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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1899-05-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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liebe, neue Schwester zuführte, wenn ein Anderer seinen Sohn, ein Dritter seine Tochter zum Traualtare geleitete, wenn ein vierter Bruder aus unserer Mitte aut ein Viert »ljahrhundert unentwegter Pflichterfüllung u/id rastlosen Sei affens im Dienste der Schule und des Gotteshauses zurückblicken konnte, wenn andere frohe Gedenktage den. Familienkreis unserer Brüder besonnten — nie kargte die Loge mit ihren Wünschen. Aber die leuchtendsten und glänzendsten Sonnenstrahlen hatte die Loge dann zu entsenden, wenn auf lange und bange Tage der Angst und der Sorge um das ^eben eines geliebten Bruders die Kunde von der wiedereingetnftenen Besserung, von der Wiedergehesung zu unsern Ohren drang! Zu wiederholten Malen hatte der Krankenausschuss seines Amtes zu walten: aber zweimal seit Bestehen der München- Loge ist es vorgekommen, dass Brüder aus unserer Mitte in derrBlüthe der Jahre von tückischer Krankheit aif das Schmefzenslager geworfen wurden und schwere, sc i\irere Wochen vergingen, in welchen die Kunst der Aerzte schon zu erlahmen und zu versiegen drohte, bis sie dem Leben, ihren Lieben, uns Allen wiedergeschenkt wurden! Mit welcher Aufregung und Ungeduld erwarteten wir damals ennö Liebe — 58 — die Berichte von den Krankenbetten unserer BBr. B Epstein und Dr. Feuchtwanger, welche Summe von und Treue offenbarte sich in jenen Tagen der Krisis. Jn den darauffolgenden Wochen der Rekonvaleszenz, welcher erfüllte uns ausnahmslos, als es hiess. dass der Arzt Aerzte wieder geholfen habe. Wenn die München-Loge seit ihrer Begründung in Annalen weiter nichts zu verzeichnen hätte als jene von Liebe und Treue, -von Hingebung und Aufopferung, wie sie sich in jenen Wochen bekundete, sie hätte |durch dies allein ihre Existenzberechtigungverwiesen! Aber nicht nur auf den engeren Kreis der Brüder und nicht nur. wo es Schmerzen zu theilen und Freue e zu steigern galt, beschränkte sich unsere Thätigkeit: aucl dort wo materielle Xoth zu mildern, wo Elend und Sorge zu bannen oder doch zu lindern war, da trug die Mürchen Loge nach ihren bescheidenen jungen Kräften ihr Schcrflein bei und legte, dadurch von Neuem Zeugniss dafür ab, dass der Wohlthätigkeitssinn der Bnei Briss-Lo'gen allen Bedrv ckten und Bedrängten ohne Rücksicht auf Religion und Abstanr mung zu Gute kommen soll. Dem Verein „Jedide Ilmiri" in Berlin, der die armen taubstummen jüdischen Kinder erzieht und heranbildet, sowie zahlreichen andern Wohlthätig keits Organisationen traten wir als immerwährende Mitglieder bei. und die Pflicht der Waisenpflege, eine der hehrster, und höchsten Aufgaben unseres Ordens, wir übten sie durch Zuwendungen an das deutsch-israelitische Kinderheim-in Diez, sowie durch einen namhaften ßeitrag zum Bau eines neuen jüdischen Waisenhauses in Emden. Wenn es uns auf diese Weise möglich ward, so manches Gute zu stiften, so nanche Thräne zu trocknen, dann danken wir dies der Opferfrsudig keit jener Brüder, die bei allen Gelegenheiten freudiger und trauriger Art in hochherzigster Weise unsern Unterstüt :ungstond bedachten. Möge dieser Optersinn auch in Zukunft nie ubel aller ihren Fülle erkalten und wir allmählich zu dem Ziele gelangen, dass keine Logensitzung verstreichen möge, an welcher nicht wenigstens ein Akt zielbewusster Caritas, ein Werk des Wohlthuns und der Menschenliebe berathen und beschlossen werde! ' Liebe Brüder! Ich bin am Schlüsse meines Berichtes angelangt und wenn ich mir erlaubte, denselben dem Rahmen eines alttestamentlichen Themas anzugliedern, so werden Sie es mir nicht verargen, wenn ich auch mein Schlusswort einem ähnlichen Gebiete entlehne. Am Versöhnungstage, wenn die Sonne den Zenith überschritten und die Gemeinde ihr Knie vor Gott gebeugt hat, da pflegen unsere modernen Gotteshäuser sich, etwas zu leeren und unter den Schritten der ins Freie Eilenden geht zuweilen ein Gebetsstück verloren, das ich zu den Perlen unserer gesammten festtäglichen Liturgie zählen möchte. Und dieses Gebetsstück — es ist das Gebet des einstigen Hohepriesters in Israel am Versöhnungstage, in dem Momente als er versöhnt und entsühnt aus dem Allerheiligsten in die Vorhalle zum Volke zurückkam. Es lautet: „Möge es Dein Wille seinf, unser Gott und Gott unserer Vätex dass das Jahr, welches heute einzieht über uns und über Dein ganzes Volk Israel, ein Jahr sei des Lichtes und des Lebens, des Sieges und des Segens, des Friedens und der Freude, des Gelingens und des Gedeihens, ein Jahr, in welchjem keines Deiner Kinder Israel Einer die Hülle des Andern nölhig haben möge, ein Jahr, in dem gesegnet sei unser Eingang und unser Ausgang!" Liebe Brüder! Lassen Sie mich in dieser weihevollen Stunde unserem Geburtstagskinde, der München-Loge, den gleichen Wunsch darbringen. Möge es der Wille der Vorsehung sein, dass das neue Arbeitsjahr, welches morgen für, die München-Loge beginnt, und der neue Te"rmin, welcher in den nächsten Tagen für alle Logen unseres Distriktes anhebt, dass es s^ei. ein Jahr des Lichtes und des Lebens für die Brüder und ihre Familien, des Sieges und des Segens für die Ordensidee, des Friedens und der Freude für unser engeres und weiteres Vaterland, ein Jahr des Gelingens, Blühens und Gedeihens aller Institutionen und Organisationen, welche der Orden diesseits und jenseits des Weltmeeres ins Leben gerufen, ein Jahr, in welchem keiner der Brüder je die Hülfe, den Trost, den Zuspruch der anderen Brüder nöthig haben möge, wenn aber, Gott verhüte ihn, dieser Fall je eintreten sollte, alle für Einen jeinmüthig, einträchtig zusammenstehen mögen, ein Jahr, in de» gesegnet sei unser Eingang in dasselbe und übers Jahr unser Ausgang aus demselben, auf das. wenn wiederum unser Stiftungsfest naht, und ein Besserer, eijn Würdigerer als ich, von dieser Stelle aus zu Ihnen sprechen wird, er Ihnen stolzen und f rohen Herzens künden könne: Wir haben im Sinne des Patriarchen keine unnützen, überflüssigen Diskussionen gepflogen, wir sind langsam, aber stetig vorangeschritten, wir haben Licht in uns und um uns verbreitet, w(r haben gearbeitet in Wohlthun, Bruderliebe und Eintracht, im Geiste der Ordensidee, zur Ehre des Judenthums." , v , Buchclruekerei von Max Cohn (Ith. A. M. Brodacz). Berlin N0-, Kaiserstrasse 41.

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