsender Thatkraft vorgehen, so ersteht für uns Juden die Pflicht, voll und ganz sich der Bewegung hinzugeben. Die H. J.-L. beantragt beim geschäftsführenden Ausschuss, mit thunlichster Beschleunigung alle in dieser Angelegenheit irgend welchen Erfolg verheisseriden Massnahmen zu treffen;" — Die Sache gelangte dann wieder an die Grossloge. In der Sitzung vom 10. Mai 1897 beantragte Br. Tuch die Einsetzung eines sofort zu erwählenden Spezial-Comites, für dessen Geschäftsführung eine Reihe von Vorschlägen dem Antrage beigegeben war. Auf Antrag des Repräsentanten Dr. Kaufmann 1 Heidelbejrg) beschloss die Grossloge: „Einsetzung eines sofort zu wählenden Spezial-Comites zur Bekämpfung des schmachvollen Mädchenhandels, soweit er etwa durch Juden betrieben wird. Hierfür wird ein Credit bis zu M. 1000,— eröffnet. Die übrigen Punkte des Antrags Tuch werden diesem Comite als schätzbares Material überwiesen." Dem sofort ernannten Comite gehören seitdem die Mitglieder an, die in der Grosslogensitzung vom 21. Mai d, J. aufs Neue bestätigt. wurden .und die-„2uvor genannt worden sind. ' .' V- Nunmehr endlich'war der Boden gewonnen, auf, dem es galt, rastlos und unbeirrt an, einem Werke zu arbeiten, dessen Tragweite damals noch gar nicht einmal überblickt werden konnte und von dessen Grösse sich das Verständniss Allen, die in seinem Dienste standen" und stehen, sich in dem Grade erschloss.' als sie selbst .zu' grösseren Zwecken in ihrer Arbeit emporwüchsen und. erstarkten. Sicherlich wäre in der langen Wartezeit von' .1*94—1SQ7, in der alles Bemühen vergeblich erschien, es -leichteTgewesen, mit einer Anzahl ernster und Ihatbereiter Männer die ersten Erfolge zu erzielen und rasch nachzuweisen.; Allein abgesehen davon, dass es einem Mitglied' unserer Brüderschaft immer als nächstliegende Pflicht gelten wird," die Gesammtjudenheit betreffende Angelegenheiten von unserm Orden aus. in die Wege zu leiten, drang sich immer wieder die Erwägung auf, dass in zweien der hauptsächlich in»^PtT^cht kommenden drei Länder (Russland; Oesterreich," Rumänien), Grosslogen bestehen, deren mitsammt.* der ihnen nachgeordneten Schwesterlogen Mitwirkung; auf die Dauer nicht entbehrt werden kann. Die Richtigkeit' dieser Erwägung trat um so schärfer und deutlicher hervor, "je mehr erkannt wurde, dass die Verfolgung von Mädchenhandel und erzwungener Prostitution nur einen Theil einer noch umfassenderen Aufgabe bildet. In der That,. so weit es die " jüdischen Opfer der schmachvollen Erscheinungen' betrifft, mit denen wir uns hier beschattigen, haben Wir esmit den Wirkungen von Verfolgungen zu thun, denen unsere Stammesgehossen in den eben erwähnten Ländern wieder ujW wieder ausgesetzt sind. Die Abwendung solcher allgemeinen,, ganze Körperschaften umfassenden*" ethischen, sozialen und. wirtschaftlichen Verkümmerung : kann aber nur von einem Bünde, wie es der Bnei Briss Orden ist. herbeigeführt werden. Denn dazu bedarf es der Arbeit nicht .hur von Jahren und Jahrzehnten, sondern solcher von autrechter Dauer. Das noch so energisch aufgenommene Werk einer Anzahl zu einem bestimmten Zweck, zusammentretender Männer besitzt diese Gewähr des Fortbestehens' nicht; die Einzelnen schwinden früher oder später dahin. Unser Orden aber ist über vjele Länder verbreitet und, für seine Dauer besteht eine grössere Sicherheit, gleichwie sie der Stammesgenossenschaft verliehen ist, aus der er hervorging. In ihm werden immer aufs Neue Träger der Ideen, die er hochhält, erweckt werden und die Förderung dieser Ideen fortsetzen. Das Comite zur Bekämpfung des Mädchenhandels hat sofort nach seiner Berufung sich energisch an die Arbeit gemacht. Bald ergab sich die Notwendigkeit der Hinzuziehung eines Bruders als Schriftführer. Mehrfach erfolgte die Einladung auch der auswärtiger! Mitglieder nach Hamburg. Im Uebrigen musste die Verständigung über die vorliegenden Materien auf schriftlichem-Wege er folgen. — Die Schwierigkeiten beim Arbeiten wurden dadurch vermehrt; dass Alles aufgeboten werden sollte, zu verhindern, dass die Mädchenhändler von vornherein auf unser Comite aufmerksam gemacht würden. Der mit. grossen Geldmitteln ausgerüstete Klüngel, der überall, insbesondere in Hafenstädten seine Agenten unterhält, sich überall einzudrängen sucht, würde eicht über die gegen ihn beabsichtigten Schritte vorzeitig unterrichtet werden können. Sehr' drastische Fälle über die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.