Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1899-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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.Edel der Mensch, der dem Bruder in Noth Hülfreich und freudig reichet das Brot. Edler jedoch, der ihm Möglichkeit schafft Sich zu erhalten aus eigener Kraft." Getreu diesem Programme ward der Arbeitsnachweis begründet, um all' jenen schuldlos ins Unglück gerathenen Existenzen, die sich gerne emporraffen möchten, wenn sie, nur Gelegenheit zum Erwerbe fänden, die Bettlerkrücke aus den Händen zu entwinden und ihnen Gelegenheit zum ehrlichen Erwerb zu verschaffen, um aber anderseits all' jenen licht- und arbeitsscheuen Elementen, welche jahrais jahrein München zu überschwemmen pflegen, durch ein kräftiges: Hic Rhodus, hic salta — Hier hast du Arbeit dann harrt deiner auch Unterstützung — den Weg nath München allmählich zu verlegen. Seit dem L November ist das Bureau für Arbeitsnachweis eröffnet, und trotz seiner Jugend kann es bereits auf eine stattliche Zafefl ungeahnter, glänzender Resultate zurückblicken, und wenn der al e, talmudische Satz richtig ist, dass, wer eine einzige jüdiscie Existenz vor dem gänzlichen Untergange, vor dem dauernden Ruine bewahrt, dass es dem im Himmel so angerechr et werden soll, als ob er eine ganze neue Welt geschaffen hätte — dann liebe Brüder hat der Arbeitsnachweis, l at unser Br. Adolf Fraenkel und mit ihm alle Wackeren in der Gemeinde, die ihm | bei diesem Werke hülfreich 2ur Seite gestanden, bereits eine ganze Reihe neuer Welten geschaffen und die Armenpflege und Armenunterstützung in unserer Gemeinde, sie wird mit Eifer in aller Zukunft bei diesem Werke einzusetzen haben und weiter auf Das a lfbauen müssen, was mittelbar in dieser Schöpfung die Loje begründet hat. — Und das 2. Pensum, das wir aus dem Vorjahre übernommen: es ist die Ausbildung jüdischer Krankenschweste-n. Sind uns und unserem verdienten Referenten auf diesem Ärbeitsfelde, Br. Dr. Sielmann, auch unangenehme Erfahrungen, herbe Enttäuschungen nicht - erspart geblieben, so sind wir doch auch hier um einen kleinen Schritt nach Vorwärts gerückt; 3 unserer Schützlinge haben nunmehr die Feuerprobe bestanden, eine weitere Lehrschwester ist angenommen und wir dürfen die bestimmte Hoffnung heg m, dass binnen Jahresfrist jüdische Krankenschwestern in München ihre Thätigkeit begonnen haben werden. — .. Auf noch ein drittes, allerjüngstes Kind kann die Lege heute mit Stolz blicken. Da drunten am Jakobsplatz, inmitten jener Gassen und Strassen, die das jüdische Proletariat mit Vorliebe zu seinen Wohnstätten auszuwählen pflegt, da hat die Loge ein Zimmer gemiethet und in diesem Zimmer ward eine Niederlage von allen für die Krankenpflege unentbehrlichen Utensilien und Instrumenten errichtet.' Thermometer und Eisbeutel, Krankenfahrstühle und Badewannen, Inhallationsäpparate und andere hier nicht näher zu benennende Instrumente stehen dort in reicher Auswahl alltäglich cen jüdischen und nichtjüdischen Aerzten, welche in der Armenkrankenpflege beschäftigt sind, zur Verfügung und wel:h' reicher Segen von jenem Bureau ausströmt, das kann nur der Arzt ermessen, der sich schon rathlos am Bette eines armen Unglücklichen den Kopf darüber zerbrochen hat, woher in aller Eile die zur Genesung unentbehrlichen Instrumente zu beschaffen seien. Aber nicht nur den gänzl ch Unbemittelten, auch jenen minder begüterten Familien, in deren Jahresbudget ohnedies die Erkrankung eines theuren Angehörigen ein bedenkliches Loch zu reissen pflegt — auch ihnen stehen die Vorritte unseres Pflege-Artikel- Depots zu erstaunlich niedrigen Leihgebühren zur Verfügung. Ich miisste den Rahmen der mjr gesteckten Zeit weit überschreiten, wollte ich auch hur, andeuten, welches Glück im Unglücke, welche Wohlthat es für. solche Familien ist, einen Inhallationsapparat um 25 Pfg., ein Krankenstuhl um l Mk. ausgefolgt zu erhalten. Mit der Errichtung dieses Pilege- Arukel-Depots wird die l Nummer jenes Programmes, das uns Br. Dr. Feuchtwang£r in seinem Referate: „Ueber Mittel zur Verbesserung der-Annenkrankenpflege" skizzirte, seitens der Loge zur segensreichen Durchführung gebracht. Lassen Sie mich auchdieses, Kapitel mit dem Wunsche schliessen „Vivant sequentes". Mögfcn die anderen Nummern jenes Programms von unserem heu zu wählenden sozialen Ausschuss ernstlich geprüft, .wohlmeinend bereift werden, dann wird es der Loge auch in Zukunft nicht an Arbeitspensum, nicht an Gelegenheit zu weiteren, grossen, weitausholenden Schritten auf der Bahn nach Vorwärts fehlen. — Der dritte und letzte'Rath Joseph's an seine Brüder, er lautete: „Bringet Sonnenlicht und Sonnenwärme in jede Stadt, in jedes Dorf, in welchen Ihr unterwegs Rast machen werdet." Liebe Brüder! Wenn die Strahlen der Sonne nur dort erwärmend, belebend und aufrichtend wirken können, wo vordem Schatten, Nacht und Trübsal geherrscht hat, dann war es der München-Loge oft. leider nur zu oftmals beschieden, Licht, Trost und Zuspruch in die Stätteft der Trauer und Trübsal zu, entsenden. Nicht jenen traurigen August-Tag habe ich dabei im Auge, an dem wjr wehexfüHt an der Bahre eines unserer besten, wackersten. Brüder gestanden, an dem das Gelöbnissi unserem Gründungsmitglied Ludwig Steinitz ein dauerndes, gesegnetes Andenken in der Loge zu bewahren, auf unser aller Lippen schwebte; damals hatten wir keinen Trost, keinen Zuspruch zu entsenden; weil wir selbst die Mitgetroffenen, die Mitgebeugten waren. Aber in zahlreichen anderen Fällen oblag es der München-Loge, jenen Brüdern Trost und Zuspruch zu senden, in deren Häuser Trauer und Schmerz eingekehrt war.- Wefln dem einen Bruder aus unserer Mitte die heissg'eliebte Gattin nach nur 10 monatlicher glücklichster Ehe entrissen ward, - wenn ein Anderer die 17jährige Tochter in der Blüthe.: der Jugend verlieren musste, wenn ein Dritter den vejq^hrten Vatefc efn Vierter die betagte Mutter beweinte, wenn 2 andere Brüder zarte, unschuldsvolle Kinderblüthen in den Sarg legen mussten — immer und immer fanden sich die Brüder, fast, vollzählig auf jener Stätte ' » »T " f_ ' da draussen, die der jüdische Volksmund den .guten Ort" zu nennen pflegt, ein, um'den heimgesuchten Bruder auf seinem schweren Wege' zu stützen ' und zu geleiten. Und war es nicht ein kleiner Sonnenstrahl für den Gebeugten, wenn daheim im Trauerhause die Thüre sich öffnete und die Vertreter der Loge nahten, Um durch einen warmen •Händedruck zum Ausdruck.zu bringen, dass al|e Brüder mit ihm tragen, dass alle Brüder,seinen Schmerz zu theilen versuchen? Und wenn getheilter Schmerz halber Schmerz, und getheilte Freude doppelte Fredde ist dann war es der München- Loge auch beschieden —' dem Allgütigen sei Dank dafür! bei mannigfachen, frohen Anlässen in den Familien unserer Brüder die Festesfreude zu steigern.und zu erhöhen! Wenn uns ein Bruder in seiner Verlobten Oder Neuvermählten eine V