Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 6 - August
- Date
- 1899-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BERLIN, im August 1899. . : ' NO. 6. Bericht der Grossloge für Deutschland u. o. B. B. Nachdruck sämmtlicher Artikel aus diesen Berichten verboten. .;. . " . vi. ,-■ " . •; & .i--; - Fernsprecher: D. Wolff, VI, No. 4619, Wilbelmstrass* 118. Berichtigung. ' Zu unserm Bedauern hat sich auf Seite 60 unseres vorigen Berichts, bei - Anführung der für das General- - Comitc erwählten Mitglieder, insofern ein Irrthum eingeschlichen, > als dort der Name des- Ex-Präs. Bruder Heimerdinger fehlt. Wir constatiren, dass dieser verdienstvolle Bruder auch ferner dem Gen'eral-Comitc angehört; er ist einstimmig zum Mitgliede dieser Körperschaft gewählt worden., Das Redactions-Comite. Zum neuen Jahre. Rastlos eilet die Zeit/ schon wendet sich das Jahr, zu Rüste gehen die Tage des Jahrhunderts, um in das Meer der Vergangenheit zu tauchen. Ein neues Jahrhundert breitet die Arme aus, um uns zu empfangen. Wird es unseren Glaubensgenossen Wohlwollen oder immer noch Abneigung bringen? Wer kann es ergründen? Noch liegen in seinem dunklen Schoosse die schwarzen und die heiteren Loose. — Ernste, heilige Feste leiten das kommende Jahr ein, Denktage von ergreifender Erhabenheit. Jeder Denktag bedeutet nichts, wenn er nicht ernste Mahnung und Aufforderung enthält. Religion, Sitte, Ueberlieferung haben die Feiertage festgesetzt, die wir heiligen sollen durch das, was wir in sie hineinlegen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft drängen sich mit Allgewalt in unser Gemüthsleben. , Das hohe Fest mit seinen ernsten Erinnerungen tritt an uns heran, ein hoher Sinn soll unser ganzes Sein erfassen, der Rückblick auf die Vergangenheit soll unsere Seele erfüllen. Ein Jahrhundert schönster Hoffnungen und bitterer Enttäuschungen für uns Israeliten geht dahin, Am Ende des vorigep Säculums sind auch für uns die Menschenrechte als unumstössliches Gesetz hingestellt, und das scheidende Jahrhundert ist erfüllt von üem schrillen Ton der Aberkennung der Menschenrechte für uns. — Und doch hat sich Vieles für uns günstig gestaltet. Der Kulturzustand, die allgemeine Bildung hat sich bei uns mächtig gehoben, in idealem Wetteifer streben wir mit den Andersgläubiges, unsern deutschen Mitbürgern, voll patriotischen Sinnes für ^Grösse, Wohlfahrt und Gedeihen unseres theuren Vaterlandes mitzuarbeiten, unbeirrt von den Anfeindungen, die uns entgegentreten, unbeirrt um utopische Ideen verblendeter Menschen, die sich an dje Oberfläche drängen. Ein hochidealer Sinn mit hochgestellten Zielen hat unsere Gemeinschaft erfasst, in allen Welttheilen hat sie feste Wurzeln gefasst. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das Streben des Zusammenwirkens für die sittliche Freiheit unseres Stammes ist mehr und mehr erstarkt. Zeugnisse unserer Arbeit haben wir in "der kurzen Spanne Zfit viele aufzuweisen. Und das Alles haben wir aus uns selbst heraus, aus eigener Kraft in innerer Gesundung hervorgebracht. Wohl uns, das wir zu der Einsicht gekommen sirid, j ..j- . ■ . w . - \ - - ^, , f dass wir durch unablässiges Arbeiten' an uns selbst, durch stete Fortbildung, durch Selbsterkeriritnjss, durch geistige, ethische Vervollkommnung als Juden die soziale Gleichheit und Ebenbürtigkeit erlangen müssen.und werden. In der Zeit der Erniedrigung am Endedes Jahrhunderts haben wir nicht verzagt, alle Kraft und allen Muth haben" wir daran gesetzt, uns zu erheben über das, Elend, -uns emporzuschwingen zu jener Idealität der Hoffnung und Zuversicht auf bessere Zeiten und der Würdigung unserer Bestrebungen. Und wie sagt Emerson: „Die Ouelle des Muthes ist das Selbstvertrauen. Wer sich auf das stützt, was "er ist, der ist ein Organ des Schicksals." Das gilt , nicht-hur von Individuen, sondern auch von Völkern. Aber noch ist nicht Alles gethan, ein kleiner Theil ist erfüllt, Vieles, Grösseres, Umfassenderes ist in die Wege zu; leiten,. der Verwirklichung entgegenzubringen. Nicht für'Uns Brüder allein haben zu schaffen wir gelobt, der Orden-ist für uns das ideale Mittel, das lautere Werkzeug für alle Unglücklichen unseres Stammes -'».--'•* einzutreten, wo sie auch weilen 'mögen.. Ein unglückseliger, in materielle Noth und 'geistige Ärmuth versunkener Br-uderstamm in Galizien erheischt unsere ganze-Fürsorge und ganze Kraft, um ihn zu menschenwürdigem Dasein emporzuheben. Mit der Abstellung sozialer Schäden". und Missstände muss Hand in Hand gehen die Sanirung des Bodens, die Grundlagen zu scharfen für die Besserung der kulturellen Verhältnisse. — Wir sind die stillen Naturen, die den Lärm des Tages meiden, sich ganz auf unsere geräuschlose Arbeit, auf unseren Ideenkreis zurückziehen,-.ohne weltfremd zu bleiben, für die Bedürfnisse der Zeit offenes Ohr und Auge haben. Trotz aller Feindschaft, die sich überall gegen uns erhebt, halten wir die Idealität mit allen Fasern des Herzens fest, tragen, wir atFe Schmerzen der Zeit ohne Groll. Und darum dürfen wir guten Muthes in die Zukunft blicken. In sorgenvoller Zeit hat der Orden bei uns Eingang gefunden, ist die Zuflucht aller edel denkenden Israeliten, der Hort aller Menschenfreunde geworden. — Aber noch verharren viele grosse Gemeinden in Gleichgültigkeit für unsere Bestrebungen. Möge es uns vergönnt sein,! diese Alle im nächsten Jahre zu den Ünsrigen zu zählen. Mögen unsere Logen wachsen in der Zahl ihser Mitglieder, mögen immer mehr die Glaubensgenossen sich dem Ordensziel zuwenden,