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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 6 - August
Date
1899-08-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 70 — mögen die Brüder immer mehr erstarken im Dienste für die Ordensideen, in dem Glauben an die gute Sache. Möge das neue Jahrhundert sich einführen als das tief ersehnte Zeitalter des politischen, religiösen und sozialen Friedens für alle Menschen aller Welten! Ansprache des Grosspräsidenten Bruder Tiemendorfer an die Vertreter zur Grosslogen-Sitzung 1899. .Es ist das erste Mal, dafcs ich als Grosspräsident eine Giossloge eröffne und ich möchte der Gewohnheit meines würdigen Amtsvorgängers nicht untreu werden, dieselbe mit einer Ansprache zu eröffnen. Das erste Gefühl, das uns Alle bewegen muss, ist das des Dankes gegen die Nassau-Loge für die liebenswürdige Einladung in ihrer an Nat.urscliönheiten und historischen Merkwürdigkeiten so reichen Stadt die Grosslogeusitzung abzuhalten und nach des Tages Mühen mit den lieben Brüdern der Kassau-Luge und ihren Angehörigen gemüthlich zusammenzubleiben. Wir sind Alle gern dieser Einladung gefolgt und das Gefühl der Freude und des Dankes wird auch nicht beeinträchtigt durcli den Widerspruch, der sich gegen den diesbezüglichen Beschluss des General-Comites erhoben hat. Denn dieser Widerspruch war nicht persönlicher, er war prinzipieller Natur. Vielleicht wird die Grossloge daraus die Consequenz ziehen, daran festzuhalten, dass der Ort für die nächste Grosslogensitzung immer durch die Grossloge selbst bestimmt wird oder die Wahl des Ortes vielleicht einem besonderen Ortsausschuss zu überlassen. Alle Bedenken wegen, der Unbequemlichkeit für die Einzelnen, alle Bedenken finanzieller Natur müssen unbedingt zurücktreten gegen den Zweck, durch Abhaltung der Grosslogensitzung an verschiedenen Orten die Zusammengehörigkeit des ganzen deutscheu Distrikts immer mehr y.u festigen, und das Band zwischen Ost und \\>>t. zwischen Nord und Süd zu einem einigen, unzerreissbaien zu knüpfen. Vielleicht aber ergiebt eine" sachliche und leidenschaftslose Aussprache, dass dieser Zweck am ehesten dadurch erreicht wird, dass ein für alle Mal die Sitzung der Grodgtoge im Mittelpunkt Deutschlands, in der Hauptstadt des deutschen Reiches stattfindet. Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Besuch der heutigen Sitzung tür eine Anzahl der Mitglieder der Grossloge ein grosses < )pfer bedeutet; um so erfreulicher ist die Anwesenheit so vieler Expräsidenteu» Freilich der Blick trübt sich, wenn man diejenigen nicht sieht, die man lange Jahre hindurch gewohnt war an ihrem Platz zu sehen, und wenn man weiss, däss man sie nie mehr wiedersehen wird, weil sie dahin gegangen sind, von wo es eine Bückkehr nicht mehr giebt. Aus dem Berit ht des General-Comites haben Sie 'ersehen, dass wir während der Berichtsperiode den Tod der Expräsidenten Dr. Heinemann. Dr. Stein, Isaac Frey, Benjamin Liebmann, Isidor Gutmann. Simon Schiff zu beklagen haben. Wahrlich, ich darf nur die Namen nennen, um in uns Allen das Gefühl der Trauer zu erregen resp. neu zu er wecken, das uns bei der Kunde von ihrem Ableben nahe treten musste. Ich bitte Sie, das Andenken der lieben Verstorbenen durch Erheben von Ihren Plätzen zu ehren. Als ich im vorigen Jahre das ebenso ehrenvolle wie zeitraubende und verantwortungsreiche Amt übernahm, konnte ich Ihnen nur meinen guten Willen versprechen. An den Fähigkeiten, ein würdiger Nachfolger meines lang bewährten Amtsvorgängers zu werden, hätte es wohl den Meisten von uns gefehlt. Und wenn wir trotzdem auf ein nach jeder Richtung hin befriedigendes Jahr zurückblicken, so liegt dies daran, dass alle Organe ihre "Schuldigkeit 'gethan haben. Hierfür spreche ich Allen meinen Dank aus. Ich habe allen ('omiies der Grossloge zu danken, ich habe den Mitgliedern des General-Comites zu danken, und ich habe in noch erhöhtem Maasse den Mitgliedern des geschäftsführenden Ausschusses zu danken. Fürwahr ich kann mir die Ausführung meines Amtes ohne die Mitwirkung jedes einzelnen Mitgliedes desselben gar nicht mehr denken. Ich habe zuletzt, aber nicht als letztem zu danken dem Grosssekretär, von dessen gewaltiger Aufgabe die Wenigsten eine Ahnung haben. Aber, dass ich als Grosspräsident ausgereicht habe, verdanke ich vor allem dem Umstände, dass ich aus den Händen meines Amtsvorgängers ein äusserlich und innerlich festgefügtes Ganzes bekommen habe. Unser Orden ist ein Bau geworden, dessen Grundmauern so fest und unerschütterlich sind, dass sie unzählige Stockwerke ertragen; unser < )rden ist ein Baum geworden, so gross und stark, dass ihn die heftigsten Stürme wohl schütteln und rütteln, aber nicht mein* brechen können. Und dabei ist die Zeit der Stürme glücklich und hoffentlich für immer vorüber. Die Anschauung, dass wir nur als Gesammtheit erfolgreich für die Gesammtheit kämpfen können, begegnet keinem Widerspruch mehr. Die vorgefundenen Einrichtungen haben sich als zweckentsprechend bewährt. Dies .gilt «ijorzugsweise von der Einführung des geschäftsführendenVAusschusses. Derselbe hat iu dem Berichtsjahr 21 Sitzungen abgehalten. Die grosse Anzahl derselben hat einmal seinen Grund in der erfreulichen Ausdehnung unseres Distrikts, das andere Mal, weil ich bei fast allen Anfragen, die an mich gerichtet worden, bei fast allen Entscheidungen, um die ich angegangen bin, die Mitwirkung des geschältsführenden Ausschusses in Anspruch genommen habe. Ich habe das nicht nur getljan, um sachgemäßere Antworten und Entscheidungen herbeizuführen, sondern auch noch ans anderen Gründen. Die Entscheidung, von einer einzelnen Person ertheilt, erregt leicht bei demjenigen, der durch die Entscheidung betroffen wird, persönliche Verstimmung gegen den die Entscheidung Treffenden. Vor solchen Verstimmungen gegen den Grosspräsidenten soll derselbe möglichst bewahrt werden. Und dann gewährt auch die Entscheidung durch eine Körperschaft dem Betroffenen das Gefühl der grösseren Beruhigung dahin, dass die Entscheidung zutreffend ist. Ich hoffe, Sie werden sich damit einverstanden erklären, dass ich mich nach wie vor nicht für ein besonderes selbstständiges Organ im Orden, sondern nur als ein Mitglied der höchsten Körperschaft mit den Befugnissen eines Vorsitzenden derselben betrachten werde. Entsprechend der vielen Sitzungen des geschäftsführenden Ausschusses haben die Sitzungen des General-Comites abgenommen und ich darf annehmen, dass Sie auch dies nicht i ' für unerfreulich ansehen werden. Die meisten Gegenstände erheischen schnelle Erledigung und soweit diese Voraussetzungen

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